Gruppentherapie?

In einem Prospekt einer großen Handelskette fand ich ein Angebot, das mich stutzen ließ: „Große Weinaktion.“

Gruppentherapie Ich weiß, wir Norddeutschen sind nun nicht gerade mit dem sprichwörtlichen rheinischen Frohsinn gesegnet, aber dass hier kollektive Schluchzveranstaltungen abgehalten werden, hat mich doch überrascht. Und betroffen gemacht. Und fast zu Tränen gerührt. Aber eben auch nur fast.
Ausgerechnet jetzt, nach Wochen schönsten Wetters, sind wir hier oben so fertig mit der Welt, dass man uns ein halbes Dutzend Flenntermine anbietet: „5 kaufen, 1 gratis!“?! Das mag ich ja gar nicht glauben.
Wenn es im Februar gewesen wäre oder im November, den klassischen Melancholiemonaten. Da hätte ich noch nachvollziehen können, dass man mal einen neuen „Saisonartikel“ ins Programm nimmt. Aber im Mai?
Außerdem finde ich die Aktion dann doch nicht konsequent zu Ende geführt: Im ganzen Prospekt habe ich kein Angebot für Jammerlappen gefunden, mit denen man die Ergebnisse halbdutzendfacher Heulveranstaltungen eindämmen kann.
Das gibt Punktabzug (bzw. im Falle dieser Handelskette ,-abzug).

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10 Antworten zu Gruppentherapie?

  1. Sabine K. sagt:

    Das ist Ausbeutung der weinenden Klasse!
    Es macht mich zutiefst betroffen, wie skrupellos hier mit den Gefühlen der Mitmenschen umgegangen wird.

    Ein Beispiel für das Diktat des Kommerzes gefällig? „Weinhandel“! Das ist doch wohl die krasseste Form ungehemmter Geschäftemacherei!!! Und die Tränenspender werden dazu noch in dunklen Verliesen gehalten, so genannten Weinkellern….
    Brüder und Schwestern, lasst uns die Korken der Unterdrückung abwerfen: Auf die Flaschen, auf zum letzten Gezeche!
    Lila Lichtenstein

  2. admin sagt:

    Jetzt wird mir auch die Bedeutung von Weinstein klar (quasi ein echter Trauerkloß!) … und den steten Tropfen, die ihn denn doch höhlen.
    Weinberg und Weinbrand erkäre ich allerdings zu reinen Phantasieprodukten – es sei denn, dass man Tränen stapeln oder anzünden kann.
    Euch allen ein dreifaches Wein-gut, Wein-gut, Wein-gut!

  3. geli sagt:

    ha, ich halte mit WEINGEIST dagegen!

  4. Sabine K. sagt:

    …schreibt man Wei(h)nachten wirklich mit „h“?

  5. Susanne sagt:

    @Sabine: Einzelfallentscheidung – u.a. abhängig von den Geschenken. Je danebener, desto weniger „h“. 🙂

  6. geli sagt:

    sehe ich anders, @suse und sabine, je seeliger desto wein 🙂

  7. Susanne sagt:

    @Geli: Ich dachte immer je glück, desto seeliger. Oder war es je gluck-gluck, desto seeliger?!

  8. geli sagt:

    glückseelig, weinseelig – wie auch immer. da lehne ich mich im zweifel doch an meine liebste tante tini an, die da hilfreich zur seite stand mit „wer sorgen hat, hat auch likör“ – das kann sicherlich auch mal wein sein. also, wenn es mit der glückseeligkeit nicht klappt, dann schwenken wir einfach um. hauptsache seelig – mit welcher vorsilbe auch immer.

  9. Susanne sagt:

    So soll es sein: erst umschwenken, dann einschenken! Tantchen hat es auf den Punkt gebracht.

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