Keine Antwort ist auch eine Antwort
Donnerstag, den 10. Januar 2008Bislang war ich der Meinung, dass „Anrufbeantworter“ unter falscher Flagge segeln, denn mir ist noch kein Modell begegnet, das irgendeine Antwort abgelassen hätte – auf welche Frage auch immer. Sie alle haben mir bislang immer nur mitgeteilt, dass derjenige, den ich eigentlich erreichen wollte, nicht zu sprechen ist.
Die äußerste Dienstleistung, zu der sich einige dieser elektronischen Hochstapler bereit erklären, ist die Aufzeichnung meiner Fragen. Von Beantwortung kann keine Rede sein.
Bei mir tut ein geradezu antik anmutendes Exemplar der Telekommunikation Dienst. Immer noch brav und unauffällig. Eines Abends blinkerte sein rotes „Auge“ hektisch – ein Zeichen, dass mehrere Anrufe aufgezeichnet waren.
Als ich den ersten abrief, schallte mir die wohltrainierte, leicht aufgesetzt fröhlich zwitschernde Frauenstimme einer Call-Center-Anrufmaschine (was es nicht so alles gibt) entgegen. Anfänglich leicht verstümmelt, da sie unhöflich, aber technisch wohl nicht anders möglich, bereits losquasselte als mein AB noch erklärte, dass ich nicht zu sprechen bin.
Inhalt der Nachricht war (sinngemäß), dass unter allen Teilnehmern der anschließenden Befragung 7.500 Euro verlost werden. Sie müssten nur willens und in der Lage sein, ihre Antwort auf drei Fragen per Tastendruck („Drücken Sie die ‚1’ für ‚Ja’ oder die ‚2’ für ‚Nein’!“) kundzutun. Als erstes sollten sie aber durch nicht-antworten („Warten Sie einen Moment.“) ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklären – raffinierter Trick, damit kann man jeden AB übertölpeln und einen „erfolgreichen“ Anruf verzeichnen. Offenbar war auch die Nicht-Antwort meines AB als zustimmende Antwort gewertet worden, denn die Fragen wurden gestellt. Dass das Drücken von Zahlen die Fähigkeiten meines Methusalems bei weitem überschreitet, hat die Anrufmaschine wiederum nicht bemerkt. Sie plapperte weiterhin unbeeindruckt auf meinen AB ein, der das Ganze stoisch über sich ergehen ließ. Abschließend bedankte sie sich überschwänglich für die Teilnahme. Der AB schwieg weiterhin.
Sollten in der nächsten Zeit irgendwo Aussagen über die Nutzung des Internets im Allgemeinen und per DSL im Speziellen, sowie die Entwicklung des Internets im Vergleich mit Kabelfernsehen stehen, werde ich die Zuverlässigkeit der Resultate anzweifeln (ich meine: Noch mehr als Umfrageergebnisse/Statistiken sowieso anzuzweifeln sind!). Erhebungen, in denen Anrufbeantworter zur Gruppe der Befragten zählen, sind m.E. nicht wirklich repräsentativ zu nennen.
Dort gibt es das Angebot, Romane personalisieren zu lassen. Nein, nicht einfach vorne den Namen des Eigentümers eindrucken, das wäre ja völlig unspektakulär. Das Angebot ist, dass ich selbst (oder jemand, den ich buchstäblich verewigt sehen möchte), der Protagonist eines Buches werden kann. Und so einfach geht es: Aus drei Büchern (Liebesroman, Krimi und ein Jugendbuch über einen – oh, Wunder – zaubernden Jungen) einfach das gewünschte auswählen, einen „Personalbogen“ ausfüllen mit Namen, Aussehen usw. – Fertig. Abschicken und schon wird man zum Helden.