Monatsarchiv für Dezember 2007

„Dosenfutter“ auf Gourmet-Art

Donnerstag, den 20. Dezember 2007

Letzte Woche rief mich eine Freundin an, um mir mitzuteilen, dass Jamie Oliver (ja, der begnadete und witzige Koch aus England) in einer Fernsehshow kocht, die normalerweise nicht auf meinem TV-Speiseplan steht.

Mit einem Jamie Oliver als Gast, änderte sich das natürlich schlagartig: Ich schaltete den Fernseher ein und hockte mich erwartungsvoll aufs Sofa. Was soll ich sagen/schreiben – ich wurde mal wieder total überrascht. Der Meister des unkonventionellen Kochens hat erneut einen echten „Oliver’s Twist“ vorgeführt.

Unter Verwendung einer blechernen Keksdose (den Deckel mit einigen Löchern versehen), verschiedener Kräuter, einer guten Handvoll Sägespäne und einem Stück Alufolie baute J.O. einen Kleinsträucherofen (um diesbezügliche Rückfragen zu vermeiden, das heißt Kleinst-Räucherofen und nicht Klein-Sträucherofen!), der auf einem ganz normalen Herd funktioniert: Dosenboden mit Kräutern (Rosmarin usw.) und Sägespänen bedecken, Alufolie drauflegen und darauf einfach ein paar ausgesucht schöne Stücke Lachs legen. Fertig.

In seiner heimischen Küche gibt Herr O. im wahrsten Sinne des Wortes Gas. In Deutschland stehen die Brandschutzbestimmungen der Verwendung von Gas in Studioküchen wohl entgegen. Dort bereitet man den Menüs per Induktionsherd einen heißen Abend. Das erforderte für die Lachsräucherei etwas veränderte Zubereitungszeit, klappte aber auch.

Die anderen anwesenden Köche/Köchinnen waren zum einen von der eher campingmäßigen Zubereitungsart und zum anderen von dem wohl doch leckeren Geschmack des Ganzen geradezu verblüfft. Man gratulierte sich gegenseitig zu den gelungenen Ergebnissen – schließlich waren die anderen ja nicht nur zum Probieren da, die mussten auch selbst etwas brutzeln. Das ebenfalls beköstigte Publikum war auch begeistert.

Ich denke, dass ich diese Art der Lachszubereitung unbedingt auch mal ausprobieren werde. 1. liebe ich warmen geräucherten Fisch, 2. freue ich mich, wenn Dinge außer ihrem eigentlichen Nutzen (in diesem Falle Keks-/Konfektaufbewahrung) noch wunderbare Zusatznutzen haben und 3. – last not least – wie es im Englischen heißt: Ich habe den perfekten Vorwand, mir eine Riesendose „Cadbury Roses“ zu kaufen. Das bedeutet, 1,3 kg wunderbarste Schokoladen- und Toffee-Mischung können unter dem Deckmäntelchen der experimentellen Küche bei mir Einzug halten. Jaaa!

Was mir bei der Zusammenstellung der Kochutensilien noch aufgefallen ist: MacGyver hätte daraus vermutlich auch ein ozeantaugliches Boot für zwei Personen machen können.

Falls ich vor Weihnachten nichts mehr hier veröffentliche (und die Chancen stehen gut, dass ich es nicht mehr tue), wünsche ich schon mal heute allen fröhliche Festtage! Ob mit Lachs oder Zweimannboot oder wie auch immer – macht es euch so nett wie es nur geht.