Archiv der Kategorie ‘Gelesen/gehört/gesehen‘

Ich fahre mal eben telefonieren …

Dienstag, den 4. November 2008

Hier in Hannover-Stadt sind wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln recht komfortabel bedient. Neulich habe ich mich gefragt, ob der Personen-Nahverkehr dieser Stadt aus einer Kooperation der Üstra (stellt Busse, Bahnen, Fahrpersonal, Kontrolleure, intakte & defekte Fahrkartenautomaten) und diverser Telekommunikationsfirmen besteht. Die hiesigen U-Bahnen scheinen immer mehr zu mobilen Telefonzellen zu werden: Einsteigen, Telefon rausholen, Nummer tüpfeln und reintrompeten, dass man problemlos von einer afrikanischen Elefantenherde adoptiert würde.

Ich bin froh um jedes Telefonat, das ich nicht in einer lauten Bahn unter den Blicken der Umstehenden führen muss. Mir ist es immer noch eher unangenehm, wenn mein Hörknochen in der Tasche losfiedelt, und ich sage entweder kurz und knapp „Ich rufe gleich zurück.“ oder verlasse fluchtartig an der nächsten Haltestelle den Wagen, um das Gespräch zu führen. Andere sind ja völlig befreit von irgendwelchen Skrupeln gegenüber ihrer Umwelt; da gehört es offenbar zum Lifestyle, im Waggon zu telefonieren – ohne Publikum geht gar nix.

Und was man da teilweise bei längeren Telefonaten als Co-Hörer zwangserfährt – das will man kaum von Freunden wissen, von Fremden schon gar nicht (liebe Mitreisende, die Beschreibung des Öffnungsstadiums eines Muttermundes einer ihnen bekannten Mama in spe muss doch nun wirklich nicht in der Lautstärke mit der Haltestellen-Ansage konkurrieren!).

Ehrlich gesagt, bin ich geradezu dankbar, dass ich nur die eine Hälfte derartiger Gespräche mitbekomme(n muss) und noch ehrlicher gesagt: Ich könnte auch auf diese Hälfte gut verzichten.

Suche – biete …

Donnerstag, den 23. Oktober 2008

Vor einiger Zeit bekam ich ein Buch geschenkt (ja, ja, ich weiß, ich habe doch schon eins …): „Das Moor des Vergessens“ von Val McDermid. Es ist ein Kriminalroman (naja, es kommt zumindest eine Leiche drin vor) und – im Gegensatz zu den meisten Büchern, die ich mir selbst schenke – mit Hardcovereinband und Schutzumschlag. Also etwas richtig Schönes.
Am Wochenende gönnte ich mir zu einer Tasse Kakao (aus Schokoraspeln selbst geköchelt) und einem kuscheligen Sofasitzplatz eine ausgiebige Leseeinheit. Leider kam es auf Seite 128 zu einer außerplanmäßigen Unterbrechung: Die Seiten 129–160 fehlten! 32 Seiten einfach nicht da.

Ich wage zu bezweifeln, dass es sich um einen besonderen Werbe-Einfall des Verlages handelt, denn im Plot geht es keinesfalls um verschwundene Manuskriptseiten. Außerdem hat man zum Ausgleich die Seiten 161–192 doppelt eingebunden. Deshalb sieht man von außen auch keinen Unterschied zu den „richtigen“ Büchern, ist ja alles aufgefüllt.

Bevor ich jetzt an den Verlag herantrete und um die fehlenden Seiten bitte bzw. den Austausch des kompletten Buches, hier meine Bitte: Falls einer meiner Blogleser das vollständige Buch hat bzw. den Besitzer kennt, in dessen Buch die Seiten 161–192 fehlen, dafür aber die Seiten 129–160 doppelt vorhanden sind – bitte melde dich! Wir können das „seitliche Houdini-Phänomen“ sicherlich ohne höhere Verlagsinstanz in Eigenregie lösen.

Ablauf der Meldefrist ist der 1.11.2008, danach frage ich beim Verlag nach, ob irgendwer mal flott die mir fehlenden Seiten durchkopieren und mir schicken könnte – schließlich will ich wissen, ob die gefundene Moorleiche Fletcher Christian ist (der Meuternde von der „Bounty“) oder nicht.

Großstadtdramen?!

Dienstag, den 30. September 2008

Als ich vor ein paar Tagen nach Hause kam, stand unsere Hausmülltonne in folgender Ausstattung vor mir:

p9230215_tonne.jpg

War es eine Verzweiflungstat eines oder einer Beziehungsgeschädigten?
Welche Dramen haben sich da womöglich unter dem schützenden Dach unseres Mehrfamilienhauses abgespielt?
Vielleicht ist es aber auch nur das „Kunststück“ eines Menschen mit herrlich skurrilem Humor. Sollte diese Meinungsäußerung aber tatsächlich Ergebnis einer Krise sein, so hoffe ich, dass dieselbe mittlerweile überstanden ist. Das Schild war jedenfalls nach zwei Tagen weg und in der Tonne befand sich nur ganz normaler Müffelmüll – wofür ich in diesem speziellen Fall wirklich dankbar war.

Zu der ungeklärten Entstehungsgeschichte gesellten sich bei mir natürlich noch die Fragen:
Gibt es Schilder mit einem männlichen Piktogramm, wenn ja, wo? (Ich bin mir sicher, dass der Bedarf nicht gering ist!)
Weshalb stand der Entsorgungshinweis eigentlich nicht auf der Biotonne?

P.S. Ich bitte die miese Bildqualität zu entschuldigen, aber es war schon stickeduster.

Gewerbe ist doch keine Kunst …

Freitag, den 29. August 2008

Vielen im Lande wird der Begriff „Künstlersozialkasse“ nichts sagen (sie können aber trotzdem weiterlesen, man weiß ja nie, wann das Wissen darum von Nutzen ist), einige werden schwer dankbar für die Existenz dieses „Clubs“ sein (das sind die Leistungsempfänger), wieder andere sind vermutlich nicht ganz so enthusiasmiert über diese Existenz (das sind die Leistungszahler).

Leistungsempfänger sind selbstständige Künstler aus unterschiedlichen Tätigkeitsrichtungen, deren Leben in vielen Fällen finanziell nicht so rosig ist, wie es dem Wortklang zu vermuten ist – (Lebens)Künstler ist manchmal das Synonym für Überlebenskünstler. Egal, ob rosiges oder düsteres Leben, diese Gruppe bekommt, wenn sie denn KSK-Mitglied ist, zur sozialen Absicherung von der Künstlersozialkasse die Renten- und Krankenkassenbeiträge zu 50% bezahlt. Und es sei ihnen wirklich von Herzen gegönnt!

Leistungszahler wiederum sind diejenigen, die o.g. Empfänger engagieren. Zusätzlich zum vereinbarten Entgelt für den Künstler müssen sie (nach meinen Informationen) für 2008 4,9% auf das Honorar an die KSK zahlen. So weit, so erklärlich. Irgendwo muss das Geld ja schließlich herkommen, und dass dann die Auftraggeber zur Kasse gebeten werden, ist verständlich.

Interessanterweise muss diese KSK-Abgabe auch für Menschen gezahlt werden, die gar keine Leistungen aus selbiger Kasse bekommen. Allein die Tatsache, dass sie selbstständig eine Tätigkeit ausüben, die nach den (für mich) nicht ganz einfach nachzuvollziehenden Definitionen der KSK als „künstlerische Leistung“ gewertet werden kann, führt zur Abgabepflicht für die Auftraggeber.

Vor gut 20 Jahren wurden bspw. Gewerbetreibende (um den Bogen zur Überschrift zu kriegen) erst gar nicht zur KSK zugelassen. Das weiß ich aus eigener Erfahrung, denn damals arbeitete ich für kurze Zeit selbstständig, hatte ein Gewerbe angemeldet und versucht, bei der KSK unterzuschlüpfen. Aber es hieß: Egal was, mit Gewerbeschein ist es keine Kunst. Prinzipiell. Aha. Okay.

Wie ich mittlerweile erfahren habe, werden jetzt sogar Gewerbetreibende mit offenen Armen begrüßt. Und sollten sie doch nicht eintreten, werden ihre Auftraggeber trotzdem zur Kasse gebeten. Das erhöht den Beliebtheitsgrad von Gewerbemenschen und anderen Leistungs-nicht-in-Anspruchnehmern enorm: Man muss sie bei der KSK nicht verwalten und –vermutlich noch wichtiger– auch nicht bezuschussen. Aber – man bekommt Geld von den Auftraggebern.

Ich finde es absolut nachvollziehbar und richtig, dass man als Versicherer hinter den Beiträgen her ist (und sein muss!). Aber doch bitte auch nur bei denen (bzw. in diesem Falle bei deren Auftraggebern), die tatsächlich in den Leistungsgenuss kommen. Man muss ja z.B. auch nur dann für eine Bahn-Fahrkarte zahlen, wenn man mit der Bahn fährt – und ist nicht allein schon deshalb zahlungsverpflichtet, weil man den bahnlichen Zulassungskriterien als Fahrgast entspricht …

Mir stellt sich die Frage, ob diese doch sehr kreative Form der Mittelrekrutierung nicht auch schon eine abgabepflichtige künstlerische Leistung ist. Wer muss dann an wen zahlen?

Es wäre auch nicht verwunderlich, wenn das aktuelle KSK-System bei anderen Dienstleistern Begehrlichkeiten hinsichtlich der Beitragsbeschaffung weckt.

Kennen Sie sich hier aus?

Sonntag, den 6. Juli 2008

Kürzlich bekam ich eine Information des Bundesverbandes Druck und Medien e.V. (bvdm) anlässlich einer Veranstaltung in Berlin zu sehen. Um auswärtigen Besuchern das Auffinden des Veranstaltungsortes zu erleichtern, war ein übersichtlicher Lageplan erstellt worden.

Anscheinend war dieser Plan aber auch von einem besonders auswärtigen Gestalter kreiert worden. Schon bei oberflächlicher Betrachtung fielen mir Straßennamen auf, die ich so nicht in Berlin lokalisiert hätte – allen voran: „Potzdamer Platz“. Von keiner Korrekturlesung erwischt, hat es dieser Fehler geschafft, bis ins Ziel zu kommen. Potztausend!

Dann entdeckte ich jedoch, dass es ein großes Teilnehmerfeld war, dem dieses Kunststück ebenfalls gelungen war: Das Reichstagsgebäude befindet sich nach diesem Lageplan an der „Schneidemannstraße“ statt an der „Scheidemannstraße“, der „Staufenbergstraße“ ist das zweite „f“ abhanden gekommen, die „Schillstraße“ ist kurzerhand zur „Schillerstraße“ ausgebaut worden (dabei schillert es doch schon reichlich auf Straßenschildern in anderen Berliner Stadtteilen) und die namentlich profane „Entlastungsstraße“ heißt, je nachdem wo man sich auf ihr befindet, schon seit einigen Jahren „Ben-Gurion-Straße“ und „Yitzhak-Rabin-Straße“ – nur eben nicht auf diesem Plan. Ortskundige werden vermutlich noch mehr „lokale Spezialitäten“ entdecken – wer also sportlichen Fehlerfinde-Ehrgeiz verspürt, bitte hier entlang: „Die Klimainitiative der deutschen Druckindustrie“.

Wie bereits mehrfach erwähnt, weiß ich, dass einem selbst bei sorgfältigstem Korrekturlesen schnell etwas durch die Lappen gehen kann, aber diese Fehlerquote bei relativ begrenztem Terrain und übersichtlicher Textmenge ist dann doch erstaunlich.

Irgendwie erinnert das Ganze an die beliebten Suchbilder für Kinder: „Findest du die im linken Bild versteckten 10 Fehler?“

Hoffentlich haben trotz der etwas erschwerten Bedingungen alle Gäste den Veranstaltungsort gefunden und gondeln nicht noch immer durch Berlin …

Ich sehe was, was du nicht siehst …

Dienstag, den 24. Juni 2008

Zu den Eigentümlichkeiten meines virtuellen Lebens gehören “Suchbegriffe” – egal, ob im Internet im Allgemeinen und auf Anbieterseiten im Speziellen. Meine Vorstellungen sind eher von der Alltagstauglichkeit geprägt – ich gebe Begriff ein, Anbieter macht Vorschläge. Im Großen und Ganzen funktioniert das auch zu meiner Zufriedenheit. Kürzlich machte ich aber mal wieder eine Erfahrung, die in mir die Vermutung reifen ließ, dass Suchbegriffe und Schlagworte nach dem Zufallsprinzip und nicht nach dem tatsächlichen Angebot vergeben werden.

Wer suchet …

Auf der Seite eines Kaufhauses gab ich “Whiteboardmarker” ein (wohlwissend, dass derartige Ware im physischen Haus auch feilgeboten wird). Das Internet kam mit zwei Produktempfehlungen: 1. Ein Roller (auch Kickboard genannt) und 2. ein Skateboard (mit gruselgrünem Motiv). Beide Artikel in ihrer Range sicherlich sehr tauglich, aber irgendwie nicht annähernd für den Zweck geeignet, zu dem ich die Marker haben wollte.

Der kaufhäusliche Findefuchs ist nicht einmal halbwegs in die richtige Richtung gegangen. Es hätten ja wenigstens “Faserschreiber” oder “Schreibwaren” aufgezählt werden können. Nein, der kleinste gemeinsame Nenner “board” führte schon zu großem “Hallo, da haben wir etwas ganz Tolles für Sie”. Offenbar reichte die orthografische Übereinstimmung aus,  Sinn und Verstand waren mal wieder nicht gefragt.

Vielleicht ist das Vergeben von Suchbegriffen aber auch so eine oberlangweilige Tätigkeit, dass diejenigen, die dazu verdonnert werden (gibt es etwa auch Freiwillige?!), aus ihrem Selbsterhaltungstrieb einfach nur einen ganz skurrilen Humor entwickelt haben … Ich sollte meine Suchen und die daraus folgenden “Ausgrabungen” unter diesem Gesichtspunkt betrachten genießen.

Am Rande bemerkt …

Donnerstag, den 22. Mai 2008

Es war mal wieder so weit: Bügelzeit. Eine meiner ungeliebtesten Hausarbeiten. Um mich vom Elend der zu planierenden Vielfältigkeit abzulenken, schalte ich immer den Fernseher ein. Ich könnte eher ohne Bügeleisen bügeln als ohne Fernseher!

So kam ich in den Genuss (hm, naja) eines Werbespots zu “Germany’s next Topmodel”. Mehr so aus den Augenwinkeln heraus, da ich keine Querfalten ins Shirt plätten wollte, las ich: “Topfmodel”.

Stutz, guck genauer hin – nein, das stand natürlich nicht da. Aber durch die zwischen die Buchstaben “Top” und “model” gequetschte Frauensilhouette las sich das Ganze wie “Topfmodel”. Dieser Fall von Verlesung hob meine tiefpünktliche Stimmung gewaltig.

Habe dann aber doch lieber unter Einsatz einer DVD-Konserve gebügelt. “Die Herbstzeitlosen” – ein Film aus der Schweiz, in der Schweiz spielend und wirklich sehenswert (wegen des Dialektes auch hörenswert). Und: Im weiteren Sinne wird auch hier gemodelt. Nich nur das ein oder andere Leben wird “umgemodelt” …

Für oder gegen …

Sonntag, den 6. April 2008

Der 1. April war bereits zwei Tage vorüber, als ich in der HAZ einen Artikel zu dem Verfahren gegen einen Juraprofessor las, der wegen Bestechlichkeit schuldig gesprochen worden war. Der Schlusssatz des Artikels lautete “Außerdem wurde ihm vorgeworfen, er habe gute Noten für Sex vergeben.”

Seit wann werden denn angehende Juristen und Juristinnen in Sex geprüft bzw. was wäre dann an guten Noten so vor-werflich?!

Es ist schon erstaunlich, wie schnell ein einziges kleines Wort den Sinn eines Textes entstellen oder gar in Unsinn verwandeln kann. Andererseits: Ich habe keine Ahnung, was heutzutage alles zum Jurastudium gehört – werde mich mal erkundigen.

Zahlen bitte …

Samstag, den 23. Februar 2008

Trotz (oder wegen?) meiner buchstäblichen Tätigkeit, üben Zahlen eine große Faszination auf mich aus. Wenn ich ihnen in Texten begegne, kann ich nicht anders, als sie mir mehr oder weniger bildlich umzusetzen. Eine Art internes Malen nach Zahlen.

So las ich bspw. am 9. Februar in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung im Zusammenhang mit der „Rettung“ der WestLB „… Die Bank selbst beschleunigt ihren Stellenabbau und sagt zu, 300 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr einzusparen. Auf dieser Grundlage werden mindestens 1300 der rund 6000 Arbeitsplätze wegfallen. …“ – Von der Tatsache, dass es schrecklich ist, wenn jemand seine Arbeit verliert, abgesehen, fing ich natürlich sofort an zu rechnen, wie hoch bei der WestLB die Personalkosten pro Arbeitsplatz sind.
Selbst bei Zugrundelegung von rechenfreundlicheren 1.500 Stellen kam ich auf 200.000 EUR Jahressalär. Im Artikel hieß es auch, dass die Stellen bis 2010 abgebaut werden – wenn ich dann rechne, dass die Plätze innerhalb von zwei Jahren wegfallen, aber trotzdem pro Jahr 300 Mio. eingespart werden sollen, komme ich sogar auf 400.000 EUR Jahreseinkommen.
Also, entweder habe ich einen eklatanten Rechen- bzw. Denkfehler gemacht oder ich habe eine völlig falsche Vorstellung davon, was man bei einer Bank verdient (hm, womöglich treffender: bekommt …). Oder die Kündigungswelle wird mal nicht vorrangig „die üblichen Verdächtigen“, Otto und Ottilie Normalverdiener, treffen, sondern auch durch höhere Etagen schwappen.

Gleichfalls in der HAZ stand am 25. Januar unter der Überschrift „In 15 Tagen um die Welt“ die Geschichte des ersten Containerzuges, der von Peking (heißt das nicht Beijing?!) nach Hamburg gefahren ist. Offenbar kannte der Lokführer eine Abkürzung, denn der Zug kam glatte 5 Tage früher als geplant in Hamburg an. Er musste auch nicht noch ein paar Warteschleifen um Hamburg herumfahren, denn alle wichtigen Menschen waren wohl rechtzeitig als Empfangskomitee zugegen.
Und Frau H. fing wieder an zu rechnen: 5 Tage früher angekommen, d.h. es wurden 120 Stunden eingefahren, mit denen die diesjährige Pünktlichkeits-Statistik der Bahn verbessert werden kann. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes märchenhaft.

Heute, am 23. Februar, wurde ich aber richtig gefordert. Um ehrlich zu sein, habe ich das Bild, das mir bei diesen Zahlen vor Augen steht, immer noch nicht fertig.
Im Text zum gestrigen Opernball steht „… Florist Achim Duda (42) etwa hatte 10.000 Tonnen Orchideenblüten, Anthurien und andere Grünpflanzen für die prachtvollen Blumenarrangements verarbeitet. …“.
10.000 Tonnen Grünware – Das sind pro Ballbesucher (ca. 4.400 Leute, wenn heute ebenso viele Gäste kommen wie gestern) gut 2.250 kg Blumendekoration. Selbst wenn ich die Blumenkübel in meine Rechnung einbeziehe, finde ich, dass diese Ausstattung mehr als üppig ist. Der Kartenpreis von 90,00 bzw. 120,00 EUR (1. Rang Sitzplatz im VVK) erscheint mir dafür wirklich nicht zu hoch!
Und hier noch ein paar meiner Bilderskizzen:
10.000 Tonnen – Zum Transport brauchte man ungefähr 400 Lkw mit Anhänger (bei einer Zuladung von 25 t).
10.000 Tonnen – Hm, mir kommen langsam Bedenken bez. der Statik. Immerhin entspricht das Gewicht dem Waagen-Ausschlag von 2.000 Elefanten (weiblich, afrikanisch, die eine etwas mehr, die andere etwas weniger gewichtig).
10.000 Tonnen – Dagegen wirkt das Gesamtgewicht der menschlichen Besucher (einschließlich Robe und Schmuckbestückung) von ungefähr 176 Tonnen (pro Abend) doch geradezu läppisch. Hier habe ich als Berechnungsgrundlage die Fahrstuhlkalkulation „8 Pers. oder 640 kg“ angenommen.

Wenn da kein Umrechnungsfehler beim Verfassen des HAZ-Artikels passiert ist, frage ich mich, will irgendwer an diesem Wochenende sein Auto in der Garage unter der Oper abstellen?!

Qual der Wahl …

Montag, den 21. Januar 2008

In Niedersachsen ist es am 27. Januar wieder so weit – es darf landtäglich gewählt werden. Das heißt, vor einigen Wochen wurden Wahlplakate in geradezu inflationärer Menge über der Stadt verstreut: Große, kleine, mit Menschen, mit-ohne Menschen. Bei einem Spaziergang fiel mir ein Plakat der Kategorie „mit-ohne Menschen“ besonders auf. Mit diesem berühmten Effekt „was ich gerade gelesen habe, steht so nicht da“ brachte es mich zum Stocken und Stehenbleiben. Da stand tatsächlich geschrieben:
Aus unseren Kindern
soll was werden:
Kostenlose Schulbücher,

Ich kenne das Bibel-Zitat „Schwerter zu Pflugscharen“ (gut, ich kenne es nicht aus der Bibel, das spielt hier aber keine Rolle), nur dass aus Kindern kostenlose Schulbücher werden sollen, das fand ich doch mehr als befremdlich. Auch die beiden Folgeargumente „Ganztagsschulen ausbauen, 100% guter Unterricht“ können m.E. die Startpanne nicht wettmachen. Irgendwie vermasselt.

Zugegebenermaßen bin auch ich durchaus eine Anhängerin von Zwei-Wort-Sätzen und anderen kurzen Formulierungen (man mag es kaum glauben, bei meinen Blog-Abhandlungen, ist aber so). Aber das Ganze muss schon einen Sinn ergeben. Keinen unfreiwillig komischen Unsinn. Besonders dann nicht, wenn die Aussage als Plakat wochenlang in zigfacher Ausführung als Stadttapete zu sehen ist.
Auf dem Plakat ist auch noch genug Platz, um das Wörtchen „deshalb“ hinter „Aus unseren Kindern soll was werden“ unterzubringen. Weshalb also so sinnbefreit/sinnentstellt?

Von der Irritation, die derartige Formulierungen beim Wähler hinterlassen mal ganz abgesehen, mit so einem Plakat kann man schnell als Zwiebelfisch bei Bastian Sick landen …

(Unter uns: Ich bin immer froh, wenn ich sagen kann „Puuuh, das hast du nicht verzapft.“ Im Eifer des Tagesgeschäfts kann einem schnell ein Fehlgriff (buchstäblich!) passieren. Da ist es hilfreich, wenn eine kritische Seele die Sachen liest, bevor sie in den Druck gehen.)