„ALOHA“ auf dem Fensterbrett

p8110302_hawaii-palme.jpgDer jüngste Neuzugang auf meiner Fensterbank ist eine Hawaiipalme. Sie brachte zum Einzug freundlicherweise etwas Lektüre mit, in der stand, wie sie denn gern wohnen möchte: Hell, aber nicht zu sonnig, ab und an ein Schlückchen Wasser in Ehren, aber kein Wassertreten. Außerdem teilte sie mir schriftlich mit, dass sie in ihrer Heimat vom Aussterben bedroht ist und dass ein holländischer Blumenzüchter sich ihrer Art angenommen hat. Um die Pflanze auch in ihrer eigentlichen Heimat wieder zu verbreiten, unterstützt man mit einem gewissen Anteil des Kaufpreises einer jeden Pflanze ihre Weiterverbreitung auf Hawaii.

Nach einer Woche begann sie, gelbe Blätter zu produzieren.
Ich war verzweifelt, kontrollierte, ob ich zu viel oder zu wenig gepflegt hatte. Gefiel ihr die Aussicht nicht? Hätte ich ihr aus ihrem Büchlein vorlesen sollen? Oder andere Geschichten erzählen, in denen Pflanzen die Protagonisten sind? Flatsch, ein Blatt fiel ab und das nächste neigte sich stark Richtung Sims, was wiederum andere Blätter aus Solidarität erbleichen ließ. Ich machte mir ernsthaft Sorgen.

Forschungsarbeit im Internet brachte Folgendes ans Licht:
1. Die Hawaiipalme ist gar keine Palme. Da mein Wohnraum begrenzt ist, kreide ich ihr diese kleine Schwindelei nicht an, so können wir vielleicht länger zusammenwohnen.
2. Sie scheint vom Aussterben bedroht zu sein, weil es offenbar auf Hawaii keine Insekten gibt, deren Rüsselchen lang genug sind, dass sie sich an den pflanzlichen Nektarvorrat begeben wollen/können und dabei dann –quasi im Vorüberkrauchen– die Pflanze bestäuben.
Die Frage „Wie konnte diese Pflanze sich überhaupt jemals auf Hawaii ansiedeln?“ muss in diesem Zusammenhang erlaubt sein. Gab es dort irgendwann mal fliegende Miniaturelefanten, die für die Vermehrung sorgten? Wo sind Humboldt, Darwin und andere Gelehrte, wenn man sie braucht?!
3. Und jetzt wird es spannend, das stand auch nicht in ihrem Heftchen: Gewöhnt an die recht einheitliche Tagesdauer auf Hawaii (ca. 11-14 Std.) gerät sie bei uns im Sommer durch die längeren Tage unter Stress – und zack, schon wirft sie Blattware weg. Laut Internet kann es sogar passieren, dass sie sich völlig entblättert. Man soll sie dann in eine schattigere Ecke stellen.
Prima, deswegen kaufe ich mir ja eine Grünpflanze: Sie soll sich möglichst schnell „nackicht“ und unansehnlich machen, damit ich etwas habe, mit dem ich dunkle Ecken füllen kann.

Im Winter soll sie dafür Blätter und Blüten produzieren, dass es die wahre Freude ist. Offenbar setzt ein kurzer Arbeitstag und eine lange Schlummernacht sie nicht unter Stress. Ganz im Gegenteil, da holt sie das Beste aus sich raus.

Ich bin so gespannt, ob sie sich wie beschrieben verhält. Habe sicherheitshalber schon ein Plätzchen hinter meinem Schreibtisch freigeräumt – falls sie nur noch aus Stamm besteht und sich so nicht vor den anderen Pflanzen zeigen will. Aber wehe, sie will sich so auch durch den Winter faulenzen …

Dieser Beitrag wurde unter Be-Merkwürdiges, Gelesen/gehört/gesehen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

4 Antworten zu „ALOHA“ auf dem Fensterbrett

  1. Herr L. sagt:

    Vielleicht haben sie dir ja doch eine Pflanze aus der Gattung der Palma Germania Stripteasis angedreht.

    Die grünen Blätter sehen aus, als könne man sie essen.
    Hast du die schon mal probiert?

    Die gelben Blätter sehen aus, als könne man sie rauchen.
    Hast du die schon mal…?

    Punkt 3 verstehe ich aber nicht. Tag-und-Nacht-Gleiche haben wir doch hier auch, sogar zwei Mal im Jahr. Nur nennen wir das dann Frühlings- bzw. Herbstanfang. Haben die das auf Hawaii denn jeden Tag?

    Ich glaube, spätestens seit Erfindung des heliozentrischen Weltbildes vor einigen Jahren ist das nicht mehr so.

  2. Susanne sagt:

    Habe auch schon überlegt, ob die Befreiung von Blättern bei dieser „Palme“ eine natürliche Reaktion auf Sommer ist (warm = wenig an). Vielleicht sollte ich ihr aus den gelben Blättern ein kleines „Bast“röckchen knüpfen (bin doch Nichtraucherin …)
    Danke für den Hinweis mit der Tag/Nacht-Gleiche – du hast natürlich Recht, korrekterweise muss es heißen, dass die Tageslänge auf Hawaii innerhalb eines Jahres nicht stark variiert. Werde ich gleich mal berichtigen. Übrigens: Auf Hawaii gibt es tatsächlich keinen „echten“ Frühling und Herbst. Die subtropische Lage macht es. Aber bei durchschnittlich 24 °C Tagestemperatur im Winter kann man m.E. auch nicht unbedingt von Winter im hiesigen Sinne sprechen.

  3. Alex sagt:

    Ja hätt‘ ich’s doch schon Freitag-Abend gelesen.

    Susanne – Mensch! Wir lieben die selbe (Angeblich)-Palmen-Art.

    Mein Schatz hat sie gekauft und was soll ich sagen: Sie hat geblüht. Yes, we can. 3 Blüten. Das soll ja laut Beibuch seeeeehr selten sein. Ab und an ein Schnäpschen Wasser und viel Licht – keine direkte Sonne, aber Tageslicht. Das war’s. Übrigens, die gelben Blätter pflücke ich ja immer ab, zur Fütterung meiner Bio-Tonne 🙂

    LG und – Die kleine Käffchen-Runde war suuupi. Wird wiederholt.
    Alex

  4. Susanne sagt:

    @Alex: Na, da werde ich mich doch von meiner Palme nicht auf die gleichnamige treiben lassen nur weil sie gerade wieder ein paar gelbe Blätter weggeworfen hat … Immerhin hat sich ihr Stängel seit ihrem Einzug um gut 5 cm verlängert. Ich habe offenbar eine Palme, die Yul-Brynner-Fan ist (Donnerwetter: 2 Ypsilons auf einmal – zählt Y.B. beim Scrabble?) und nach Höherem strebt. Sie wohnt hell (ich habe sogar die Fenster geputzt) und ich begieße sie selten. Warten wir es ab, noch ist die Winterzeit nicht rum.
    Und jaaaaa, auch kleine Runden sind klasse – man kriegt letztlich ja mehr von den Mitrundenden mit. 😉
    LG von Ost nach West
    Susanne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.