Archiv der Kategorie ‘Gelesen/gehört/gesehen‘

Ich sehe was, was du nicht siehst …

Dienstag, den 24. Juni 2008

Zu den Eigentümlichkeiten meines virtuellen Lebens gehören “Suchbegriffe” – egal, ob im Internet im Allgemeinen und auf Anbieterseiten im Speziellen. Meine Vorstellungen sind eher von der Alltagstauglichkeit geprägt – ich gebe Begriff ein, Anbieter macht Vorschläge. Im Großen und Ganzen funktioniert das auch zu meiner Zufriedenheit. Kürzlich machte ich aber mal wieder eine Erfahrung, die in mir die Vermutung reifen ließ, dass Suchbegriffe und Schlagworte nach dem Zufallsprinzip und nicht nach dem tatsächlichen Angebot vergeben werden.

Wer suchet …

Auf der Seite eines Kaufhauses gab ich “Whiteboardmarker” ein (wohlwissend, dass derartige Ware im physischen Haus auch feilgeboten wird). Das Internet kam mit zwei Produktempfehlungen: 1. Ein Roller (auch Kickboard genannt) und 2. ein Skateboard (mit gruselgrünem Motiv). Beide Artikel in ihrer Range sicherlich sehr tauglich, aber irgendwie nicht annähernd für den Zweck geeignet, zu dem ich die Marker haben wollte.

Der kaufhäusliche Findefuchs ist nicht einmal halbwegs in die richtige Richtung gegangen. Es hätten ja wenigstens “Faserschreiber” oder “Schreibwaren” aufgezählt werden können. Nein, der kleinste gemeinsame Nenner “board” führte schon zu großem “Hallo, da haben wir etwas ganz Tolles für Sie”. Offenbar reichte die orthografische Übereinstimmung aus,  Sinn und Verstand waren mal wieder nicht gefragt.

Vielleicht ist das Vergeben von Suchbegriffen aber auch so eine oberlangweilige Tätigkeit, dass diejenigen, die dazu verdonnert werden (gibt es etwa auch Freiwillige?!), aus ihrem Selbsterhaltungstrieb einfach nur einen ganz skurrilen Humor entwickelt haben … Ich sollte meine Suchen und die daraus folgenden “Ausgrabungen” unter diesem Gesichtspunkt betrachten genießen.

Am Rande bemerkt …

Donnerstag, den 22. Mai 2008

Es war mal wieder so weit: Bügelzeit. Eine meiner ungeliebtesten Hausarbeiten. Um mich vom Elend der zu planierenden Vielfältigkeit abzulenken, schalte ich immer den Fernseher ein. Ich könnte eher ohne Bügeleisen bügeln als ohne Fernseher!

So kam ich in den Genuss (hm, naja) eines Werbespots zu “Germany’s next Topmodel”. Mehr so aus den Augenwinkeln heraus, da ich keine Querfalten ins Shirt plätten wollte, las ich: “Topfmodel”.

Stutz, guck genauer hin – nein, das stand natürlich nicht da. Aber durch die zwischen die Buchstaben “Top” und “model” gequetschte Frauensilhouette las sich das Ganze wie “Topfmodel”. Dieser Fall von Verlesung hob meine tiefpünktliche Stimmung gewaltig.

Habe dann aber doch lieber unter Einsatz einer DVD-Konserve gebügelt. “Die Herbstzeitlosen” – ein Film aus der Schweiz, in der Schweiz spielend und wirklich sehenswert (wegen des Dialektes auch hörenswert). Und: Im weiteren Sinne wird auch hier gemodelt. Nich nur das ein oder andere Leben wird “umgemodelt” …

Für oder gegen …

Sonntag, den 6. April 2008

Der 1. April war bereits zwei Tage vorüber, als ich in der HAZ einen Artikel zu dem Verfahren gegen einen Juraprofessor las, der wegen Bestechlichkeit schuldig gesprochen worden war. Der Schlusssatz des Artikels lautete “Außerdem wurde ihm vorgeworfen, er habe gute Noten für Sex vergeben.”

Seit wann werden denn angehende Juristen und Juristinnen in Sex geprüft bzw. was wäre dann an guten Noten so vor-werflich?!

Es ist schon erstaunlich, wie schnell ein einziges kleines Wort den Sinn eines Textes entstellen oder gar in Unsinn verwandeln kann. Andererseits: Ich habe keine Ahnung, was heutzutage alles zum Jurastudium gehört – werde mich mal erkundigen.

Zahlen bitte …

Samstag, den 23. Februar 2008

Trotz (oder wegen?) meiner buchstäblichen Tätigkeit, üben Zahlen eine große Faszination auf mich aus. Wenn ich ihnen in Texten begegne, kann ich nicht anders, als sie mir mehr oder weniger bildlich umzusetzen. Eine Art internes Malen nach Zahlen.

So las ich bspw. am 9. Februar in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung im Zusammenhang mit der „Rettung“ der WestLB „… Die Bank selbst beschleunigt ihren Stellenabbau und sagt zu, 300 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr einzusparen. Auf dieser Grundlage werden mindestens 1300 der rund 6000 Arbeitsplätze wegfallen. …“ – Von der Tatsache, dass es schrecklich ist, wenn jemand seine Arbeit verliert, abgesehen, fing ich natürlich sofort an zu rechnen, wie hoch bei der WestLB die Personalkosten pro Arbeitsplatz sind.
Selbst bei Zugrundelegung von rechenfreundlicheren 1.500 Stellen kam ich auf 200.000 EUR Jahressalär. Im Artikel hieß es auch, dass die Stellen bis 2010 abgebaut werden – wenn ich dann rechne, dass die Plätze innerhalb von zwei Jahren wegfallen, aber trotzdem pro Jahr 300 Mio. eingespart werden sollen, komme ich sogar auf 400.000 EUR Jahreseinkommen.
Also, entweder habe ich einen eklatanten Rechen- bzw. Denkfehler gemacht oder ich habe eine völlig falsche Vorstellung davon, was man bei einer Bank verdient (hm, womöglich treffender: bekommt …). Oder die Kündigungswelle wird mal nicht vorrangig „die üblichen Verdächtigen“, Otto und Ottilie Normalverdiener, treffen, sondern auch durch höhere Etagen schwappen.

Gleichfalls in der HAZ stand am 25. Januar unter der Überschrift „In 15 Tagen um die Welt“ die Geschichte des ersten Containerzuges, der von Peking (heißt das nicht Beijing?!) nach Hamburg gefahren ist. Offenbar kannte der Lokführer eine Abkürzung, denn der Zug kam glatte 5 Tage früher als geplant in Hamburg an. Er musste auch nicht noch ein paar Warteschleifen um Hamburg herumfahren, denn alle wichtigen Menschen waren wohl rechtzeitig als Empfangskomitee zugegen.
Und Frau H. fing wieder an zu rechnen: 5 Tage früher angekommen, d.h. es wurden 120 Stunden eingefahren, mit denen die diesjährige Pünktlichkeits-Statistik der Bahn verbessert werden kann. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes märchenhaft.

Heute, am 23. Februar, wurde ich aber richtig gefordert. Um ehrlich zu sein, habe ich das Bild, das mir bei diesen Zahlen vor Augen steht, immer noch nicht fertig.
Im Text zum gestrigen Opernball steht „… Florist Achim Duda (42) etwa hatte 10.000 Tonnen Orchideenblüten, Anthurien und andere Grünpflanzen für die prachtvollen Blumenarrangements verarbeitet. …“.
10.000 Tonnen Grünware – Das sind pro Ballbesucher (ca. 4.400 Leute, wenn heute ebenso viele Gäste kommen wie gestern) gut 2.250 kg Blumendekoration. Selbst wenn ich die Blumenkübel in meine Rechnung einbeziehe, finde ich, dass diese Ausstattung mehr als üppig ist. Der Kartenpreis von 90,00 bzw. 120,00 EUR (1. Rang Sitzplatz im VVK) erscheint mir dafür wirklich nicht zu hoch!
Und hier noch ein paar meiner Bilderskizzen:
10.000 Tonnen – Zum Transport brauchte man ungefähr 400 Lkw mit Anhänger (bei einer Zuladung von 25 t).
10.000 Tonnen – Hm, mir kommen langsam Bedenken bez. der Statik. Immerhin entspricht das Gewicht dem Waagen-Ausschlag von 2.000 Elefanten (weiblich, afrikanisch, die eine etwas mehr, die andere etwas weniger gewichtig).
10.000 Tonnen – Dagegen wirkt das Gesamtgewicht der menschlichen Besucher (einschließlich Robe und Schmuckbestückung) von ungefähr 176 Tonnen (pro Abend) doch geradezu läppisch. Hier habe ich als Berechnungsgrundlage die Fahrstuhlkalkulation „8 Pers. oder 640 kg“ angenommen.

Wenn da kein Umrechnungsfehler beim Verfassen des HAZ-Artikels passiert ist, frage ich mich, will irgendwer an diesem Wochenende sein Auto in der Garage unter der Oper abstellen?!

Qual der Wahl …

Montag, den 21. Januar 2008

In Niedersachsen ist es am 27. Januar wieder so weit – es darf landtäglich gewählt werden. Das heißt, vor einigen Wochen wurden Wahlplakate in geradezu inflationärer Menge über der Stadt verstreut: Große, kleine, mit Menschen, mit-ohne Menschen. Bei einem Spaziergang fiel mir ein Plakat der Kategorie „mit-ohne Menschen“ besonders auf. Mit diesem berühmten Effekt „was ich gerade gelesen habe, steht so nicht da“ brachte es mich zum Stocken und Stehenbleiben. Da stand tatsächlich geschrieben:
Aus unseren Kindern
soll was werden:
Kostenlose Schulbücher,

Ich kenne das Bibel-Zitat „Schwerter zu Pflugscharen“ (gut, ich kenne es nicht aus der Bibel, das spielt hier aber keine Rolle), nur dass aus Kindern kostenlose Schulbücher werden sollen, das fand ich doch mehr als befremdlich. Auch die beiden Folgeargumente „Ganztagsschulen ausbauen, 100% guter Unterricht“ können m.E. die Startpanne nicht wettmachen. Irgendwie vermasselt.

Zugegebenermaßen bin auch ich durchaus eine Anhängerin von Zwei-Wort-Sätzen und anderen kurzen Formulierungen (man mag es kaum glauben, bei meinen Blog-Abhandlungen, ist aber so). Aber das Ganze muss schon einen Sinn ergeben. Keinen unfreiwillig komischen Unsinn. Besonders dann nicht, wenn die Aussage als Plakat wochenlang in zigfacher Ausführung als Stadttapete zu sehen ist.
Auf dem Plakat ist auch noch genug Platz, um das Wörtchen „deshalb“ hinter „Aus unseren Kindern soll was werden“ unterzubringen. Weshalb also so sinnbefreit/sinnentstellt?

Von der Irritation, die derartige Formulierungen beim Wähler hinterlassen mal ganz abgesehen, mit so einem Plakat kann man schnell als Zwiebelfisch bei Bastian Sick landen …

(Unter uns: Ich bin immer froh, wenn ich sagen kann „Puuuh, das hast du nicht verzapft.“ Im Eifer des Tagesgeschäfts kann einem schnell ein Fehlgriff (buchstäblich!) passieren. Da ist es hilfreich, wenn eine kritische Seele die Sachen liest, bevor sie in den Druck gehen.)

Keine Antwort ist auch eine Antwort

Donnerstag, den 10. Januar 2008

Bislang war ich der Meinung, dass „Anrufbeantworter“ unter falscher Flagge segeln, denn mir ist noch kein Modell begegnet, das irgendeine Antwort abgelassen hätte – auf welche Frage auch immer. Sie alle haben mir bislang immer nur mitgeteilt, dass derjenige, den ich eigentlich erreichen wollte, nicht zu sprechen ist.
Die äußerste Dienstleistung, zu der sich einige dieser elektronischen Hochstapler bereit erklären, ist die Aufzeichnung meiner Fragen. Von Beantwortung kann keine Rede sein.

Bei mir tut ein geradezu antik anmutendes Exemplar der Telekommunikation Dienst. Immer noch brav und unauffällig. Eines Abends blinkerte sein rotes „Auge“ hektisch – ein Zeichen, dass mehrere Anrufe aufgezeichnet waren.

Als ich den ersten abrief, schallte mir die wohltrainierte, leicht aufgesetzt fröhlich zwitschernde Frauenstimme einer Call-Center-Anrufmaschine (was es nicht so alles gibt) entgegen. Anfänglich leicht verstümmelt, da sie unhöflich, aber technisch wohl nicht anders möglich, bereits losquasselte als mein AB noch erklärte, dass ich nicht zu sprechen bin.

Inhalt der Nachricht war (sinngemäß), dass unter allen Teilnehmern der anschließenden Befragung 7.500 Euro verlost werden. Sie müssten nur willens und in der Lage sein, ihre Antwort auf drei Fragen per Tastendruck („Drücken Sie die ‚1’ für ‚Ja’ oder die ‚2’ für ‚Nein’!“) kundzutun. Als erstes sollten sie aber durch nicht-antworten („Warten Sie einen Moment.“) ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklären – raffinierter Trick, damit kann man jeden AB übertölpeln und einen „erfolgreichen“ Anruf verzeichnen. Offenbar war auch die Nicht-Antwort meines AB als zustimmende Antwort gewertet worden, denn die Fragen wurden gestellt. Dass das Drücken von Zahlen die Fähigkeiten meines Methusalems bei weitem überschreitet, hat die Anrufmaschine wiederum nicht bemerkt. Sie plapperte weiterhin unbeeindruckt auf meinen AB ein, der das Ganze stoisch über sich ergehen ließ. Abschließend bedankte sie sich überschwänglich für die Teilnahme. Der AB schwieg weiterhin.

Sollten in der nächsten Zeit irgendwo Aussagen über die Nutzung des Internets im Allgemeinen und per DSL im Speziellen, sowie die Entwicklung des Internets im Vergleich mit Kabelfernsehen stehen, werde ich die Zuverlässigkeit der Resultate anzweifeln (ich meine: Noch mehr als Umfrageergebnisse/Statistiken sowieso anzuzweifeln sind!). Erhebungen, in denen Anrufbeantworter zur Gruppe der Befragten zählen, sind m.E. nicht wirklich repräsentativ zu nennen.

Moderne Zeiten

Donnerstag, den 3. Januar 2008

Vor kurzem habe ich die Hotline eines Telekommunikationsunternehmens angerufen. Diese Firma hat tatsächlich und erfreulicherweise noch eine kostenlose Leitung! Im Zuge der Technisierung hat man aber auch dort auf automatische Quasselkisten zur Vorsortierung der Anrufer umgestellt.

Das heißt, man wird beschallt mit (ich kann hier alles nur sinngemäß wiedergeben, da ich kein Steno kann und auch kein Aufzeichnungsgerät mitlaufen lassen habe) „… handelt es sich bei Ihrem Anliegen um eine Vertragsänderung, um eine Neuanmeldung, um …“ usw. Ich habe natürlich meinen Einsatz vermasselt, da ich noch auf „… dann drücken Sie bitte die 1, 2, …“ gewartet hatte – derart veraltete Systeme gibt es aber wohl nicht mehr. Man kann jetzt gleich losplappern. Frau Automat merkte, dass ich nicht richtig bei der Sache war und wiederholte alles. Ich hörte mir also den ganzen Summs noch ein zweites Mal an, sagte das Schlüsselwort und „zack“ kam die nächste Frage mit einer weiteren unglaublichen Auswahlmenge.

Als ich empört ächzte wie Marge Simpson, sagte die Stimme „Entschuldigung, ihre Eingabe kann nicht zusortiert werden …“ und dann fing sie wieder an, alle Möglichkeiten aufzulisten. Ich merkte, wie mir der nicht vorhandene Hut hochging und fauchte ins Telefon: „Ich kriege gleich einen Anfall, mach hin!“. Und genau nach dem Ausrufezeichen sagte die Stimme „Sie werden gleich zu einem Berater durchgestellt …“. Köstlich! Damit war mir der Wind aus den Segeln genommen und besagter Berater erlebte mich in fröhlichster Laune. (Bei Hotlines komme ich sehr schnell in eine extrem unentspannte Stimmungslage. Ganz besonders, wenn der Anruf eine Telefonrechnung produziert, für deren Begleichung fast ein Kleinkredit erforderlich ist!)

Registrieren die neuen Automaten, bei welchem Teilnehmer gleich die Sicherung durchbrennt und leiten ihn dann schnell auf den „Therapieplatz“? Oder haben Hotline-Automaten einen etwas schrägen Humor bzw. wenigstens einen etwas schräg eingesetzten Humor-Chip?

Was da wieder für technische Finessen hinter stecken … Dass alles nur ein Zufall war bzw. dass Frau Automat feststellte „Huch, Anrufer spricht wirr, den schiebe ich flott mal zu einem Berater.“, ist mir als Erklärung zu banal.

Schneeflöckchen in der Umweltzone …

Mittwoch, den 2. Januar 2008

Heute Nacht hatte es geschneit, so dass morgens eine zarte Schneedecke auf Autos und Bäumen lag. Genau die richtige Menge zum Schönfinden. Ein derartiges Ereignis gab es auch kurz vor Weihnachten 2007: Erstaunlicherweise war der Schnee nur stellenweise in Hannover gefallen, die Innenstadt war bspw. gänzlich unverschneit. Diese partielle Schneeeinstäubung wurde mit dem Begriff „Industrieschnee“ erklärt.

„Industrieschnee“ – das hört sich an, als wäre es so ein klebriges Schnee-Imitat aus der Sprühdose, mit dem Fensterscheiben und künstliche Tannen auf Weihnachten getrimmt werden können oder etwas, das zielgenau per Schneekanone verrieselt wird, um weihnachtliche Stimmung zu erzeugen oder -in größeren Mengen- für Skifahr-Bedingungen zu sorgen. Es klingt sehr nach „Wasch dir die Hände, du hast Industrieschnee angefasst.“.

Ich habe aber auch erfahren, wie Industrieschnee entsteht: Bei entsprechender Wetterlage (Inversion? Infusion? Inspektion?) kuscheln sich Wasserdampf und feine Staubpartikel in nicht allzu großer Höhe zusammen. Gemeinsam (ge-)frieren sie dann zu feinkörnigem Schnee und gehen zu Boden. Ich weiß, das ist sehr laienhaft formuliert, aber ich bin ja auch kein Wetterfrosch. Ich habe nicht mal eine Leiter in meinem Weckglas.

Was mich aufhorchen ließ, war „Staubpartikel“. Seit gestern wohne ich in einer der ersten Umweltzonen dieser Republik (klingt schon fast wie Luftkurort). Das heißt: Zukünftig kann es hier keinen Industrieschnee mehr geben. Wir haben nämlich keinen Schwebeschmuddel mehr, der mit Wasserdampf rumfraternisiert, um Winterillusionen zu erzeugen. Wenn es hier also wie heute schneit, dann ist das guter echter Frau Holle-Schnee. Die Bewohner der List sind keine Schnee-Fälscher. Haben wir nicht nötig!

„Dosenfutter“ auf Gourmet-Art

Donnerstag, den 20. Dezember 2007

Letzte Woche rief mich eine Freundin an, um mir mitzuteilen, dass Jamie Oliver (ja, der begnadete und witzige Koch aus England) in einer Fernsehshow kocht, die normalerweise nicht auf meinem TV-Speiseplan steht.

Mit einem Jamie Oliver als Gast, änderte sich das natürlich schlagartig: Ich schaltete den Fernseher ein und hockte mich erwartungsvoll aufs Sofa. Was soll ich sagen/schreiben – ich wurde mal wieder total überrascht. Der Meister des unkonventionellen Kochens hat erneut einen echten „Oliver’s Twist“ vorgeführt.

Unter Verwendung einer blechernen Keksdose (den Deckel mit einigen Löchern versehen), verschiedener Kräuter, einer guten Handvoll Sägespäne und einem Stück Alufolie baute J.O. einen Kleinsträucherofen (um diesbezügliche Rückfragen zu vermeiden, das heißt Kleinst-Räucherofen und nicht Klein-Sträucherofen!), der auf einem ganz normalen Herd funktioniert: Dosenboden mit Kräutern (Rosmarin usw.) und Sägespänen bedecken, Alufolie drauflegen und darauf einfach ein paar ausgesucht schöne Stücke Lachs legen. Fertig.

In seiner heimischen Küche gibt Herr O. im wahrsten Sinne des Wortes Gas. In Deutschland stehen die Brandschutzbestimmungen der Verwendung von Gas in Studioküchen wohl entgegen. Dort bereitet man den Menüs per Induktionsherd einen heißen Abend. Das erforderte für die Lachsräucherei etwas veränderte Zubereitungszeit, klappte aber auch.

Die anderen anwesenden Köche/Köchinnen waren zum einen von der eher campingmäßigen Zubereitungsart und zum anderen von dem wohl doch leckeren Geschmack des Ganzen geradezu verblüfft. Man gratulierte sich gegenseitig zu den gelungenen Ergebnissen – schließlich waren die anderen ja nicht nur zum Probieren da, die mussten auch selbst etwas brutzeln. Das ebenfalls beköstigte Publikum war auch begeistert.

Ich denke, dass ich diese Art der Lachszubereitung unbedingt auch mal ausprobieren werde. 1. liebe ich warmen geräucherten Fisch, 2. freue ich mich, wenn Dinge außer ihrem eigentlichen Nutzen (in diesem Falle Keks-/Konfektaufbewahrung) noch wunderbare Zusatznutzen haben und 3. – last not least – wie es im Englischen heißt: Ich habe den perfekten Vorwand, mir eine Riesendose „Cadbury Roses“ zu kaufen. Das bedeutet, 1,3 kg wunderbarste Schokoladen- und Toffee-Mischung können unter dem Deckmäntelchen der experimentellen Küche bei mir Einzug halten. Jaaa!

Was mir bei der Zusammenstellung der Kochutensilien noch aufgefallen ist: MacGyver hätte daraus vermutlich auch ein ozeantaugliches Boot für zwei Personen machen können.

Falls ich vor Weihnachten nichts mehr hier veröffentliche (und die Chancen stehen gut, dass ich es nicht mehr tue), wünsche ich schon mal heute allen fröhliche Festtage! Ob mit Lachs oder Zweimannboot oder wie auch immer – macht es euch so nett wie es nur geht.

Was Fußball mit Ruderbooten zu tun hat

Samstag, den 17. November 2007

In der HAZ habe ich einen Text zum heutigen Länderspiel gegen Zypern gelesen, der mich etwas ins Grübeln brachte. Zu dem Bild des sportlich mit einem herzlichen “Welcome Cyprus” illuminierten neuen Rathauses war zu lesen, dass die Gäste aus Zypern dieses Gebäude samt Lichtinstallation von ihrem Hotel aus gar nicht sehen können, auch die deutsche Mannschaft kann sich aus Unterbringungsgründen nicht daran erfreuen, denn: In dem Hotel, das gegenüber dem Rathaus steht und somit echte Logenplätze bietet, ist die Delegation des DFB untergebracht.

Ich hätte es ja als nette Geste empfunden, wenn die Gäste den Willkommensgruß von ihren Zimmerfenstern aus hätten sehen können. Da sie aber in einem ebenfalls namhaften Hotel untergebracht sind, vermissen sie den Ausblick womöglich gar nicht so sonderlich.

Dann kam für mich jedoch der echte Knaller im Text: Besagtes “Gegenübervomrathaus”-Hotel hält 150(!!) Zimmer für die DFBler bereit.

Empfinde nur ich dieses Mengenverhältnis “Spielerzahl:DFB-Delegierte” als ungewöhnlich? Selbst wenn ich die Ersatzleute und Betreuer als Spieler mitrechne, kommt es mir vor, als wäre beim Rudern (um zumindest im sportlichen Bild zu bleiben) die Besetzung eines Achters mit Steuermann in einen Einer mit acht Steuermännern geändert worden.

Oder ziehen DFB-Delegierte nächtens mehrfach von einem Zimmer ins andere um und der versierte Hotelier hält deshalb immer einen Schwung freie Zimmer vor?

Als Unsportlerin fehlt mir offenbar Grundlagenwissen …