Archiv der Kategorie ‘Hannover‘

Das Bedeutungs-Los – nicht immer ein Gewinn

Samstag, den 27. August 2011

Heute habe ich in einem Artikel eines meiner Lieblingsjournalisten der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung den Begriff „Mund-zu-Mund-Propaganda“ gelesen. Köstlich. Anscheinend gibt es Ausdrücke, die problemlos die eigene Plausibilitätsprüfung unterlaufen. Sowie man nämlich ein bisschen über sie nachdenkt, fällt einem auf, wie herzerfrischend unsinnig sie sind. Natürlich kann es in diesem speziellen Fall auch ein besonders gelungenes Wortspiel zum “viralen Marketing” sein, auf das im Artikel Bezug genommen wird. Wenn ich es mir recht überlege, halte ich es bei diesem Wortartisten (und der Tatsache, dass die Formulierung mit Gänsefüßchen garniert ist) sogar für mehr als wahrscheinlich.

Diese Raffinesse können aber leider nicht alle Verwender des Begriffes „Mund-zu-Mund-Propaganda“ für sich in Anspruch nehmen. Denn: In den mir bekannten Textvorkommen geht es nicht um Virusverbreitung per Tröpfcheninfektion, sondern um Informationsverbreitung. Somit wäre es treffender eine „Mund-zu-Ohr-Propaganda“. Was aber doch leicht sperrig klingt und erfreulicherweise in der Umgangssprache zur „Mundpropaganda“ zusammengeschnurrt ist.

Ein weiterer semantischer Fehlgriff begegnet mir im Handel häufig zu Schuljahresbeginn oder gegen Ende eines Jahres: die „Schreibtischunterlage“. Mal kommt sie als überdimensionaler Schreibblock mit Abreißblättern daher (mit oder ohne Kalendarium) oder sie ist aus Kunststoff (mit oder ohne Bildmotiv) – egal wie, sie ist entweder eine „Schreibunterlage“ oder eine „Schreibtischauflage“. Eine „Schreibtischunterlage“ kann ein Teppich sein. Oder ich habe meinen Arbeitsplatz seit Jahren irgendwie völlig falsch eingerichtet …

Kein Wischi-Waschi

Mittwoch, den 29. Juni 2011

Es zeichnete sich schon seit einiger Zeit ab, dass sie es nicht mehr lange machen wird. Vor ein paar Tagen war es dann soweit, meine Waschmaschine segnete das Zeitliche. Ein neues Modell zeigte sich zwar schon am Horizont des Wäschekorbes ab, aber die Zeit bis dahin …

Ich suchte nach einem Waschsalon. Meine – zugegebenermaßen viele Jahre alten – Erinnerungen an derartige Etablissements sind nicht besonders positiv. Meist waren es Orte bar jeglichen Wohlfühlanspruches – grelles Neonlicht, Mobiliar, das sich eher an Haltbarkeit denn an Bequemlichkeit orientiert, kurz: Eine Einrichtung, die die Pflegeanleitung „Problemlos mit dem Dampfstrahler zu reinigen“ trägt.

Aber die Zeiten haben sich geändert, zumindest bei den Waschweibern. Hier kann man, während man darauf wartet, dass sich die Wäsche sauber turnt, lecker essen und trinken.

Bei schönem Wetter sitzt man draußen, ansonsten macht man es sich drinnen nett, wirft zwischen Flammkuchen und Latte Macchiato die Wäsche von der „Ria“ in den „Nick“ und lässt es sich gut gehen.

Die diensttuenden Waschmaschinen sind Persönlichkeiten. Jedenfalls tragen sie Namen, wie Esmeralda, Sotiria oder auch Beatrice, Wäsche trocknen ist hier absolute Männerarbeit, die Trockner heißen bspw. Nicolas oder Siegfried. Da kommt ein völlig neues Verbundenheitsgefühl zu den Gerätschaften auf.

Das Publikum ist bunt gemischt, hinter der Theke stehen fröhliche Leute, die Neulingen gern den Umgang mit dem Maschinenpark zeigen und sich schnell um das Bestellte kümmern.

Und sonntags ab 20:15 Uhr – wenn alle Waschmaschinen und Trockner schon schlafen – wird gemeinsam „Tatort“ geguckt. Dann ist die Zeit der weißen Westen vorbei …

Herzlich willkommen in der Messestadt Hamoover

Samstag, den 30. April 2011

Kürzlich war ich mal wieder per Bahn unterwegs. Die Fahrt war herzerfrischend ereignislos: Kein Wildunfall, bei dem das arme Tier noch die Druckluftschläuche für die Bremsen außer Gefecht setzt, sodass langes Warten (gefühlt eine Ewigkeit) auf einen Ersatzzug folgt, der Zug war nicht übervoll und nicht verspätet, die Klimaanlage klimatisierte ordnungsgemäß, die Mitfahrenden zeigten sich schweigsam bis fröhlich – kurz, es war ausgesprochen angenehm, durch die Lande kutschiert zu werden. Als ich schon dachte, dieses Wohlbefinden ist (zumindest bei einer Bahnreise) kaum noch zu steigern, hielten wir an einem Bahnhof (Name ist der Autorin bekannt) und auf der Zuganzeige stand folgendes Fahrtziel:

Ab maach Hauwwe!

Aha. Also, entweder war dem zuständigen Reiseziel-in-Zugzielanzeige-Eintipper der Ort von jemandem genannt worden, dessen Zähne anscheinend noch im Stand-by-Betrieb ein bisschen im Glase umherschwammen oder er hatte zwar seine Zähne, aber zusätzlich noch eine halbe Pizza im Mund.

Der „Kutscher“ ließ sich aber nicht irritieren, der Zug fuhr, wie im Reiseplan angegeben, nach Hannover. Und ich werde versuchen, nicht mehr vorschnell zu sagen: „Das schreibt sich, wie man es spricht.“

Innenstadtbelebung der anderen Art

Sonntag, den 20. Dezember 2009

Die Üstra bietet in der Weihnachtszeit eine temporäre Unterbringung für Einkaufspakete an, so dass der Beutezug durch die Geschäfte ungehindert fortgesetzt werden kann und an einigen Stellen kann man seine Kinder in qualifizierte Kurzzeitbetreuung geben. Was aber macht frau mit Männern, die leichtfertig erklärt haben, dass sie mit zum Einkaufen in die Stadt kommen?! (Putzigerweise fällt beiden erst ein, dass es ihnen schon im letzten und vorletzten und vorvorletzten Jahr nicht gefallen hat, gemeinsam durch die diversen Einkaufstempel zu ziehen, wenn sie wieder vor einer Ladentür stehen.)

Dieses Jahr bietet Hannover Frauen eine besondere Form der Männeraufbewahrung an: Seit Wochen wird das alte Kröpcke-Center sorgfältig in Trümmer gelegt. Da etliche Außenwände bereits entfernt wurden, sind die kleinen Bagger in den oberen Geschossen wunderbar bei ihrer Arbeit zu beobachten. Ich kam bei verschiedenen Durchquerungen der Innenstadt in den Genuss des Anblicks zahlreicher Herren, die -mit Kommentaren nicht sparend- den organisierten “Steinbruch” verfolgten. Insgeheim hoffen bestimmt einige darauf, dass ein hauptamtlicher Baggerfahrer unpässlich ist und ein Herr aus dem Publikum um tatkräftige Mithilfe gebeten wird, um den Zeitplan des „Rückbaus“ (neuarchitektonisch für Abriss) einhalten zu können.

Abenteuerspielplatz für Große

Also, platzieren Sie Begleitherren beim Kröpcke-Center – das Kind im Manne wird sich freuen und sogar ein Überziehen der vereinbarten Abholzeit klaglos hinnehmen. Wenn die weiteren Umbauarbeiten auch so publikumsfreundlich gehalten werden, wird die Innenstadt noch auf die Top-Five-Liste hannoverscher Ausflugsziele kommen. Vielleicht liegt hier der Schlüssel zur Steigerung des Umsatzes im Einzelhandel, einer Verbesserung der Arbeitssituation im Baugewerbe und der Befriedung kleiner innerfamiliärer Einkaufskonflikte.

Die Stadtplaner sollten sich schon mal Gedanken machen, welche städtebaulichen „Versteinerungen“ im Anschluss an das Kröpcke-Center „umdekoriert“ werden sollten.

Navigations-Update für Öffis

Donnerstag, den 17. Dezember 2009

Die hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra zeigen mir gerade, dass ich “Besitzerin” eines Gewohnheitstieres bin: Kaum verändern sie nach gut 30 Jahren ein paar Haltestellen- und Stadtbahnlinien-Namen, stehe ich wie ein Fragezeichen auf dem Bahnsteig.

Die altbekannte Haltestelle “Lahe” der Linie 3 heißt seit neuestem “Paracelsusweg” und die Linie ist jetzt die 7 (welche bis vor kurzem noch zur Endhaltestelle “Fasanenkrug” fuhr, diese Haltestelle gibt es immer noch, sie wird allerdings von der Linie 9 heimgesucht). Um meine Verwirrung zu komplettieren, ist die neue Endhaltestellenbezeichnung der Linie 7 in den Bahnstationen schon auf die Erweiterung in 2010 ausgelegt – sie fährt dann zur “Schierholzstraße”. An der Bahn und auf den Fahrplänen heißt es derzeit allerdings “Paracelsusweg”.

Ich fand die Regelung, Endhaltestellen nach den Stadtteilen(Zielorten) zu bezeichnen ganz sinnvoll. Ist für die grobe Orientierung einfacher. Bei “Paracelsusweg” hatte ich erst gedacht, dass die Linie jetzt Richtung Langenhagen fährt, denn dort befindet sich die Paracelsusklinik (wieder reingefallen, die liegt gar nicht am Paracelsusweg!).

Anscheinend ist meine Logik nicht kompatibel mit der Üstra-Logik. Da wird mein kleines Gewohnheitstier eben umlernen – oder ab und an mit mir in die falsche Bahn hopsen. So kann man auch neue Ecken in seiner Stadt entdecken.

Schreck lässt nach

Montag, den 25. Mai 2009

Ich habe entdeckt, dass demnächst ein Supermarkt bei mir “umme Ecke rum” aufmacht. Puhhh, jetzt bin ich wirklich erleichtert: Seit Mitte letzten Jahres mein nächstgelegenes Einkaufstempelchen für den täglichen Bedarf geschlossen worden war, lebe ich näher an zwei Bestattungsunternehmen als an einem Supermarkt. Diese Tatsache hat mir einen ordentlichen Schreck verpasst und zu häufigerer Blutdruckkontrolle geführt. Man soll das Schicksal schließlich nicht rausfordern …

Die Ansiedlung eines neuen Marktes beruhigt mich ungemein – offenbar hat die Auswertung der Gesundheitsdaten der hier ansässigen Menschen doch noch Grund zu kaufmännischer Hoffnung gegeben. Ich werde also umgehend nach Eröffnung dort vorstellig werden, um durch fröhliches Einkaufen die in mich als Konsumenten gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Sonst siedelt sich hier demnächst womöglich ein Urnentöpfer an. Nichts gegen seine Ansiedlung – von mir aus zusätzlich zum Supermarkt, aber nicht anstelle!

Vom Osterhasen versteckt?!

Dienstag, den 14. April 2009

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Was wäre festliche Faulenzerei ohne etwas zu Lesen? Innerhalb unseres familiären Krimi-Lesezirkels bekam ich ein Buch in die Finger, das ich schon seit einiger Zeit lesen wollte.

Lag es nun am Osterfest und den damit einhergehenden Versteckspielen – ich war offenbar noch voll auf “Suchen & Finden” programmiert. Auf dem Klappentext entdeckte ich “… Grabmahl …”. Eine neue Bedeutung für “Leichenschmaus”? Nein, ein ganz profaner Schreibfehler – im Buch-Innenteil war nämlich immer ganz korrekt vom Grabmal die Rede. Ich finde den Satzfehler nicht dramatisch, ganz im Gegenteil: Mich entzückt das sich daraus ergebende Wortspiel ganz ungemein (auch wenn es in mörderischem Zusammenhang steht).

Uuuuuund … hat schon jemand entdeckt, von welchem Buch hier die Rede ist?! Ich bin gerade auf Seite 52 gelandet und es liest sich sehr nett.

Obskures aus der Kamera (Teil 1)

Sonntag, den 1. Februar 2009

Es ist schon erstaunlich, was sich so alles auf der Speicherkarte meiner Kamera findet. Immer wenn ich etwas für mich Merk-würdiges entdecke, zücke ich die Kamera und kellere es in Pixelform in der Tiefe des Kartenspeichers ein. Voraussetzung ist natürlich, dass ich die Kamera dabei habe – daran scheitert mein toller Plan der schnellen Aufnahme leider häufig. Ich habe tatsächlich schon in Erwägung gezogen, mir ein Handy mit Kamera zuzulegen. Aber ich liebe meinen alten Hör-/Sprechknochen zu sehr, als dass ich ernsthaft über eine Trennung nachdenke.

Nach und nach werde ich jetzt die Ergebnisse meiner optischen Beutezüge verbloggen.

Rotlichtbezirk …Auf diesem Bild aus der Vorweihnachtszeit ist die Ernst-August-Galerie am hannoverschen Bahnhof zu sehen. Während ich auf den Überweg zumarschierte, hatte ich Probleme, das rote Ampelmännchen zu entdecken. Es musste aber noch irgendwo sein, da die Fußgänger mit Blickrichtung Hauptbahnhof an der Ampel warteten. Aus meiner Sicht überstrahlte die rote Beschriftung in Kombination mit roten Deko/Werbung das kleine Männchen völlig. Ich habe mich gefragt, ob an der Kreuzung die Unfallrate mit Passanten gestiegen ist, seit der Eröffnung dieses Einkaufstempels?!

Und hier noch Auflösung des Suchbildes: Das rote Männchen steht im grünen Kreis. Leider ist der Kreis als Orientierungshilfe nur auf diesem Bild und nicht live an der Ampel …

Ich fahre mal eben telefonieren …

Dienstag, den 4. November 2008

Hier in Hannover-Stadt sind wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln recht komfortabel bedient. Neulich habe ich mich gefragt, ob der Personen-Nahverkehr dieser Stadt aus einer Kooperation der Üstra (stellt Busse, Bahnen, Fahrpersonal, Kontrolleure, intakte & defekte Fahrkartenautomaten) und diverser Telekommunikationsfirmen besteht. Die hiesigen U-Bahnen scheinen immer mehr zu mobilen Telefonzellen zu werden: Einsteigen, Telefon rausholen, Nummer tüpfeln und reintrompeten, dass man problemlos von einer afrikanischen Elefantenherde adoptiert würde.

Ich bin froh um jedes Telefonat, das ich nicht in einer lauten Bahn unter den Blicken der Umstehenden führen muss. Mir ist es immer noch eher unangenehm, wenn mein Hörknochen in der Tasche losfiedelt, und ich sage entweder kurz und knapp „Ich rufe gleich zurück.“ oder verlasse fluchtartig an der nächsten Haltestelle den Wagen, um das Gespräch zu führen. Andere sind ja völlig befreit von irgendwelchen Skrupeln gegenüber ihrer Umwelt; da gehört es offenbar zum Lifestyle, im Waggon zu telefonieren – ohne Publikum geht gar nix.

Und was man da teilweise bei längeren Telefonaten als Co-Hörer zwangserfährt – das will man kaum von Freunden wissen, von Fremden schon gar nicht (liebe Mitreisende, die Beschreibung des Öffnungsstadiums eines Muttermundes einer ihnen bekannten Mama in spe muss doch nun wirklich nicht in der Lautstärke mit der Haltestellen-Ansage konkurrieren!).

Ehrlich gesagt, bin ich geradezu dankbar, dass ich nur die eine Hälfte derartiger Gespräche mitbekomme(n muss) und noch ehrlicher gesagt: Ich könnte auch auf diese Hälfte gut verzichten.

Großstadtdramen?!

Dienstag, den 30. September 2008

Als ich vor ein paar Tagen nach Hause kam, stand unsere Hausmülltonne in folgender Ausstattung vor mir:

p9230215_tonne.jpg

War es eine Verzweiflungstat eines oder einer Beziehungsgeschädigten?
Welche Dramen haben sich da womöglich unter dem schützenden Dach unseres Mehrfamilienhauses abgespielt?
Vielleicht ist es aber auch nur das „Kunststück“ eines Menschen mit herrlich skurrilem Humor. Sollte diese Meinungsäußerung aber tatsächlich Ergebnis einer Krise sein, so hoffe ich, dass dieselbe mittlerweile überstanden ist. Das Schild war jedenfalls nach zwei Tagen weg und in der Tonne befand sich nur ganz normaler Müffelmüll – wofür ich in diesem speziellen Fall wirklich dankbar war.

Zu der ungeklärten Entstehungsgeschichte gesellten sich bei mir natürlich noch die Fragen:
Gibt es Schilder mit einem männlichen Piktogramm, wenn ja, wo? (Ich bin mir sicher, dass der Bedarf nicht gering ist!)
Weshalb stand der Entsorgungshinweis eigentlich nicht auf der Biotonne?

P.S. Ich bitte die miese Bildqualität zu entschuldigen, aber es war schon stickeduster.