Schnittlauch von Welt
Freitag, den 14. März 2008Die „Reiselust“ von Obst und Gemüse ist schon erstaunlich:
Ananas beispielsweise kommt meist per Schiff zu uns. Wohlhabende Ananasfamilien schicken ihre Sprösslinge aber durchaus auch mal mit dem Flugzeug ins ferne Deutschland.
Bananen starten ihre Schiffsreisen meist noch vor dem Einsetzen der Pubertät – wenn sie dann hier ankommen, haben sie diese für alle doch etwas anstrengende Reifezeit überstanden.
Dass jetzt aber auch Schnittlauch, dessen Anbau unter hiesigen klimatischen Bedingungen nun wirklich nicht gerade ungewöhnlich ist, aus fernsten Landen anreist, hat mich doch mächtig verdutzt: Als ich im Supermarkt einer fremden Stadt keinen Schnittlauch im Topf bekam, entdeckte ich gebeutelten – was für Luxusstänglis, normalerweise gibt es topflosen Schnittlauch als loses Büschel mit einem profanen Gummiband um den Bauch. Wie überrascht war ich, als ich zu Hause entdeckte, dass dieser Lauch ganz aus Indien zu uns gekommen war. Hier hat man ihm nur noch sein Folienkleid angezogen (ein deutscher Betrieb stand als Abpacker auf dem Etikett). Hätte ich niemals gedacht.
Bei Exoten, die in unseren Breitengraden nicht wachsen wollen oder können, kann ich durchaus nachvollziehen, dass sie einen längeren Anfahrtsweg haben. Aber Einheimische wie Äpfel, Kartoffeln, Möhren, Spargel usw. müssen für mich wirklich nicht um die halbe Welt kariolt werden. Und Schnittlauch auch nicht. Da habe ich jetzt ein Auge drauf.