Straßenstudien … (Teil 1)
Mittwoch, den 23. Mai 2007Ich gestehe, ich begucke gern meine Mitwelt. Teile meiner Mitwelt haben allerdings ein Verhalten, das mir das Gucken richtig verleidet, mich aber auch ins Grübeln bringt: Jugendliche, vorrangig männlichen Geschlechts, und ihre Rumspuckerei.
Da haben sich ihre Eltern sehr bemüht, ihnen dieses Verhalten während ihrer Kleinkindzeit abzugewöhnen – kaum dürfen die Jungs unbeaufsichtigt auf die Straße, geht es wieder los. Alle paar Meter klatscht da eine Ladung Spucke auf Fußweg, Bahnsteig usw. – Ekeligst.
Und vor allen Dingen: Weshalb wird so rumgesabbert?
Ich habe da zwei Theorien entwickelt:
1. In den letzten Jahren hat sich durch derzeit noch ungeklärte Veränderungen der Umweltbedingungen die Zusammensetzung der Spucke von Pubertierenden verändert und hat sie hoch giftig gemacht. Um das Erwachsenenalter zu erreichen und nicht vorzeitig dahingerafft zu werden, müssen sie sich von dem Zeug trennen.
2. Es ist eine Art der Reviermarkierung. Beinchenheben wird zwar bei Hunden geduldet, wenn Menschen diese „Ich war hier“-Kennzeichnung wählen, ruft es Abscheu hervor und die Polizei herbei. Daher hat sich die abgeschwächte Form entwickelt, bei der man ohne größeres Derangieren des Beinkleides seine Anwesenheit auf dem Gelände mitteilt.
Aber egal aus welchem Grund – es ist hochgradig widerlich und ich wünsche mir in solchen Situationen den magischen Blick, mit dem ich das Zeug dem Spucker ins Gesicht zurückklatschen kann. Batsch!
Ich weiß, wir Norddeutschen sind nun nicht gerade mit dem sprichwörtlichen rheinischen Frohsinn gesegnet, aber dass hier kollektive Schluchzveranstaltungen abgehalten werden, hat mich doch überrascht. Und betroffen gemacht. Und fast zu Tränen gerührt. Aber eben auch nur fast.
Gestern Abend war Hannover samt Himmel rosa aquarelliert: