Archiv der Kategorie ‘Werbung‘

Angriff der Zuckerstreuselbakterien

Mittwoch, den 16. Februar 2011

Ich habe kürzlich einen Werbespot gesehen, in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich auf meinem Weg durch den Tag reichlich Bakterien einsammele, welche zusammen mit fremd-angeschleppten Genossen auf meinem Seifenspender ein hygienisch vermutlich bedenkliches fröhliches Stelldichein feiern.

Um mich von der Dramatik zu überzeugen, wurde zum Stilmittel der Illustration gegriffen. So saßen also gefährliche rote Zuckerstreusel in vermutlich nicht minder gefährlichem gritzegrünem Pamp auf dem Drückerknopf eines Seifenspenders – lauernd auf ihr Opfer: den ahnungslosen Drücker dieses heimgesuchten Knopfes.

Diesem inakzeptablen bunten Treiben soll man Einhalt gebieten, indem man einen berührungslosen Seifenspender verwendet. Einfach mit dem Händchen vor dem Sensor rumwedeln, schon wird ein kleiner Blotsch Seife abgesondert und nach dem Händewaschen gurgelt die keimige Last in den Abfluss.

Ich frage mich die ganze Zeit: Welche Gefahr geht von auf dem Knopf sitzenden Bakterien für mich aus? Ich drücke ihn schließlich vor dem Händewaschen, spüle aufgenommene Knopf- + Eigenkeime also weg.

Meiner Meinung bräuchte es weniger sensorgesteuerte Seifenspender auf dem Familientöpfchen, als vielmehr sensorgesteuerte Türen an hochfrequentierten, öffentlichen Örtchen: Für nachlässige Wischi-Waschi-Typen öffnet sich das Türchen nicht! Das wäre mal ein echter Hygienebeitrag.

Ich kam, saß und hatte Spaß

Sonntag, den 30. Mai 2010

Ich war in der letzten Woche mehrmals mit der Deutschen Bahn unterwegs und hatte – wie schon so oft, was aber von anderen immer angezweifelt wird – Spaß während der Fahrten. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass ich mein Vergnügen in relativ schlichten Begleiterscheinungen finde (nein, dreckige Waggonböden mit klebstoffähnlicher Haftkraft, Mobilfon-Nutzer/innen, deren Lautstärke jeden Fischmarktverkäufer vor Neid erblassen lässt u.ä. zählen nicht dazu).
Die jüngste Freude meinerseits bescherte die Rückenlehne des Sitzes vor mir, denn sie hatte mich gleich ganz fröhlich „angelächelt“:

Und wenn man an der „Sitznase“ dreht, hält die Lehne einem sogar hilfsbereit ein Tablett entgegen.
Das nenne ich mal eine auch aus PR-Sicht durchdachte Innenausstattung: Wer mag da trotz reichlich aufgesammelter Verspätung noch garstig werden, wenn einem während der gesamten Fahrt so ein freundliches Möbel gegenübersteht?

Auch die Plakat-Aktion „Gutes Essen, böses Essen?“ zu zwei neuen Spezial-Beilagen der ZEIT über die richtige Ernährung hat mich begeistert – vornehmlich weil ich sie im Hauptbahnhof von Essen entdeckte. Direkt neben dem Bahnhofsschild „Essen“ …

Im Zuge der „Ruhr.2010 – Kulturhauptstadt Europas“ gehe ich natürlich davon aus, dass es sich zumindest innerhalb der Stadtgrenzen nur um „Gutes Essen“ handeln kann. Alles andere wäre doch wenig werbewirksam.

Aber nicht heute …

Samstag, den 24. April 2010

Als ich vor einiger Zeit Geburtstag hatte, bekam ich von einer Parfümerie meines Vertrauens folgenden Hinweis per E-Mail:

Unglaublich, da fühlte ich mich frisch und fröhlich, war bereit meine Gäste zu begrüßen und dann das. Lebte ich mit einem verzerrten Selbstbild und war womöglich kurz davor, meinen Gästen scheckig pigmentiert wie das Pferd von Little Joe (nur eben nicht so kuschelig) gegenüberzutreten? Es klingelte – zu spät, noch einen Rückzieher zu machen.

Bei meinen Gästen sorgte die Geschichte für ausgelassene Heiterkeit. Beteuerungen wie “Na, sooo schlimm ist es nun doch noch(!) nicht.” oder gar “Ach, wir werden ja auch älter und dann lässt die Sehkraft nach.” waren zwar nicht ganz das, was ich hören wollte, aber letztlich siegte auch bei mir der Sinn für Situationskomik. Trotzdem: Ausgerechnet zum Geburtstag so eine Mail.

Die Glückwünsche und Mails aus dem Kreise der Lieben waren übrigens wesentlich schöner. Vielen Dank! Ich denke, besagte Parfümerie, die um meinen genauen Geburtstag weiß, könnte vielleicht einen Sensibilitätsfilter beim Mailversand einbauen.

Obskures aus der Kamera (Teil 1)

Sonntag, den 1. Februar 2009

Es ist schon erstaunlich, was sich so alles auf der Speicherkarte meiner Kamera findet. Immer wenn ich etwas für mich Merk-würdiges entdecke, zücke ich die Kamera und kellere es in Pixelform in der Tiefe des Kartenspeichers ein. Voraussetzung ist natürlich, dass ich die Kamera dabei habe – daran scheitert mein toller Plan der schnellen Aufnahme leider häufig. Ich habe tatsächlich schon in Erwägung gezogen, mir ein Handy mit Kamera zuzulegen. Aber ich liebe meinen alten Hör-/Sprechknochen zu sehr, als dass ich ernsthaft über eine Trennung nachdenke.

Nach und nach werde ich jetzt die Ergebnisse meiner optischen Beutezüge verbloggen.

Rotlichtbezirk …Auf diesem Bild aus der Vorweihnachtszeit ist die Ernst-August-Galerie am hannoverschen Bahnhof zu sehen. Während ich auf den Überweg zumarschierte, hatte ich Probleme, das rote Ampelmännchen zu entdecken. Es musste aber noch irgendwo sein, da die Fußgänger mit Blickrichtung Hauptbahnhof an der Ampel warteten. Aus meiner Sicht überstrahlte die rote Beschriftung in Kombination mit roten Deko/Werbung das kleine Männchen völlig. Ich habe mich gefragt, ob an der Kreuzung die Unfallrate mit Passanten gestiegen ist, seit der Eröffnung dieses Einkaufstempels?!

Und hier noch Auflösung des Suchbildes: Das rote Männchen steht im grünen Kreis. Leider ist der Kreis als Orientierungshilfe nur auf diesem Bild und nicht live an der Ampel …

Zum einen Ohr rein …

Montag, den 10. November 2008

Ich entwickele mich langsam zum “Verhör-Spezialisten”:
Vor ein paar Tagen lief in meinem Fernseher der Trailer zu einer Serie. Natürlich wurde diese Serie auch besungen. Der Refrain lautete in meinen Ohren “(dideldidel) … dann kam die Sahne … (dideldi usw.)”. Schwupps, schon war ausgesungen und ich saß ratlos vor dem TV-Apparat.
Dieser Text machte ja irgendwie gar keinen Sinn, es sei denn, der Trailer wäre für eine Sendung wie “Abgeschöpft” (Themen aus der Wirtschaft) oder “Rührselig” (neue Fernsehköcheleien).
Ich nahm mir vor, die nächste Werbeeinblendung aufmerksamer zu verfolgen. Wie nicht anders zu erwarten, verging nicht viel Zeit mit Filmware und es wurde wieder eigenwerblich gesungen. Da ich diesmal angestrengter hinhörte und auch zuschaute, erschloss sich mir der tatsächliche Wortlaut “… dann kam die Sonne …”. Aha, das machte inhaltlich durchaus mehr Sinn.

Habe ich einen Knick im Gehörgang oder ist ein “O” womöglich schwieriger zu singen als ein “A”?
Bislang habe ich noch kein derartiges Hörproblem bei mir feststellen können. Sowohl das köstliche “ottos mops trotzt” (bis er kotzt) von Ernst Jandl als das nicht minder begeisternde “Otto holt große rote Rosen” von Loriot gingen problemlos durch bis zum Hirn – wo dann große Begeisterung in der Sprachregion, Abteilung Humor, erzeugt wurde.

Letztlich habe ich jedoch festgestellt, dass ich nicht zur Zielgruppe der Fernsehserie zähle (puuhh, da bin ich schon froh), was also den Kontakt mit meinem “Verhörkandidaten” auf zufällige Werbebeschallung beschränkt. Sorgen um mein Hör(un)vermögen wurden damit erstmal vertagt.

Kennen Sie sich hier aus?

Sonntag, den 6. Juli 2008

Kürzlich bekam ich eine Information des Bundesverbandes Druck und Medien e.V. (bvdm) anlässlich einer Veranstaltung in Berlin zu sehen. Um auswärtigen Besuchern das Auffinden des Veranstaltungsortes zu erleichtern, war ein übersichtlicher Lageplan erstellt worden.

Anscheinend war dieser Plan aber auch von einem besonders auswärtigen Gestalter kreiert worden. Schon bei oberflächlicher Betrachtung fielen mir Straßennamen auf, die ich so nicht in Berlin lokalisiert hätte – allen voran: „Potzdamer Platz“. Von keiner Korrekturlesung erwischt, hat es dieser Fehler geschafft, bis ins Ziel zu kommen. Potztausend!

Dann entdeckte ich jedoch, dass es ein großes Teilnehmerfeld war, dem dieses Kunststück ebenfalls gelungen war: Das Reichstagsgebäude befindet sich nach diesem Lageplan an der „Schneidemannstraße“ statt an der „Scheidemannstraße“, der „Staufenbergstraße“ ist das zweite „f“ abhanden gekommen, die „Schillstraße“ ist kurzerhand zur „Schillerstraße“ ausgebaut worden (dabei schillert es doch schon reichlich auf Straßenschildern in anderen Berliner Stadtteilen) und die namentlich profane „Entlastungsstraße“ heißt, je nachdem wo man sich auf ihr befindet, schon seit einigen Jahren „Ben-Gurion-Straße“ und „Yitzhak-Rabin-Straße“ – nur eben nicht auf diesem Plan. Ortskundige werden vermutlich noch mehr „lokale Spezialitäten“ entdecken – wer also sportlichen Fehlerfinde-Ehrgeiz verspürt, bitte hier entlang: „Die Klimainitiative der deutschen Druckindustrie“.

Wie bereits mehrfach erwähnt, weiß ich, dass einem selbst bei sorgfältigstem Korrekturlesen schnell etwas durch die Lappen gehen kann, aber diese Fehlerquote bei relativ begrenztem Terrain und übersichtlicher Textmenge ist dann doch erstaunlich.

Irgendwie erinnert das Ganze an die beliebten Suchbilder für Kinder: „Findest du die im linken Bild versteckten 10 Fehler?“

Hoffentlich haben trotz der etwas erschwerten Bedingungen alle Gäste den Veranstaltungsort gefunden und gondeln nicht noch immer durch Berlin …

Ich sehe was, was du nicht siehst …

Dienstag, den 24. Juni 2008

Zu den Eigentümlichkeiten meines virtuellen Lebens gehören “Suchbegriffe” – egal, ob im Internet im Allgemeinen und auf Anbieterseiten im Speziellen. Meine Vorstellungen sind eher von der Alltagstauglichkeit geprägt – ich gebe Begriff ein, Anbieter macht Vorschläge. Im Großen und Ganzen funktioniert das auch zu meiner Zufriedenheit. Kürzlich machte ich aber mal wieder eine Erfahrung, die in mir die Vermutung reifen ließ, dass Suchbegriffe und Schlagworte nach dem Zufallsprinzip und nicht nach dem tatsächlichen Angebot vergeben werden.

Wer suchet …

Auf der Seite eines Kaufhauses gab ich “Whiteboardmarker” ein (wohlwissend, dass derartige Ware im physischen Haus auch feilgeboten wird). Das Internet kam mit zwei Produktempfehlungen: 1. Ein Roller (auch Kickboard genannt) und 2. ein Skateboard (mit gruselgrünem Motiv). Beide Artikel in ihrer Range sicherlich sehr tauglich, aber irgendwie nicht annähernd für den Zweck geeignet, zu dem ich die Marker haben wollte.

Der kaufhäusliche Findefuchs ist nicht einmal halbwegs in die richtige Richtung gegangen. Es hätten ja wenigstens “Faserschreiber” oder “Schreibwaren” aufgezählt werden können. Nein, der kleinste gemeinsame Nenner “board” führte schon zu großem “Hallo, da haben wir etwas ganz Tolles für Sie”. Offenbar reichte die orthografische Übereinstimmung aus,  Sinn und Verstand waren mal wieder nicht gefragt.

Vielleicht ist das Vergeben von Suchbegriffen aber auch so eine oberlangweilige Tätigkeit, dass diejenigen, die dazu verdonnert werden (gibt es etwa auch Freiwillige?!), aus ihrem Selbsterhaltungstrieb einfach nur einen ganz skurrilen Humor entwickelt haben … Ich sollte meine Suchen und die daraus folgenden “Ausgrabungen” unter diesem Gesichtspunkt betrachten genießen.

Am Rande bemerkt …

Donnerstag, den 22. Mai 2008

Es war mal wieder so weit: Bügelzeit. Eine meiner ungeliebtesten Hausarbeiten. Um mich vom Elend der zu planierenden Vielfältigkeit abzulenken, schalte ich immer den Fernseher ein. Ich könnte eher ohne Bügeleisen bügeln als ohne Fernseher!

So kam ich in den Genuss (hm, naja) eines Werbespots zu “Germany’s next Topmodel”. Mehr so aus den Augenwinkeln heraus, da ich keine Querfalten ins Shirt plätten wollte, las ich: “Topfmodel”.

Stutz, guck genauer hin – nein, das stand natürlich nicht da. Aber durch die zwischen die Buchstaben “Top” und “model” gequetschte Frauensilhouette las sich das Ganze wie “Topfmodel”. Dieser Fall von Verlesung hob meine tiefpünktliche Stimmung gewaltig.

Habe dann aber doch lieber unter Einsatz einer DVD-Konserve gebügelt. “Die Herbstzeitlosen” – ein Film aus der Schweiz, in der Schweiz spielend und wirklich sehenswert (wegen des Dialektes auch hörenswert). Und: Im weiteren Sinne wird auch hier gemodelt. Nich nur das ein oder andere Leben wird “umgemodelt” …

Qual der Wahl …

Montag, den 21. Januar 2008

In Niedersachsen ist es am 27. Januar wieder so weit – es darf landtäglich gewählt werden. Das heißt, vor einigen Wochen wurden Wahlplakate in geradezu inflationärer Menge über der Stadt verstreut: Große, kleine, mit Menschen, mit-ohne Menschen. Bei einem Spaziergang fiel mir ein Plakat der Kategorie „mit-ohne Menschen“ besonders auf. Mit diesem berühmten Effekt „was ich gerade gelesen habe, steht so nicht da“ brachte es mich zum Stocken und Stehenbleiben. Da stand tatsächlich geschrieben:
Aus unseren Kindern
soll was werden:
Kostenlose Schulbücher,

Ich kenne das Bibel-Zitat „Schwerter zu Pflugscharen“ (gut, ich kenne es nicht aus der Bibel, das spielt hier aber keine Rolle), nur dass aus Kindern kostenlose Schulbücher werden sollen, das fand ich doch mehr als befremdlich. Auch die beiden Folgeargumente „Ganztagsschulen ausbauen, 100% guter Unterricht“ können m.E. die Startpanne nicht wettmachen. Irgendwie vermasselt.

Zugegebenermaßen bin auch ich durchaus eine Anhängerin von Zwei-Wort-Sätzen und anderen kurzen Formulierungen (man mag es kaum glauben, bei meinen Blog-Abhandlungen, ist aber so). Aber das Ganze muss schon einen Sinn ergeben. Keinen unfreiwillig komischen Unsinn. Besonders dann nicht, wenn die Aussage als Plakat wochenlang in zigfacher Ausführung als Stadttapete zu sehen ist.
Auf dem Plakat ist auch noch genug Platz, um das Wörtchen „deshalb“ hinter „Aus unseren Kindern soll was werden“ unterzubringen. Weshalb also so sinnbefreit/sinnentstellt?

Von der Irritation, die derartige Formulierungen beim Wähler hinterlassen mal ganz abgesehen, mit so einem Plakat kann man schnell als Zwiebelfisch bei Bastian Sick landen …

(Unter uns: Ich bin immer froh, wenn ich sagen kann „Puuuh, das hast du nicht verzapft.“ Im Eifer des Tagesgeschäfts kann einem schnell ein Fehlgriff (buchstäblich!) passieren. Da ist es hilfreich, wenn eine kritische Seele die Sachen liest, bevor sie in den Druck gehen.)

Vom Kinderspiel zum Automobil

Freitag, den 12. Oktober 2007

Kürzlich fühlte ich mich an meine Kinderzeit erinnert:
Damals gab es Bilderbücher, mit denen man “neue” Tiere kreieren konnte. Der Trick bestand darin, dass alle Buchseiten waagerecht in der Mitte geteilt waren. Die Tiere waren so gezeichnet, dass sie an der Schnittstelle dieselbe Breite hatten. So konnte man schöpferisch tätig werden und bspw. an ein gelb-braunes Giraffenoberteil ein graues Elefantenunterteil blättern. Fertig war der “Gira-fant”.

Naturwissenschaftlich interessierte Kinder haben nach intensiver Lektüre vermutlich früh verkündet, Evolutionsforscher o.ä. werden zu wollen. Andere kleine Menschen haben -unabhängig von ihrem Büchlein- beschlossen, Namenserfinder für Autos zu werden. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist der “TIGUAN” (anscheinend hat das Buch Spätwirkungen).

Ich hatte nur den Namen auf dem Titel der Autozeitung eines Freundes gelesen und blätterte voller Vorfreude zum bebilderten Artikel. Was für eine unglaubliche Enttäuschung … Das Modell hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit einer Kreuzung aus “Tiger” und “Leguan”.

Auch in der Farbgestaltung wurde meine kindheitsgeprägte Erwartungshaltung nicht befriedigt. Nicht einmal annähernd. Oder gibt es die Auskleidung des Kofferraums mit Teppich im Tigerstreifen-Dessin (konnte man auf dem Bild leider nicht sehen)?!

Und versucht mir jetzt nicht unterzujubeln, dass der Tiger in den Tank gepackt wurde … Wo ist denn bitte der Leguan geblieben?