Archiv der Kategorie ‘Be-Merkwürdiges‘

Gewerbe ist doch keine Kunst …

Freitag, den 29. August 2008

Vielen im Lande wird der Begriff „Künstlersozialkasse“ nichts sagen (sie können aber trotzdem weiterlesen, man weiß ja nie, wann das Wissen darum von Nutzen ist), einige werden schwer dankbar für die Existenz dieses „Clubs“ sein (das sind die Leistungsempfänger), wieder andere sind vermutlich nicht ganz so enthusiasmiert über diese Existenz (das sind die Leistungszahler).

Leistungsempfänger sind selbstständige Künstler aus unterschiedlichen Tätigkeitsrichtungen, deren Leben in vielen Fällen finanziell nicht so rosig ist, wie es dem Wortklang zu vermuten ist – (Lebens)Künstler ist manchmal das Synonym für Überlebenskünstler. Egal, ob rosiges oder düsteres Leben, diese Gruppe bekommt, wenn sie denn KSK-Mitglied ist, zur sozialen Absicherung von der Künstlersozialkasse die Renten- und Krankenkassenbeiträge zu 50% bezahlt. Und es sei ihnen wirklich von Herzen gegönnt!

Leistungszahler wiederum sind diejenigen, die o.g. Empfänger engagieren. Zusätzlich zum vereinbarten Entgelt für den Künstler müssen sie (nach meinen Informationen) für 2008 4,9% auf das Honorar an die KSK zahlen. So weit, so erklärlich. Irgendwo muss das Geld ja schließlich herkommen, und dass dann die Auftraggeber zur Kasse gebeten werden, ist verständlich.

Interessanterweise muss diese KSK-Abgabe auch für Menschen gezahlt werden, die gar keine Leistungen aus selbiger Kasse bekommen. Allein die Tatsache, dass sie selbstständig eine Tätigkeit ausüben, die nach den (für mich) nicht ganz einfach nachzuvollziehenden Definitionen der KSK als „künstlerische Leistung“ gewertet werden kann, führt zur Abgabepflicht für die Auftraggeber.

Vor gut 20 Jahren wurden bspw. Gewerbetreibende (um den Bogen zur Überschrift zu kriegen) erst gar nicht zur KSK zugelassen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, denn damals arbeitete ich für kurze Zeit selbstständig, hatte ein Gewerbe angemeldet und versucht, bei der KSK unterzuschlüpfen. Aber es hieß: Egal was, mit Gewerbeschein ist es keine Kunst. Prinzipiell. Aha. Okay.

Wie ich mittlerweile erfahren habe, werden jetzt sogar Gewerbetreibende mit offenen Armen begrüßt. Und sollten sie doch nicht eintreten, werden ihre Auftraggeber trotzdem zur Kasse gebeten. Das erhöht den Beliebtheitsgrad von Gewerbemenschen und anderen Leistungs-nicht-in-Anspruchnehmern enorm: Man muss sie bei der KSK nicht verwalten und –vermutlich noch wichtiger– auch nicht bezuschussen. Aber – man bekommt Geld von den Auftraggebern.

Ich finde es absolut nachvollziehbar und richtig, dass man als Versicherer hinter den Beiträgen her ist (und sein muss!). Aber doch bitte auch nur bei denen (bzw. in diesem Falle bei deren Auftraggebern), die tatsächlich in den Leistungsgenuss kommen. Man muss ja z.B. auch nur dann für eine Bahn-Fahrkarte zahlen, wenn man mit der Bahn fährt – und ist nicht allein schon deshalb zahlungsverpflichtet, weil man den bahnlichen Zulassungskriterien als Fahrgast entspricht …

Mir stellt sich die Frage, ob diese doch sehr kreative Form der Mittelrekrutierung nicht auch schon eine abgabepflichtige künstlerische Leistung ist. Wer muss dann an wen zahlen?

Es wäre auch nicht verwunderlich, wenn das aktuelle KSK-System bei anderen Dienstleistern Begehrlichkeiten hinsichtlich der Beitragsbeschaffung weckt.

Ich sehe was, was du nicht siehst …

Dienstag, den 24. Juni 2008

Zu den Eigentümlichkeiten meines virtuellen Lebens gehören “Suchbegriffe” – egal, ob im Internet im Allgemeinen und auf Anbieterseiten im Speziellen. Meine Vorstellungen sind eher von der Alltagstauglichkeit geprägt – ich gebe Begriff ein, Anbieter macht Vorschläge. Im Großen und Ganzen funktioniert das auch zu meiner Zufriedenheit. Kürzlich machte ich aber mal wieder eine Erfahrung, die in mir die Vermutung reifen ließ, dass Suchbegriffe und Schlagworte nach dem Zufallsprinzip und nicht nach dem tatsächlichen Angebot vergeben werden.

Wer suchet …

Auf der Seite eines Kaufhauses gab ich “Whiteboardmarker” ein (wohlwissend, dass derartige Ware im physischen Haus auch feilgeboten wird). Das Internet kam mit zwei Produktempfehlungen: 1. Ein Roller (auch Kickboard genannt) und 2. ein Skateboard (mit gruselgrünem Motiv). Beide Artikel in ihrer Range sicherlich sehr tauglich, aber irgendwie nicht annähernd für den Zweck geeignet, zu dem ich die Marker haben wollte.

Der kaufhäusliche Findefuchs ist nicht einmal halbwegs in die richtige Richtung gegangen. Es hätten ja wenigstens “Faserschreiber” oder “Schreibwaren” aufgezählt werden können. Nein, der kleinste gemeinsame Nenner “board” führte schon zu großem “Hallo, da haben wir etwas ganz Tolles für Sie”. Offenbar reichte die orthografische Übereinstimmung aus,  Sinn und Verstand waren mal wieder nicht gefragt.

Vielleicht ist das Vergeben von Suchbegriffen aber auch so eine oberlangweilige Tätigkeit, dass diejenigen, die dazu verdonnert werden (gibt es etwa auch Freiwillige?!), aus ihrem Selbsterhaltungstrieb einfach nur einen ganz skurrilen Humor entwickelt haben … Ich sollte meine Suchen und die daraus folgenden “Ausgrabungen” unter diesem Gesichtspunkt betrachten genießen.

Am Rande bemerkt …

Donnerstag, den 22. Mai 2008

Es war mal wieder so weit: Bügelzeit. Eine meiner ungeliebtesten Hausarbeiten. Um mich vom Elend der zu planierenden Vielfältigkeit abzulenken, schalte ich immer den Fernseher ein. Ich könnte eher ohne Bügeleisen bügeln als ohne Fernseher!

So kam ich in den Genuss (hm, naja) eines Werbespots zu “Germany’s next Topmodel”. Mehr so aus den Augenwinkeln heraus, da ich keine Querfalten ins Shirt plätten wollte, las ich: “Topfmodel”.

Stutz, guck genauer hin – nein, das stand natürlich nicht da. Aber durch die zwischen die Buchstaben “Top” und “model” gequetschte Frauensilhouette las sich das Ganze wie “Topfmodel”. Dieser Fall von Verlesung hob meine tiefpünktliche Stimmung gewaltig.

Habe dann aber doch lieber unter Einsatz einer DVD-Konserve gebügelt. “Die Herbstzeitlosen” – ein Film aus der Schweiz, in der Schweiz spielend und wirklich sehenswert (wegen des Dialektes auch hörenswert). Und: Im weiteren Sinne wird auch hier gemodelt. Nich nur das ein oder andere Leben wird “umgemodelt” …

Posthunde

Freitag, den 2. Mai 2008

Das war aber knapp: Kurz vor einem Poststreik wurden die Tarifverhandlungen erfolgreich abgeschlossen. Damit sind viele Hundebesitzer aus der Pflicht, ein alternatives Lauftraining für ihr Briefträger jagendes Pelztier zu erstellen. So schnell ist ein Hund ja auch nicht umzugewöhnen.

Ob der Post eigentlich ihre Rolle in der gesundheitlichen Vorsorge bei Hunden klar ist? Wer weiß, wie viele der bellenden Vierbeiner ohne die fürsorgliche Betreuung durch die tägliche Postzustellung schon in den Hundehimmel eingezogen wären. Entweder aus durch Bewegungsmangel verursachte Gebrechen wie Verfettung usw. oder aber aus schierer Langeweile.

Andererseits sorgen aber auch die Hunde für die körperliche Ertüchtigung der Briefzusteller. Es scheint also eine wahre Symbiose zu sein. Da sollten es sich die zuständigen Verhandler von Post und Gewerkschaft zweimal überlegen, ob sie dieses fragile Zusammenspiel tatsächlich ins Wanken bringen wollen durch Kompromissunfähigkeit. Naja, dieses Mal ist es ja gerade nochmal gut gegangen.

Gibt es bei all den Gedenk- und Aktionstagen eigentlich schon einen für Briefträger und ihre “Begleithunde”? Ich habe noch nichts gefunden bei Wikipedia.
Dafür habe ich aber einen Anti-Diät-Tag entdeckt. Die Informationen dazu sind allerdings sehr dürftig (in diesem Zusammenhang von Nährwert zu sprechen, wäre mir aber doch zu flach). Wie dem auch sei: Er ist am 6. Mai – also am nächsten Dienstag. Mal sehen, was ich bis dahin zum Thema recherchiert habe.

Für oder gegen …

Sonntag, den 6. April 2008

Der 1. April war bereits zwei Tage vorüber, als ich in der HAZ einen Artikel zu dem Verfahren gegen einen Juraprofessor las, der wegen Bestechlichkeit schuldig gesprochen worden war. Der Schlusssatz des Artikels lautete “Außerdem wurde ihm vorgeworfen, er habe gute Noten für Sex vergeben.”

Seit wann werden denn angehende Juristen und Juristinnen in Sex geprüft bzw. was wäre dann an guten Noten so vor-werflich?!

Es ist schon erstaunlich, wie schnell ein einziges kleines Wort den Sinn eines Textes entstellen oder gar in Unsinn verwandeln kann. Andererseits: Ich habe keine Ahnung, was heutzutage alles zum Jurastudium gehört – werde mich mal erkundigen.

Schnittlauch von Welt

Freitag, den 14. März 2008

Die „Reiselust“ von Obst und Gemüse ist schon erstaunlich:
Ananas beispielsweise kommt meist per Schiff zu uns. Wohlhabende Ananasfamilien schicken ihre Sprösslinge aber durchaus auch mal mit dem Flugzeug ins ferne Deutschland.
Bananen starten ihre Schiffsreisen meist noch vor dem Einsetzen der Pubertät – wenn sie dann hier ankommen, haben sie diese für alle doch etwas anstrengende Reifezeit überstanden.

p3120140_schnittlauch.jpgDass jetzt aber auch Schnittlauch, dessen Anbau unter hiesigen klimatischen Bedingungen nun wirklich nicht gerade ungewöhnlich ist, aus fernsten Landen anreist, hat mich doch mächtig verdutzt: Als ich im Supermarkt einer fremden Stadt keinen Schnittlauch im Topf bekam, entdeckte ich gebeutelten – was für Luxusstänglis, normalerweise gibt es topflosen Schnittlauch als loses Büschel mit einem profanen Gummiband um den Bauch. Wie überrascht war ich, als ich zu Hause entdeckte, dass dieser Lauch ganz aus Indien zu uns gekommen war. Hier hat man ihm nur noch sein Folienkleid angezogen (ein deutscher Betrieb stand als Abpacker auf dem Etikett). Hätte ich niemals gedacht.

Bei Exoten, die in unseren Breitengraden nicht wachsen wollen oder können, kann ich durchaus nachvollziehen, dass sie einen längeren Anfahrtsweg haben. Aber Einheimische wie Äpfel, Kartoffeln, Möhren, Spargel usw. müssen für mich wirklich nicht um die halbe Welt kariolt werden. Und Schnittlauch auch nicht. Da habe ich jetzt ein Auge drauf.

Zahlen bitte …

Samstag, den 23. Februar 2008

Trotz (oder wegen?) meiner buchstäblichen Tätigkeit, üben Zahlen eine große Faszination auf mich aus. Wenn ich ihnen in Texten begegne, kann ich nicht anders, als sie mir mehr oder weniger bildlich umzusetzen. Eine Art internes Malen nach Zahlen.

So las ich bspw. am 9. Februar in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung im Zusammenhang mit der „Rettung“ der WestLB „… Die Bank selbst beschleunigt ihren Stellenabbau und sagt zu, 300 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr einzusparen. Auf dieser Grundlage werden mindestens 1300 der rund 6000 Arbeitsplätze wegfallen. …“ – Von der Tatsache, dass es schrecklich ist, wenn jemand seine Arbeit verliert, abgesehen, fing ich natürlich sofort an zu rechnen, wie hoch bei der WestLB die Personalkosten pro Arbeitsplatz sind.
Selbst bei Zugrundelegung von rechenfreundlicheren 1.500 Stellen kam ich auf 200.000 EUR Jahressalär. Im Artikel hieß es auch, dass die Stellen bis 2010 abgebaut werden – wenn ich dann rechne, dass die Plätze innerhalb von zwei Jahren wegfallen, aber trotzdem pro Jahr 300 Mio. eingespart werden sollen, komme ich sogar auf 400.000 EUR Jahreseinkommen.
Also, entweder habe ich einen eklatanten Rechen- bzw. Denkfehler gemacht oder ich habe eine völlig falsche Vorstellung davon, was man bei einer Bank verdient (hm, womöglich treffender: bekommt …). Oder die Kündigungswelle wird mal nicht vorrangig „die üblichen Verdächtigen“, Otto und Ottilie Normalverdiener, treffen, sondern auch durch höhere Etagen schwappen.

Gleichfalls in der HAZ stand am 25. Januar unter der Überschrift „In 15 Tagen um die Welt“ die Geschichte des ersten Containerzuges, der von Peking (heißt das nicht Beijing?!) nach Hamburg gefahren ist. Offenbar kannte der Lokführer eine Abkürzung, denn der Zug kam glatte 5 Tage früher als geplant in Hamburg an. Er musste auch nicht noch ein paar Warteschleifen um Hamburg herumfahren, denn alle wichtigen Menschen waren wohl rechtzeitig als Empfangskomitee zugegen.
Und Frau H. fing wieder an zu rechnen: 5 Tage früher angekommen, d.h. es wurden 120 Stunden eingefahren, mit denen die diesjährige Pünktlichkeits-Statistik der Bahn verbessert werden kann. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes märchenhaft.

Heute, am 23. Februar, wurde ich aber richtig gefordert. Um ehrlich zu sein, habe ich das Bild, das mir bei diesen Zahlen vor Augen steht, immer noch nicht fertig.
Im Text zum gestrigen Opernball steht „… Florist Achim Duda (42) etwa hatte 10.000 Tonnen Orchideenblüten, Anthurien und andere Grünpflanzen für die prachtvollen Blumenarrangements verarbeitet. …“.
10.000 Tonnen Grünware – Das sind pro Ballbesucher (ca. 4.400 Leute, wenn heute ebenso viele Gäste kommen wie gestern) gut 2.250 kg Blumendekoration. Selbst wenn ich die Blumenkübel in meine Rechnung einbeziehe, finde ich, dass diese Ausstattung mehr als üppig ist. Der Kartenpreis von 90,00 bzw. 120,00 EUR (1. Rang Sitzplatz im VVK) erscheint mir dafür wirklich nicht zu hoch!
Und hier noch ein paar meiner Bilderskizzen:
10.000 Tonnen – Zum Transport brauchte man ungefähr 400 Lkw mit Anhänger (bei einer Zuladung von 25 t).
10.000 Tonnen – Hm, mir kommen langsam Bedenken bez. der Statik. Immerhin entspricht das Gewicht dem Waagen-Ausschlag von 2.000 Elefanten (weiblich, afrikanisch, die eine etwas mehr, die andere etwas weniger gewichtig).
10.000 Tonnen – Dagegen wirkt das Gesamtgewicht der menschlichen Besucher (einschließlich Robe und Schmuckbestückung) von ungefähr 176 Tonnen (pro Abend) doch geradezu läppisch. Hier habe ich als Berechnungsgrundlage die Fahrstuhlkalkulation „8 Pers. oder 640 kg“ angenommen.

Wenn da kein Umrechnungsfehler beim Verfassen des HAZ-Artikels passiert ist, frage ich mich, will irgendwer an diesem Wochenende sein Auto in der Garage unter der Oper abstellen?!

Job-Sharing auf höchster Ebene

Mittwoch, den 6. Februar 2008

Ich verfolge die Vorwahlen für die amerikanischen Präsidentschaftskandidaten mit großem Interesse. So wie es aussieht, hat auch der „Super-Tuesday“ noch kein eindeutiges Votum für einen der demokratischen Kandidaten ergeben. Sie scheinen sich beide großer Beliebtheit zu erfreuen – in unterschiedlichen Zielgruppen, aber auch von den Anhängern des jeweils anderen durchaus für gut befunden.

Da habe ich mich gefragt, weshalb betreibt man kein Job-Sharing (auf Deutsch hieße das wohl Doppelspitze)?
Die Arbeit eines amerikanischen Präsidenten bzw. einer Präsidentin ist m.E. hart und umfangreich genug, um zwei Leute auf Trab zu halten. Und sollten die Demokraten wieder ins Weiße Haus einziehen – in einem Haus, das über „Flügel“ verfügt, ist doch nun wirklich ausreichend Platz für die jeweiligen Kandidaten samt ihrer Familien.

Während der Urlaubszeit oder grippaler Unpässlichkeit usw. wäre dann auch immer die volle Dienstbereitschaft am Volke gewährleistet, da es ja noch einen politischen „Zwilling“ gibt. Gut, das Gehalt würde entsprechend aufgeteilt werden, aber das ist kein echtes Gegenargument. Finde ich. Wegen des Geldes macht wohl niemand diese Arbeit.

Qual der Wahl …

Montag, den 21. Januar 2008

In Niedersachsen ist es am 27. Januar wieder so weit – es darf landtäglich gewählt werden. Das heißt, vor einigen Wochen wurden Wahlplakate in geradezu inflationärer Menge über der Stadt verstreut: Große, kleine, mit Menschen, mit-ohne Menschen. Bei einem Spaziergang fiel mir ein Plakat der Kategorie „mit-ohne Menschen“ besonders auf. Mit diesem berühmten Effekt „was ich gerade gelesen habe, steht so nicht da“ brachte es mich zum Stocken und Stehenbleiben. Da stand tatsächlich geschrieben:
Aus unseren Kindern
soll was werden:
Kostenlose Schulbücher,

Ich kenne das Bibel-Zitat „Schwerter zu Pflugscharen“ (gut, ich kenne es nicht aus der Bibel, das spielt hier aber keine Rolle), nur dass aus Kindern kostenlose Schulbücher werden sollen, das fand ich doch mehr als befremdlich. Auch die beiden Folgeargumente „Ganztagsschulen ausbauen, 100% guter Unterricht“ können m.E. die Startpanne nicht wettmachen. Irgendwie vermasselt.

Zugegebenermaßen bin auch ich durchaus eine Anhängerin von Zwei-Wort-Sätzen und anderen kurzen Formulierungen (man mag es kaum glauben, bei meinen Blog-Abhandlungen, ist aber so). Aber das Ganze muss schon einen Sinn ergeben. Keinen unfreiwillig komischen Unsinn. Besonders dann nicht, wenn die Aussage als Plakat wochenlang in zigfacher Ausführung als Stadttapete zu sehen ist.
Auf dem Plakat ist auch noch genug Platz, um das Wörtchen „deshalb“ hinter „Aus unseren Kindern soll was werden“ unterzubringen. Weshalb also so sinnbefreit/sinnentstellt?

Von der Irritation, die derartige Formulierungen beim Wähler hinterlassen mal ganz abgesehen, mit so einem Plakat kann man schnell als Zwiebelfisch bei Bastian Sick landen …

(Unter uns: Ich bin immer froh, wenn ich sagen kann „Puuuh, das hast du nicht verzapft.“ Im Eifer des Tagesgeschäfts kann einem schnell ein Fehlgriff (buchstäblich!) passieren. Da ist es hilfreich, wenn eine kritische Seele die Sachen liest, bevor sie in den Druck gehen.)

Keine Antwort ist auch eine Antwort

Donnerstag, den 10. Januar 2008

Bislang war ich der Meinung, dass „Anrufbeantworter“ unter falscher Flagge segeln, denn mir ist noch kein Modell begegnet, das irgendeine Antwort abgelassen hätte – auf welche Frage auch immer. Sie alle haben mir bislang immer nur mitgeteilt, dass derjenige, den ich eigentlich erreichen wollte, nicht zu sprechen ist.
Die äußerste Dienstleistung, zu der sich einige dieser elektronischen Hochstapler bereit erklären, ist die Aufzeichnung meiner Fragen. Von Beantwortung kann keine Rede sein.

Bei mir tut ein geradezu antik anmutendes Exemplar der Telekommunikation Dienst. Immer noch brav und unauffällig. Eines Abends blinkerte sein rotes „Auge“ hektisch – ein Zeichen, dass mehrere Anrufe aufgezeichnet waren.

Als ich den ersten abrief, schallte mir die wohltrainierte, leicht aufgesetzt fröhlich zwitschernde Frauenstimme einer Call-Center-Anrufmaschine (was es nicht so alles gibt) entgegen. Anfänglich leicht verstümmelt, da sie unhöflich, aber technisch wohl nicht anders möglich, bereits losquasselte als mein AB noch erklärte, dass ich nicht zu sprechen bin.

Inhalt der Nachricht war (sinngemäß), dass unter allen Teilnehmern der anschließenden Befragung 7.500 Euro verlost werden. Sie müssten nur willens und in der Lage sein, ihre Antwort auf drei Fragen per Tastendruck („Drücken Sie die ‚1’ für ‚Ja’ oder die ‚2’ für ‚Nein’!“) kundzutun. Als erstes sollten sie aber durch nicht-antworten („Warten Sie einen Moment.“) ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklären – raffinierter Trick, damit kann man jeden AB übertölpeln und einen „erfolgreichen“ Anruf verzeichnen. Offenbar war auch die Nicht-Antwort meines AB als zustimmende Antwort gewertet worden, denn die Fragen wurden gestellt. Dass das Drücken von Zahlen die Fähigkeiten meines Methusalems bei weitem überschreitet, hat die Anrufmaschine wiederum nicht bemerkt. Sie plapperte weiterhin unbeeindruckt auf meinen AB ein, der das Ganze stoisch über sich ergehen ließ. Abschließend bedankte sie sich überschwänglich für die Teilnahme. Der AB schwieg weiterhin.

Sollten in der nächsten Zeit irgendwo Aussagen über die Nutzung des Internets im Allgemeinen und per DSL im Speziellen, sowie die Entwicklung des Internets im Vergleich mit Kabelfernsehen stehen, werde ich die Zuverlässigkeit der Resultate anzweifeln (ich meine: Noch mehr als Umfrageergebnisse/Statistiken sowieso anzuzweifeln sind!). Erhebungen, in denen Anrufbeantworter zur Gruppe der Befragten zählen, sind m.E. nicht wirklich repräsentativ zu nennen.