Hannover und das gesunde Leben

Ich bin begeisterte Hannoveranerin – das mag vielleicht nicht immer so gefühlsgewaltig rüberkommen, aber die meisten Hannoveraner, die ich kenne, pflegen im Ausdruck ihrer Emotionen auch eher eine zurückhaltendere Art und Weise, als man sie vielleicht aus anderen Gegenden dieser Republik kennt.
Für Auswärtige und andere Nicht-Kundige: Wenn wir bei einem Konzert rhythmisch mit dem Fuß wippen, stehen wir innerlich quasi begeisternd jubelnd auf den Stühlen. Kommt noch ein angedeutetes Hüftschwingen dazu, sind wir tief in unserem Innersten der Ekstase nahe.
Auch bei umgekehrter Gefühlslage neigen wir hier nicht gleich zu vulkanartigen Gefühlausbrüchen.
Ich kann aber versichern, dass ich letzte Woche reichlich empört war: Mittwoch konnte ich in meiner Tageszeitung lesen, dass Hannover nach der Studie „Wo ist Deutschland am gesündesten“ der Zeitschrift „healthy living“ (ja, das gute alte deutsche „healthy living“) nur im Mittelfeld landet (Platz 54 in einer Reihe von 81). Das ist zwar nicht doll, aber noch kein Grund für eine ausgewachsene Empörung. Die kam erst, nachdem ich gelesen hatte, was denn zu dieser Bewertung führte. So richtig reingerissen wurden wir u.a. in den Positionen „Freizeit und Beziehungen“, „Medizinische Versorgung“ und „Umwelt, wohnen und Erholung“ – mehr als die Schulnote 5 war da nicht drin.
Und so eine miese Bewertung mag ich nicht glauben, wenn es um „meine“ Stadt geht. Von offizieller Seite wurden auch umgehend mehr als geringe Zweifel an der Aussagekraft der zugrunde liegenden Werte angemeldet.
Im Freundeskreis (auch alles eingefleischte H-Fans) wurde natürlich gegrübelt, wie es zu diesen Bewertungen kommen konnte. War es womöglich durch versehentliches Zeilen- und Spaltenhopsen zu einer Art „Kreuzbewertung“ gekommen? Wir konnten uns das Ergebnis der Studie nur so erklären.
Eine derartige Vermengung der Parameter zur medizinischen Versorgung mit bspw. denen der Grünflächenausstattung kann dann ratzfatz zu einer absoluten orthopädischen Unterversorgung in den Herrenhäuser Gärten führen. Auch die Eilenriede ist sicherlich nicht gerade ein Zentrum für zahnärztliche Behandlungen, von den geringen Fällen augenärztlicher Untersuchungen am Maschsee ganz zu schweigen.
Bei solch einer Auswertung wird es dann aber auch niemanden wundern, dass der Freizeitwert der städtischen Krankenhäuser nicht sonderlich üppig ist.

Wie so oft zeigt sich, dass an der Winston Churchill zugeschriebenen Aussage „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.“ doch was dran ist. Naja, muss ja nicht „gefälscht“ sein, „interpretiert“ reicht auch …
Und schon hat mich die hannöversche Gelassenheit wieder.

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4 Antworten zu Hannover und das gesunde Leben

  1. Lotte sagt:

    Ach Martha, lass dir deine Stadt nicht miesmachen, sie ist nicht mies!!!
    Heute wird übrigens nicht mehr gefälscht, da macht man sich die Zuständigen solcher Untersuchungen „gewogen“. Ich weiß auch nicht, zu welcher Jahreszeit man diese Befragungen gestartet hat. Wenn z.B. Heidelberg auf dem 4. Platz geführt wird (nix gegen Heidelberg, eine wunderschöne Stadt), dann waren die Initiatoren sicher noch nicht an einem heißen Sommertag in diesem Kessel oder sie hatten indes das Atmen eingestellt.
    Lass dir von einer Ex-Hannoveranerin sagen: Deine Stadt ist klasse!!
    Was ist eine Bewertung von healthy living.

  2. Herr M. vom Hirsch aus E sagt:

    …. Hannover hat doch was, Martha du liegst ganz richtig!
    Wenn selbst Gerhard, unser Ex-Kanlzer, allen Versuchungen widerstanden hat sich ins Umland ziehen zu lassen und er seinen Wohnsitz immer noch in Hannover – „Zooviertel“ – hat, können wir ja eigentlich nicht sooo verkehrt liegen.
    Das einzige was mich misstrauisch macht sind Gerüchte, das Gerd sich als neuen Wohnsitz Russland ausgesucht haben soll – sind aber wahrscheinlich nur Gerüchte.
    Aber wie kann man eigentlich dies Land mit Hannover, seiner Eilenriede, seinem Maschsee, seiner Luisenstraße ( … nicht Ludwig ) , Herrenhäuser Gärten etc. ernsthaft vergleichen.

    ….und zu den Hannoveranern:
    Was die Emotionen, gewaltigen Gefühle, Vulkane usw. angeht, kann ich nur sagen:
    Sollten doch so genannte rheinische Frohnaturen erst mal ´ne ordentliche Gaudi in Hannover erleben, selbst wenn wir nur mit den „Füßen wippen“ – in Zeiten der modernen Geleinlage ist das auch nicht mehr so belastend – dann meinen wir es auch so und man muss es nur richtig interpretieren!
    Bei uns ist´s ehrlich gemeint – ist halt nichts künstliches, naja Geleinlagen einmal ausgenommen!
    Andere Naturen, die südlich vom Weißwurstäquator, sind vielleicht Bierzelt erprobt, aber natürlich nicht sensibel genug unsere innerste Ekstase wahrzunehmen.

  3. Susanne sagt:

    @Lotte und Herrn M. vom Hirsch aus E:
    Ach, wenn ihr mich nur sehen könntet … Außenstehende (= emotional anders als „hannöversch“ gelagerte Menschen) sähen lediglich eine tickernde Frau am Laptop, ihr aber wüsstet, dass dort eine Frau sitzt, die im Inneren gerade einen Freudentanz aufführt, ob der zustimmenden Kommentare. Danke! 🙂

  4. Silke sagt:

    hier wird fröhlich mitgeticker-tanzt 😉

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