Innenstadtbelebung der anderen Art
Sonntag, den 20. Dezember 2009Die Üstra bietet in der Weihnachtszeit eine temporäre Unterbringung für Einkaufspakete an, so dass der Beutezug durch die Geschäfte ungehindert fortgesetzt werden kann und an einigen Stellen kann man seine Kinder in qualifizierte Kurzzeitbetreuung geben. Was aber macht frau mit Männern, die leichtfertig erklärt haben, dass sie mit zum Einkaufen in die Stadt kommen?! (Putzigerweise fällt beiden erst ein, dass es ihnen schon im letzten und vorletzten und vorvorletzten Jahr nicht gefallen hat, gemeinsam durch die diversen Einkaufstempel zu ziehen, wenn sie wieder vor einer Ladentür stehen.)
Dieses Jahr bietet Hannover Frauen eine besondere Form der Männeraufbewahrung an: Seit Wochen wird das alte Kröpcke-Center sorgfältig in Trümmer gelegt. Da etliche Außenwände bereits entfernt wurden, sind die kleinen Bagger in den oberen Geschossen wunderbar bei ihrer Arbeit zu beobachten. Ich kam bei verschiedenen Durchquerungen der Innenstadt in den Genuss des Anblicks zahlreicher Herren, die -mit Kommentaren nicht sparend- den organisierten “Steinbruch” verfolgten. Insgeheim hoffen bestimmt einige darauf, dass ein hauptamtlicher Baggerfahrer unpässlich ist und ein Herr aus dem Publikum um tatkräftige Mithilfe gebeten wird, um den Zeitplan des „Rückbaus“ (neuarchitektonisch für Abriss) einhalten zu können.

Also, platzieren Sie Begleitherren beim Kröpcke-Center – das Kind im Manne wird sich freuen und sogar ein Überziehen der vereinbarten Abholzeit klaglos hinnehmen. Wenn die weiteren Umbauarbeiten auch so publikumsfreundlich gehalten werden, wird die Innenstadt noch auf die Top-Five-Liste hannoverscher Ausflugsziele kommen. Vielleicht liegt hier der Schlüssel zur Steigerung des Umsatzes im Einzelhandel, einer Verbesserung der Arbeitssituation im Baugewerbe und der Befriedung kleiner innerfamiliärer Einkaufskonflikte.
Die Stadtplaner sollten sich schon mal Gedanken machen, welche städtebaulichen „Versteinerungen“ im Anschluss an das Kröpcke-Center „umdekoriert“ werden sollten.

Auf diesem Bild aus der Vorweihnachtszeit ist die Ernst-August-Galerie am hannoverschen Bahnhof zu sehen. Während ich auf den Überweg zumarschierte, hatte ich Probleme, das rote Ampelmännchen zu entdecken. Es musste aber noch irgendwo sein, da die Fußgänger mit Blickrichtung Hauptbahnhof an der Ampel warteten. Aus meiner Sicht überstrahlte die rote Beschriftung in Kombination mit roten Deko/Werbung das kleine Männchen völlig. Ich habe mich gefragt, ob an der Kreuzung die Unfallrate mit Passanten gestiegen ist, seit der Eröffnung dieses Einkaufstempels?!