Archiv der Kategorie ‘Hannover‘

Für oder gegen …

Sonntag, den 6. April 2008

Der 1. April war bereits zwei Tage vorüber, als ich in der HAZ einen Artikel zu dem Verfahren gegen einen Juraprofessor las, der wegen Bestechlichkeit schuldig gesprochen worden war. Der Schlusssatz des Artikels lautete “Außerdem wurde ihm vorgeworfen, er habe gute Noten für Sex vergeben.”

Seit wann werden denn angehende Juristen und Juristinnen in Sex geprüft bzw. was wäre dann an guten Noten so vor-werflich?!

Es ist schon erstaunlich, wie schnell ein einziges kleines Wort den Sinn eines Textes entstellen oder gar in Unsinn verwandeln kann. Andererseits: Ich habe keine Ahnung, was heutzutage alles zum Jurastudium gehört – werde mich mal erkundigen.

Zahlen bitte …

Samstag, den 23. Februar 2008

Trotz (oder wegen?) meiner buchstäblichen Tätigkeit, üben Zahlen eine große Faszination auf mich aus. Wenn ich ihnen in Texten begegne, kann ich nicht anders, als sie mir mehr oder weniger bildlich umzusetzen. Eine Art internes Malen nach Zahlen.

So las ich bspw. am 9. Februar in der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung im Zusammenhang mit der „Rettung“ der WestLB „… Die Bank selbst beschleunigt ihren Stellenabbau und sagt zu, 300 Millionen Euro Personalkosten pro Jahr einzusparen. Auf dieser Grundlage werden mindestens 1300 der rund 6000 Arbeitsplätze wegfallen. …“ – Von der Tatsache, dass es schrecklich ist, wenn jemand seine Arbeit verliert, abgesehen, fing ich natürlich sofort an zu rechnen, wie hoch bei der WestLB die Personalkosten pro Arbeitsplatz sind.
Selbst bei Zugrundelegung von rechenfreundlicheren 1.500 Stellen kam ich auf 200.000 EUR Jahressalär. Im Artikel hieß es auch, dass die Stellen bis 2010 abgebaut werden – wenn ich dann rechne, dass die Plätze innerhalb von zwei Jahren wegfallen, aber trotzdem pro Jahr 300 Mio. eingespart werden sollen, komme ich sogar auf 400.000 EUR Jahreseinkommen.
Also, entweder habe ich einen eklatanten Rechen- bzw. Denkfehler gemacht oder ich habe eine völlig falsche Vorstellung davon, was man bei einer Bank verdient (hm, womöglich treffender: bekommt …). Oder die Kündigungswelle wird mal nicht vorrangig „die üblichen Verdächtigen“, Otto und Ottilie Normalverdiener, treffen, sondern auch durch höhere Etagen schwappen.

Gleichfalls in der HAZ stand am 25. Januar unter der Überschrift „In 15 Tagen um die Welt“ die Geschichte des ersten Containerzuges, der von Peking (heißt das nicht Beijing?!) nach Hamburg gefahren ist. Offenbar kannte der Lokführer eine Abkürzung, denn der Zug kam glatte 5 Tage früher als geplant in Hamburg an. Er musste auch nicht noch ein paar Warteschleifen um Hamburg herumfahren, denn alle wichtigen Menschen waren wohl rechtzeitig als Empfangskomitee zugegen.
Und Frau H. fing wieder an zu rechnen: 5 Tage früher angekommen, d.h. es wurden 120 Stunden eingefahren, mit denen die diesjährige Pünktlichkeits-Statistik der Bahn verbessert werden kann. Das ist im wahrsten Sinne des Wortes märchenhaft.

Heute, am 23. Februar, wurde ich aber richtig gefordert. Um ehrlich zu sein, habe ich das Bild, das mir bei diesen Zahlen vor Augen steht, immer noch nicht fertig.
Im Text zum gestrigen Opernball steht „… Florist Achim Duda (42) etwa hatte 10.000 Tonnen Orchideenblüten, Anthurien und andere Grünpflanzen für die prachtvollen Blumenarrangements verarbeitet. …“.
10.000 Tonnen Grünware – Das sind pro Ballbesucher (ca. 4.400 Leute, wenn heute ebenso viele Gäste kommen wie gestern) gut 2.250 kg Blumendekoration. Selbst wenn ich die Blumenkübel in meine Rechnung einbeziehe, finde ich, dass diese Ausstattung mehr als üppig ist. Der Kartenpreis von 90,00 bzw. 120,00 EUR (1. Rang Sitzplatz im VVK) erscheint mir dafür wirklich nicht zu hoch!
Und hier noch ein paar meiner Bilderskizzen:
10.000 Tonnen – Zum Transport brauchte man ungefähr 400 Lkw mit Anhänger (bei einer Zuladung von 25 t).
10.000 Tonnen – Hm, mir kommen langsam Bedenken bez. der Statik. Immerhin entspricht das Gewicht dem Waagen-Ausschlag von 2.000 Elefanten (weiblich, afrikanisch, die eine etwas mehr, die andere etwas weniger gewichtig).
10.000 Tonnen – Dagegen wirkt das Gesamtgewicht der menschlichen Besucher (einschließlich Robe und Schmuckbestückung) von ungefähr 176 Tonnen (pro Abend) doch geradezu läppisch. Hier habe ich als Berechnungsgrundlage die Fahrstuhlkalkulation „8 Pers. oder 640 kg“ angenommen.

Wenn da kein Umrechnungsfehler beim Verfassen des HAZ-Artikels passiert ist, frage ich mich, will irgendwer an diesem Wochenende sein Auto in der Garage unter der Oper abstellen?!

Qual der Wahl …

Montag, den 21. Januar 2008

In Niedersachsen ist es am 27. Januar wieder so weit – es darf landtäglich gewählt werden. Das heißt, vor einigen Wochen wurden Wahlplakate in geradezu inflationärer Menge über der Stadt verstreut: Große, kleine, mit Menschen, mit-ohne Menschen. Bei einem Spaziergang fiel mir ein Plakat der Kategorie „mit-ohne Menschen“ besonders auf. Mit diesem berühmten Effekt „was ich gerade gelesen habe, steht so nicht da“ brachte es mich zum Stocken und Stehenbleiben. Da stand tatsächlich geschrieben:
Aus unseren Kindern
soll was werden:
Kostenlose Schulbücher,

Ich kenne das Bibel-Zitat „Schwerter zu Pflugscharen“ (gut, ich kenne es nicht aus der Bibel, das spielt hier aber keine Rolle), nur dass aus Kindern kostenlose Schulbücher werden sollen, das fand ich doch mehr als befremdlich. Auch die beiden Folgeargumente „Ganztagsschulen ausbauen, 100% guter Unterricht“ können m.E. die Startpanne nicht wettmachen. Irgendwie vermasselt.

Zugegebenermaßen bin auch ich durchaus eine Anhängerin von Zwei-Wort-Sätzen und anderen kurzen Formulierungen (man mag es kaum glauben, bei meinen Blog-Abhandlungen, ist aber so). Aber das Ganze muss schon einen Sinn ergeben. Keinen unfreiwillig komischen Unsinn. Besonders dann nicht, wenn die Aussage als Plakat wochenlang in zigfacher Ausführung als Stadttapete zu sehen ist.
Auf dem Plakat ist auch noch genug Platz, um das Wörtchen „deshalb“ hinter „Aus unseren Kindern soll was werden“ unterzubringen. Weshalb also so sinnbefreit/sinnentstellt?

Von der Irritation, die derartige Formulierungen beim Wähler hinterlassen mal ganz abgesehen, mit so einem Plakat kann man schnell als Zwiebelfisch bei Bastian Sick landen …

(Unter uns: Ich bin immer froh, wenn ich sagen kann „Puuuh, das hast du nicht verzapft.“ Im Eifer des Tagesgeschäfts kann einem schnell ein Fehlgriff (buchstäblich!) passieren. Da ist es hilfreich, wenn eine kritische Seele die Sachen liest, bevor sie in den Druck gehen.)

Schlaflos in der Umweltzone

Montag, den 7. Januar 2008

Als ich letzte Nacht nicht so schnell einschlafen konnte wie sonst (Kopf kommt unter 45 Grad Winkel, Augen schließen sich, Probandin schläft), kam mir ein Verdacht, der mich noch munterer machte:
Darf das Sandmännchen hier eigentlich noch seinem Gewerbe nachgehen?

Ich bin mir sicher, dass seine diversen Fortbewegungsmittel alle die grüne Plakette haben. Aber was ist mit diesem glimmerigen Schlafstaub (ich möchte hier nicht von „jemandem Sand in die Augen streuen“ reden …), der im Fernsehen aussieht wie die Beamerei der frühen Raumschiff Enterprise-Folgen. Fällt der unter Feinstaub und darf womöglich nicht mehr verstreuselt werden?!

Ich hoffe, die Verantwortlichen drücken ein Auge zu, damit ich nächtens wieder beide Augen zumachen kann …

Schneeflöckchen in der Umweltzone …

Mittwoch, den 2. Januar 2008

Heute Nacht hatte es geschneit, so dass morgens eine zarte Schneedecke auf Autos und Bäumen lag. Genau die richtige Menge zum Schönfinden. Ein derartiges Ereignis gab es auch kurz vor Weihnachten 2007: Erstaunlicherweise war der Schnee nur stellenweise in Hannover gefallen, die Innenstadt war bspw. gänzlich unverschneit. Diese partielle Schneeeinstäubung wurde mit dem Begriff „Industrieschnee“ erklärt.

„Industrieschnee“ – das hört sich an, als wäre es so ein klebriges Schnee-Imitat aus der Sprühdose, mit dem Fensterscheiben und künstliche Tannen auf Weihnachten getrimmt werden können oder etwas, das zielgenau per Schneekanone verrieselt wird, um weihnachtliche Stimmung zu erzeugen oder -in größeren Mengen- für Skifahr-Bedingungen zu sorgen. Es klingt sehr nach „Wasch dir die Hände, du hast Industrieschnee angefasst.“.

Ich habe aber auch erfahren, wie Industrieschnee entsteht: Bei entsprechender Wetterlage (Inversion? Infusion? Inspektion?) kuscheln sich Wasserdampf und feine Staubpartikel in nicht allzu großer Höhe zusammen. Gemeinsam (ge-)frieren sie dann zu feinkörnigem Schnee und gehen zu Boden. Ich weiß, das ist sehr laienhaft formuliert, aber ich bin ja auch kein Wetterfrosch. Ich habe nicht mal eine Leiter in meinem Weckglas.

Was mich aufhorchen ließ, war „Staubpartikel“. Seit gestern wohne ich in einer der ersten Umweltzonen dieser Republik (klingt schon fast wie Luftkurort). Das heißt: Zukünftig kann es hier keinen Industrieschnee mehr geben. Wir haben nämlich keinen Schwebeschmuddel mehr, der mit Wasserdampf rumfraternisiert, um Winterillusionen zu erzeugen. Wenn es hier also wie heute schneit, dann ist das guter echter Frau Holle-Schnee. Die Bewohner der List sind keine Schnee-Fälscher. Haben wir nicht nötig!

Was Fußball mit Ruderbooten zu tun hat

Samstag, den 17. November 2007

In der HAZ habe ich einen Text zum heutigen Länderspiel gegen Zypern gelesen, der mich etwas ins Grübeln brachte. Zu dem Bild des sportlich mit einem herzlichen “Welcome Cyprus” illuminierten neuen Rathauses war zu lesen, dass die Gäste aus Zypern dieses Gebäude samt Lichtinstallation von ihrem Hotel aus gar nicht sehen können, auch die deutsche Mannschaft kann sich aus Unterbringungsgründen nicht daran erfreuen, denn: In dem Hotel, das gegenüber dem Rathaus steht und somit echte Logenplätze bietet, ist die Delegation des DFB untergebracht.

Ich hätte es ja als nette Geste empfunden, wenn die Gäste den Willkommensgruß von ihren Zimmerfenstern aus hätten sehen können. Da sie aber in einem ebenfalls namhaften Hotel untergebracht sind, vermissen sie den Ausblick womöglich gar nicht so sonderlich.

Dann kam für mich jedoch der echte Knaller im Text: Besagtes “Gegenübervomrathaus”-Hotel hält 150(!!) Zimmer für die DFBler bereit.

Empfinde nur ich dieses Mengenverhältnis “Spielerzahl:DFB-Delegierte” als ungewöhnlich? Selbst wenn ich die Ersatzleute und Betreuer als Spieler mitrechne, kommt es mir vor, als wäre beim Rudern (um zumindest im sportlichen Bild zu bleiben) die Besetzung eines Achters mit Steuermann in einen Einer mit acht Steuermännern geändert worden.

Oder ziehen DFB-Delegierte nächtens mehrfach von einem Zimmer ins andere um und der versierte Hotelier hält deshalb immer einen Schwung freie Zimmer vor?

Als Unsportlerin fehlt mir offenbar Grundlagenwissen …

Mein Leben auf der Bohrinsel

Donnerstag, den 11. Oktober 2007

Vor einigen Wochen habe ich unter Schmerzen erfahren, dass die Wohnung über meiner renoviert wird: Als ich morgens im Badezimmer stand und meine Wimpern bepinselte, donnerte direkt über mir eine Schlagbohrmaschine los – ich zuckte zusammen und stach mir die Mascarabürste ins Auge. Für kurze Zeit habe ich im wahrsten Sinne des Wortes schwarz gesehen. Jetzt ahne ich, wo der Spruch „Wer schön sein will, muss leiden.“ herkommt. Ist vermutlich die geheime Parole der Handwerkskammer.

Seit diesem Tag bin ich Ohrenzeugin des Aufschwungs im Bauhandwerk: Ab ca. 7:30 Uhr läuft die Beschallungsmaschinerie an. Die ersten Tage mit ganz viel Rumgebohre und Abgestemme. Diese massiv destruktive Phase scheint aber mittlerweile abgeschlossen – wahrscheinlich weil bis auf die tragenden Wände alles perforiert und rausoperiert worden ist.
Entfernt wurde u.a. auch die Heizung. Was dazu führte, dass ich eine Erscheinung hatte: Ein feuchter Fleck zeigte sich an meiner Wohnzimmerdecke. Ich fürchte, er wird sich nicht zusammen mit den Handwerkern verziehen, sondern sich nur durch Pinselvoodoo vertreiben lassen.

Ich habe schon den Eindruck, als wenn die Renovierung eine leicht okkult angehauchte Veranstaltung ist. Woher z.B. wissen die Handwerker immer so genau, in welchem Zimmer ich mich gerade aufhalte?! Genau dort wird dann, eine Etage höher, rumgekraspelt.

Und fleißig wie die Profibastler sind, nutzen sie selbstverständlich auch noch den 6. Werktag der Woche zur Wohnraumverbesserung: Pünktlich um 7:30 Uhr hörte ich Samstag Kratz- und Schabegeräusche aus dem Zimmer über meinem Schlafzimmer. Als ich nach gut einer halben Stunde entnervt ins Bad zockelte, ging es dort weiter. Ich bin sicher, dass sie ihre Pause genau in der Zeit gemacht haben, die ich beim Bäcker war, denn als ich mich an den Kaffeetisch setzte, lief der „Lärmgenerator“ über meiner Küche an. Wie löblich. Wie nervig. Gegen ca. 17:30 Uhr war wohl jede Diele mit Hunderten von Nägeln an ihren Platz gebracht und mittels einer dröhnenden Schleifmaschine von Dachlattenstärke auf gängige Dielenhöhe geschrummelt worden.

Wie ich im Internet erfahren konnte, darf an allen Werktagen bis 20:00 Uhr die Umgebung akustisch teilhaben an Renovierungen – so gesehen, bin ich eigentlich noch fein weggekommen …

Hannover und das gesunde Leben

Montag, den 27. August 2007

Ich bin begeisterte Hannoveranerin – das mag vielleicht nicht immer so gefühlsgewaltig rüberkommen, aber die meisten Hannoveraner, die ich kenne, pflegen im Ausdruck ihrer Emotionen auch eher eine zurückhaltendere Art und Weise, als man sie vielleicht aus anderen Gegenden dieser Republik kennt.
Für Auswärtige und andere Nicht-Kundige: Wenn wir bei einem Konzert rhythmisch mit dem Fuß wippen, stehen wir innerlich quasi begeisternd jubelnd auf den Stühlen. Kommt noch ein angedeutetes Hüftschwingen dazu, sind wir tief in unserem Innersten der Ekstase nahe.
Auch bei umgekehrter Gefühlslage neigen wir hier nicht gleich zu vulkanartigen Gefühlausbrüchen.
Ich kann aber versichern, dass ich letzte Woche reichlich empört war: Mittwoch konnte ich in meiner Tageszeitung lesen, dass Hannover nach der Studie „Wo ist Deutschland am gesündesten“ der Zeitschrift „healthy living“ (ja, das gute alte deutsche „healthy living“) nur im Mittelfeld landet (Platz 54 in einer Reihe von 81). Das ist zwar nicht doll, aber noch kein Grund für eine ausgewachsene Empörung. Die kam erst, nachdem ich gelesen hatte, was denn zu dieser Bewertung führte. So richtig reingerissen wurden wir u.a. in den Positionen „Freizeit und Beziehungen“, „Medizinische Versorgung“ und „Umwelt, wohnen und Erholung“ – mehr als die Schulnote 5 war da nicht drin.
Und so eine miese Bewertung mag ich nicht glauben, wenn es um „meine“ Stadt geht. Von offizieller Seite wurden auch umgehend mehr als geringe Zweifel an der Aussagekraft der zugrunde liegenden Werte angemeldet.
Im Freundeskreis (auch alles eingefleischte H-Fans) wurde natürlich gegrübelt, wie es zu diesen Bewertungen kommen konnte. War es womöglich durch versehentliches Zeilen- und Spaltenhopsen zu einer Art „Kreuzbewertung“ gekommen? Wir konnten uns das Ergebnis der Studie nur so erklären.
Eine derartige Vermengung der Parameter zur medizinischen Versorgung mit bspw. denen der Grünflächenausstattung kann dann ratzfatz zu einer absoluten orthopädischen Unterversorgung in den Herrenhäuser Gärten führen. Auch die Eilenriede ist sicherlich nicht gerade ein Zentrum für zahnärztliche Behandlungen, von den geringen Fällen augenärztlicher Untersuchungen am Maschsee ganz zu schweigen.
Bei solch einer Auswertung wird es dann aber auch niemanden wundern, dass der Freizeitwert der städtischen Krankenhäuser nicht sonderlich üppig ist.

Wie so oft zeigt sich, dass an der Winston Churchill zugeschriebenen Aussage „Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe.“ doch was dran ist. Naja, muss ja nicht „gefälscht“ sein, „interpretiert“ reicht auch …
Und schon hat mich die hannöversche Gelassenheit wieder.

Vorbei mit der Mohn-otonie

Montag, den 4. Juni 2007

Ich esse von Brötchen am liebsten die Unterteile, zumindest wenn sie als halbes Brötchen erscheinen. Bei Klappbrötchen bin ich nicht so wählerisch.
Frühstücksmäßig führe ich also das Leben eines Eigenbrötlers. „Du willst wirklich das Oberteil gegen das Unterteil tauschen?“ Zusammen mit dieser Frage bekomme ich von meinen Mitfrühstückern immer einen Blick zugeworfen, als hätte ich meinen Tauschwunsch in einem Bekleidungsgeschäft vorgetragen und anscheinend beschlossen, fortan den Pullover als Hose zu tragen.
Ihr Befremden hindert Tausch-Neulinge nicht daran, mir ein dünnes Brötchen-Unterteil zu geben, um dann mein noch mit fluffiger „Brötchenseele“ gefülltes Oberteil in Empfang zu nehmen. Familie und Freunde schneiden ihre Brötchen gerechter durch! Den Anfängern muss ich auch noch erklären, weshalb ich lieber die unbemohnte, unbekürbiskernte oder sonst wie unbestreuselte untere Hälfte esse, als die üppig garnierte obere.
Es hat nichts mit der Garnitur zu tun, es ist eine Frage der Stabilität:
Unterteile liegen flach auf dem Teller, aufgestrichener Honig bleibt gleichmäßig verteilt, selbst wenn ich das Brötchen nicht umgehend einsauge. Oberteile schaukeln, sind ewig schief. Erst eiern sie beim Bestreichen rum, dann läuft alles unterhalb der Konsistenz von Leberwurst in irgendeine Ecke. Doof.
Und dann noch das Abbbeißen: Das Standardbrötchen hat ja so eine hübsche Kerbe in der Mitte. Manchmal ist sie aber so tief, dass die beiden Hälften der Hälfte (also insgesamt zwei Viertel, wenn ich richtig gerechnet habe) im Moment des Zubeißens zusammenklappen. Auch doof.
Das mir Unangenehme ist also nicht die Bestreuselung des Brötchens. DIE hätte ich auch sehr gerne. Ich verzichte lediglich aufgrund der o.g. „Konstruktionsmängel“ auf diese leckeren Zutaten. Nun haben viele Bäcker angefangen, Kerne auch in den Teig einzurühren, ich bekomme also zumindest eine verweichlichte Körner-Anmutung – leider ohne den leckeren Knusperbackgeschmack, aber immerhin. Nur: Bei meinen Lieblingsbrötchen (Mohn) macht das keiner!
Aber seit kurzem weiß ich, wo auch Sonderlinge wie ich berücksichtigt werden. Ich habe hier in Hannover eine Bäckerei (mit mehreren Filialen) entdeckt, bei der es rundum bemohnte Brötchen gibt. Hurra! Vorbei die Zeiten des Verzichts. Wenn Mohn, dann Vollmohn.

Am Tag als der Regen kam …

Montag, den 28. Mai 2007

Gestern hatte ich mich bei meiner Freundin Geli zum Kaffee eingezeckt. Diese Veranstaltungen sind immer ausgesprochen lustig. Außerdem verfügt Geli über eine hervorragende Kaffeemachmaschine – ein vollautomatisches Element, das vermutlich für Raumschiff Enterprise entwickelt wurde und Kaffee nach individuellstem Wunsche fabriziert. Und: Zum Haus gehört eine Terrasse mit Blick auf einen wunderbaren Garten, dessen Pflanzen ihre Dankbarkeit für Kost und Logis mit üppigster Blüte zum Ausdruck bringen.
Wir trugen also Geschirr nach draußen, das zu den Blüten und unserer Stimmung passte. Es folgte ein nettes Küchlein. Leckere Kekse. Farblich auf Teller und Tassen abgestimmte Servietten usw. usw.
Als wir dann endlich folgten, fing es an zu tröpfeln. Wir ließen uns nicht vertreiben, sondern rutschten dichter unter den Sonnenschirm, der – obwohl “berufsfremd” – eine Weile das Wasser von uns fernhielt. Letztlich gaben wir uns dann doch geschlagen und beförderten alles ins Haus. Gerade noch rechtzeitig vor dem Wolkenbruch.
Wir haben trotzdem fröhlich kaffeegeklatscht. Nur der Ausblick war etwas getrübt. Deshalb hier ein paar Anmutungen, wie der Garten in ungeflutetem Zustand aussieht.

gelis_garten_2007.jpg