Archiv der Kategorie ‘Werbung‘

Leinen los …

Sonntag, den 15. Juli 2007

Bügel-Enthusiasten und Menschen, deren Kleidung fremdgeglättet wird (die Glücklichen!), greifen ohne Bedenken ganzjährig zum Leinenstöffchen, alle anderen meist nur in der warmen Jahreszeit, wenn man gern etwas Kühles auf der Haut hat.
Denn: Leinen lässt sich nur unter massivem Körpereinsatz faltenfrei bekommen. Und kaum hat man das mühsamst planierte Kleidungsstück angezogen, sieht das undankbare Teil aus, als hätte es sein Lebtag noch nie unter einem Bügeleisen gelegen!
Dann kommt von irgendjemandem der unvermeidliche und auch nicht wirklich tröstende Satz, der für mich aber DAS Beispiel für erstklassiges Marketing ist: „Leinen knittert edel.“
Wem auch immer dieser Spruch zuerst in den Sinn und dann über die Lippen kam, sie/er hat es geschafft, denn mit diesem Satz wird einem ein absoluter Produktnachteil auch noch als besonderes Qualitätsmerkmal verkauft!
Verblüffend. Noch verblüffender finde ich aber das beifällige Nicken sogar von Leuten, die sonst unter die Rubrik „kritische Konsumenten, nicht veräppelbar“ fallen.
Das muss man erstmal toppen …

Un-Limette-d Edition

Montag, den 11. Juni 2007

LimetteWas ist klein und grün? Nein, es ist kein Frosch. ES ist die Limette.
Sie ist für mich derzeit das augenfälligste Beispiel für Alltagsdurchdringung:
Sie steht mit mir unter der Dusche, schäumt in meinen Haaren und duftet als Körperspray an mir herum. Zum Frühstück gibt es Toastbrot mit Marmelade (natürlich mit Limettenstückchen). Als kleinen Snack am Vormittag esse ich einen Joghurt mit … Limette.
In Form von Schokolade mit Limettenfüllung schleicht sie sich als Süßware in meinen Einkaufskorb. Für Schokoladenabstinente hat sie es sich bereits im Eis bequem gemacht.
Und am Abend hat sie ihren ganz großen Auftritt als zentraler Bestandteil einer Caipirinha. Das nenne ich ein eifriges Früchtchen.
Die Zitrone hat Jahre gebraucht, um sich aus dem Putzschrank in den Kühlschrank vorzuarbeiten. Und unter die Dusche, an unseren Körper hat sie es nie richtig geschafft. Zu sehr ist der Gedanke an sie mit ihren Leistungen als putzteuflisches Helferlein verknüpft.
Die Limette hat ihren Einstieg ins Show-Business anders angefangen: Sie kam luxuriös als Praliné vorgefahren. Das wertet ihre neuen „Kleider“, so profan sie auch sein mögen, auf. Sie kann es sich sogar leisten, im Geschirrspülmittel aufzutreten.
Die Zitrone ist das Arbeitstier, sie regiert in Haushaltsreiniger, WC-Reiniger, Scheuermilch usw. – das führt dazu, dass ihren neuen Produkten irgendwie das Außergewöhnliche, die Exklusivität fehlt. Sie wird es wohl nie bis ganz nach oben schaffen.
Ich bin gespannt, wie lange die Limette sich noch an der Spitze hält und in welchen Neuheiten sie aufwartet. Aber irgendwann wird sie wohl völlig ausgequetscht sein, während uns die Zitrone als treue Seele erhalten bleibt.

Gruppentherapie?

Dienstag, den 15. Mai 2007

In einem Prospekt einer großen Handelskette fand ich ein Angebot, das mich stutzen ließ: „Große Weinaktion.“

Gruppentherapie Ich weiß, wir Norddeutschen sind nun nicht gerade mit dem sprichwörtlichen rheinischen Frohsinn gesegnet, aber dass hier kollektive Schluchzveranstaltungen abgehalten werden, hat mich doch überrascht. Und betroffen gemacht. Und fast zu Tränen gerührt. Aber eben auch nur fast.
Ausgerechnet jetzt, nach Wochen schönsten Wetters, sind wir hier oben so fertig mit der Welt, dass man uns ein halbes Dutzend Flenntermine anbietet: „5 kaufen, 1 gratis!“?! Das mag ich ja gar nicht glauben.
Wenn es im Februar gewesen wäre oder im November, den klassischen Melancholiemonaten. Da hätte ich noch nachvollziehen können, dass man mal einen neuen „Saisonartikel“ ins Programm nimmt. Aber im Mai?
Außerdem finde ich die Aktion dann doch nicht konsequent zu Ende geführt: Im ganzen Prospekt habe ich kein Angebot für Jammerlappen gefunden, mit denen man die Ergebnisse halbdutzendfacher Heulveranstaltungen eindämmen kann.
Das gibt Punktabzug (bzw. im Falle dieser Handelskette ,-abzug).