Schnittlauch von Welt

Die „Reiselust“ von Obst und Gemüse ist schon erstaunlich:
Ananas beispielsweise kommt meist per Schiff zu uns. Wohlhabende Ananasfamilien schicken ihre Sprösslinge aber durchaus auch mal mit dem Flugzeug ins ferne Deutschland.
Bananen starten ihre Schiffsreisen meist noch vor dem Einsetzen der Pubertät – wenn sie dann hier ankommen, haben sie diese für alle doch etwas anstrengende Reifezeit überstanden.

p3120140_schnittlauch.jpgDass jetzt aber auch Schnittlauch, dessen Anbau unter hiesigen klimatischen Bedingungen nun wirklich nicht gerade ungewöhnlich ist, aus fernsten Landen anreist, hat mich doch mächtig verdutzt: Als ich im Supermarkt einer fremden Stadt keinen Schnittlauch im Topf bekam, entdeckte ich gebeutelten – was für Luxusstänglis, normalerweise gibt es topflosen Schnittlauch als loses Büschel mit einem profanen Gummiband um den Bauch. Wie überrascht war ich, als ich zu Hause entdeckte, dass dieser Lauch ganz aus Indien zu uns gekommen war. Hier hat man ihm nur noch sein Folienkleid angezogen (ein deutscher Betrieb stand als Abpacker auf dem Etikett). Hätte ich niemals gedacht.

Bei Exoten, die in unseren Breitengraden nicht wachsen wollen oder können, kann ich durchaus nachvollziehen, dass sie einen längeren Anfahrtsweg haben. Aber Einheimische wie Äpfel, Kartoffeln, Möhren, Spargel usw. müssen für mich wirklich nicht um die halbe Welt kariolt werden. Und Schnittlauch auch nicht. Da habe ich jetzt ein Auge drauf.

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5 Antworten zu Schnittlauch von Welt

  1. Herr L. sagt:

    Dann schlagen wir eben zurück und exportieren einheimischen Tee nach Indien. Auf diese Art brauchen die Schnittlauch-Bomber auch nicht leer zurück fliegen.

  2. Susanne sagt:

    @Herrn L.: Dass Schnittlauch den Luftweg nimmt, kann ich aufgrund der doch eher kurzen Haltbarkeit des Lauches nachvollziehen (Schiffe wären ja eher als „Gewächshäuser“ unterwegs – vom Anbau bis zur Ernte, alles auf dem Wasser). Aber Tee ist doch nun wahrhaftig ein Begleiter der Seefahrerei (wir erinnern uns an die „Boston-Teaparty“?!). Prinzipiell hast du natürlich Recht: Der leckere Goldmännchen-Tee aus dem alten Tee-Anbaugebiet Thüringen sollte auch in indischen Supermärkten erhältlich sein!

  3. Herr L. sagt:

    Wären Otto Lilienthal und die Gebrüder Wright ein paar (hundert) Jahre früher auf die Welt gekommen, hätte man in Boston vielleicht schon Flug-Tee auf das Rollfeld oder bereits im Anflug abgeworfen.

    Aber ich finde die Idee gut, Containerschiffe, die alle die schönen Sachen aus Fernost zu uns bringen, zu begrünen.

  4. superknowitall sagt:

    Der Schnittlauch stammt aus dem Norden; sein Ursprung liegt in Kanada und Sibirien. Während der Eiszeit war die Beringstraße Land (d. h. der Meeresspiegel viel niedriger), sodass viele Taxa sowohl im nördlichen Amerika als auch in Sibirien vorkommen.
    Verbreitungsgebiet [Bearbeiten]Es wird vermutet, dass der Schnittlauch ursprünglich aus Zentralasien kommt. Heute kommt er aber praktisch in den ganzen gemäßigten Breiten wild oder verwildert vor.

    Quelle: Wikipedia.de (was wären wir ohne Wiki)

    Also – der Schnittlauch ist NICHT eine hier heimische Pflanze – dass sich die Wikipedia-Autoren nicht einig über die Herkunft sind (Norden UND Zentralasien als Herkunftsregion) macht es nicht besser .. Der Schnittlauch ist ein Importgewächs – er WÄCHST hier zwar – aber er kommt nicht ursprünglich von hier.

    Du hast sozusagen Retro-Schnittlauch – aus Zentralasien – gekauft 😉

  5. Susanne sagt:

    @superknowitall: Jau, die Information, dass Schnittlauch vor langer Zeit von jwd herüberkam, hatte ich auch voller Erstaunen bei unser aller Wikipedia gelesen. Bin trotzdem der Meinung, dass „Hierwüchsiges“ (von wo auch immer wech eingewandert) nicht importiert werden muss. Gerade Schnittlauch hat bei uns doch im wahrsten Sinne des Wortes gut Wurzeln geschlagen – er ist eine echte Stütze des Kräuterbeetes. Und der Kräuterbutter. Und des Frühlingsquarks. Und überhaupt. 😉

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