Monatsarchiv für Mai 2007

Demokratie im Wandel der Zeit

Donnerstag, den 17. Mai 2007

Dank einer von mir gern gelesenen hiesigen Tageszeitung habe ich eine konkretere Vorstellung von der Art und Weise, wie in der Berliner Koalition Entscheidungen getroffen werden.
Die Überschrift „Half Beck? Half Stoiber? Der Erfolg hat viele Väter“ zum Artikel über den Streit um die Kleinkinderbetreuung war für mich beim ersten Lesen etwas kryptisch. Einem „Halb Beck? Halb Stoiber? …“ hätte ich problemlos folgen können, aber so hatte ich nur eine größere Ansammlung von Fragezeichen über meinem Kopf.
Handelte es sich um einen Versuch, uns Hannoveranern Englischunterricht zu geben? Ganz raffiniert durch zartestes Einstreuen englischer Sprachkrümel?! Nun sind wir ja durch die alljährlichen Messen (nee, nicht die kirchlichen, um die diversen Ausstellungen geht es) sprachlich eigentlich über dieses Anfängerstadium (tausche „b“ gegen „f“) bereits hinweg.
Wo ist also der Trick? Ein Redakteur denkt sich doch was dabei … Und siehe da, langsam ging mir ein Licht auf: „Half Beck“ ist klanglich der Position „Halfback“ im American Football auf den Fersen. Jetzt ist’s mir klar. Wehe, der Autor hat etwas anderes gemeint. Ich habe mir so schön einen Sinn zurecht gebastelt.
Die Beschlussfassung in Berlin erfolgt also im Stile des American Footballs. Very sporty! Nach meinen frisch erworbenen Kenntnissen über diese Sportart hätte ich Herrn Beck eher als „Full Beck“ bezeichnet (rein politisch natürlich!). Der Fullback ist noch eine Nummer kräftiger als der Halfback, welcher auch schon kein Hänfling ist, allerdings noch vom Fullback getoppt wird.
Aber mit „Full Beck“ hätte es eben kein so nettes Wortspiel gegeben – schließlich musste ja auch Herr Stoiber noch mit untergebracht werden. In der Überschrift.

Gruppentherapie?

Dienstag, den 15. Mai 2007

In einem Prospekt einer großen Handelskette fand ich ein Angebot, das mich stutzen ließ: „Große Weinaktion.“

Gruppentherapie Ich weiß, wir Norddeutschen sind nun nicht gerade mit dem sprichwörtlichen rheinischen Frohsinn gesegnet, aber dass hier kollektive Schluchzveranstaltungen abgehalten werden, hat mich doch überrascht. Und betroffen gemacht. Und fast zu Tränen gerührt. Aber eben auch nur fast.
Ausgerechnet jetzt, nach Wochen schönsten Wetters, sind wir hier oben so fertig mit der Welt, dass man uns ein halbes Dutzend Flenntermine anbietet: „5 kaufen, 1 gratis!“?! Das mag ich ja gar nicht glauben.
Wenn es im Februar gewesen wäre oder im November, den klassischen Melancholiemonaten. Da hätte ich noch nachvollziehen können, dass man mal einen neuen „Saisonartikel“ ins Programm nimmt. Aber im Mai?
Außerdem finde ich die Aktion dann doch nicht konsequent zu Ende geführt: Im ganzen Prospekt habe ich kein Angebot für Jammerlappen gefunden, mit denen man die Ergebnisse halbdutzendfacher Heulveranstaltungen eindämmen kann.
Das gibt Punktabzug (bzw. im Falle dieser Handelskette ,-abzug).

Ganz ohne rosa Brille

Dienstag, den 15. Mai 2007

Rosa_Brille Gestern Abend war Hannover samt Himmel rosa aquarelliert:
Dank großzügiger Bewässerung und einem kitschpostkartenmäßigen Sonnenuntergang sah sogar ein eher unspektakulärer Innenhof nach Urlaub aus.

Sendungsbewusstsein …

Montag, den 14. Mai 2007

Eben hatte es geklingelt und in Erwartung der Paketpost öffnete ich die Tür: Draußen standen zwei Frauen. Nein, natürlich hat mir niemand zwei ältere Damen zugeschickt – es waren Zeugen Jehovas. In meiner Wohngegend kommen sie häufiger rum. Ob das jetzt für oder gegen den hiesigen Seelenzustand spricht, wage ich nicht zu sagen. Ich bin, was die Zugehörigkeit zu organisierten Glaubensgemeinschaften angeht, ein hoffnungsloser Fall: Ohne mich.
Dank meiner Erziehung bin ich der Meinung, dass “Glaube” (allein in diesem Wort schwingt für mich sehr viel Freiwilligkeit mit!) keinem Gruppenzwang unterliegt, sondern wunderbar auch vom Einzelnen betrieben werden kann und zwar genau in der Ausrichtung und Intensität wie es ihm gefällt. Nur weil Kirchen und entsprechende Einrichtungen eine höhere “Antenne” haben, ist dort m.E. der Kontakt zum Himmlischen nicht zwangsläufig besser als vom stillen Kämmerlein aus. Diese Einstellung führt dazu, dass ich vermeintlich “göttlichem” Bodenpersonal jeglicher Couleur und seinem Missionarsdrang erstmal verhalten gegenüberstehe.
Bei den Zeugen Jehovas bin ich jedoch immer wieder erstaunt, wie hervorragend sie geschult sind. So nett, höflich, durchaus auch mit Humor ausgestattet und sehr geschickt in der Gesprächsführung – ich bin jedes Mal wieder beeindruckt. Was nichts daran ändert, dass sie bei mir immer unverrichteter Dinge weiterziehen müssen (heute war ich auch noch sehr kurz angebunden, da ich etwas unter Zeitdruck stand). Derart qualifiziertes Personal bei Zeitschriftenwerbern – es würde kaum noch ein Heft im freien Handel verkauft, während sich die Verlage vor Abos kaum retten könnten.