Etikettenschwindel: Weniger ist mehr?!
Donnerstag, den 31. Mai 2007Wenn ich in meinen Kleiderschrank gucke, treffe ich auf herrlich schlabberige T-Shirts mit dem Größenschild „M“, „L“ oder gar „XL“. Sie haben teilweise vor mehr als 10 Jahren ihren Dienst bei mir angetreten und sich im Laufe der Zeit auf die verantwortungsvolle Position „Schlafshirt“ vorgearbeitet. Sie haben eine tolle Qualität: Man kann sie, so einem danach ist, bis über die Knie zerren und ausbeulen. Spätestens nach der nächsten Wäsche ist alles wieder gut. Und wenn ihre Bettkarriere dann doch irgendwann dem Ende zugeht, sind sie prima zum Putzen (da fusselt nix mehr) oder Schuhe wienern. Wer bleibt denn heute noch in seinem angestammten Job?
In meinem Schrank halten sich aber auch ein paar Oberbekleidungs-Jünglinge auf, mit denen ich sicherlich kein großartiges Vertrauensverhältnis aufbauen werde/kann. Was aber nicht ihre Schuld ist, sondern die der Modewelt und der Bekleidungshersteller. Derzeit ist ja das freundlich umschreibende „figurnah“ modern: Fippsig kleine Hemdchen schnüren Normalwüchsige unter der Achsel ein und ermöglichen völlig unkritisch jedem Bauch einen Blick in die Welt. Okay, bei einigen Bäuchen muss man sagen, dass die Fähnchen die Freilegung gar nicht verhindern könnten – irgendwann ist auch die größte Flexibilität an ihrem Ende angelangt.
Das Absurde an diesen Winz-Shirts ist aber, dass auch hier die Größenschilder „L“ und „XL“ lauten! Glauben die wirklich, mich täuschen zu können? Ich erkenne eine Kindergröße, wenn ich sie sehe. Zuerst dachte ich, wenn ich so ein Ding ins Wasser schmeiße, plöppt es zu voller Größe auf wie diese tollen Schwämme. Nee, nix passierte!
Die kleinen Biester werden garantiert keine Zweitkarriere in meinem Bett starten können – da hätte ich sie morgens dann wahrscheinlich als Kragen um den Hals. Und zum Putzen taugen sie auch nicht. Mit einem richtigen T-Shirt schaffte man mehrere Fenster, mit so einer Miniaturausführung kann ich höchstens meinen Türspion und meine Brillengläser putzen.
Mein Fazit: Auch mit Klamotten geht es mir wie mit vielen anderen Dingen des täglichen Bedarfs – trotz vollmundiger Bezeichnung bekomme ich weniger. Immer kleinere Teilchen mit immer größeren Konfektionsangaben. Gestern noch Kindergröße 164, sind sie heute Damengröße „L“. Inflation in Strick. Der einzige Vorteil ist, dass ich schneller mit dem Bügeln fertig bin. Die Shirts verschwinden ja fast unter meinem Bügeleisen.
Hier im Blog aber geht es ausschließlich um den Lesefluss. Unglücklicherweise ist dieser sehr schnell mit den verzwackelten Jungs-Mädels-Kombinationen aufzustauen. Allein den Artikel „G8 entspannt gem8“ hätte ich locker um mehrere Zeilen verlängern können durch Staatsdiener / Staatsdienerinnen, Polizisten / Polizistinnen, Gefängnisausstatter / Gefängnisausstatterin usw. usw. Damit wäre zwar der sprachlichen Gleichberechtigung genüge getan, aber der Lesefluss würde nur noch mühsam von einer Staustufe zur nächsten plätschern.
Ich habe es gut, denn ich habe eine Familie und Freundinnen/Freunde, die neben absoluter Zuverlässigkeit, Toleranz und zig anderen tollen Eigenschaften (nu is genug gebauchpinselt) unglaublich viel Humor unterschiedlichster Ausprägung haben. Der meiner Freundin 
