Sachen, die die Welt nicht braucht (Teil 1)
28. September 2009Es gibt Dinge, bei denen frage ich mich: „Was ist dem Erfinder dabei durch den Kopf gegangen?“ – spätestens beim Probelauf mit dem Prototyp sollten Fehler in der Konstruktion erkannt und behoben werden. Ansonsten geht zwar etwas in Serie, von Serienreife kann aber wirklich nicht gesprochen werden.
Ein Paradebeispiel für eine derartige Materialisierung unausgegorener Erfinderbegeisterung ist mein Briefkasten.
Hier hat der Konstrukteur es tatsächlich geschafft, den Einfüllschlitz breiter zu machen als die Tür, durch die man die täglichen Zustellungen herausnimmt. Herausnehmen ist in diesem Fall ein Euphemismus: Jede Zeitschrift, jeder Briefumschlag, jeder Katalog, der größer als DIN A5 ist, führt zu mühsamem Geprökel bei der Entnahme. Da die Metallkanten dieser bösartigen Kreatur nur nach hinten umgebogen wurden, gehören Hautabschürfungen zur kostenlosen Serviceleistung. Meine Hände sind meistens zerschrammt und meine Postsendungen sehen übel verunfallt aus, da ich sie nur herausbekomme, wenn ich sie erbarmungslos knicke und knautsche.
Aufgrund ihrer Ausstattung (graue Hammerschlaglackierung, mietskasernengeeignet) gehe ich mal davon aus, dass diese Monstren (hängen als Gruppe im Hausflur) gebaut wurden, kurz nachdem man aufgehört hatte, Schriftliches in Stein zu meißeln. Somit hat der „Erfinder“ vermutlich schon das Zeitliche gesegnet. Sollte er es wider Erwarten noch nicht getan haben, bitte ich ihn inständig, die Welt nicht weiter mit derartigem Kram zu triezen. Heute gibt es wirklich sanftere Formen des Handpeelings!
Der jüngste Neuzugang auf meiner Fensterbank ist eine Hawaiipalme. Sie brachte zum Einzug freundlicherweise etwas Lektüre mit, in der stand, wie sie denn gern wohnen möchte: Hell, aber nicht zu sonnig, ab und an ein Schlückchen Wasser in Ehren, aber kein Wassertreten. Außerdem teilte sie mir schriftlich mit, dass sie in ihrer Heimat vom Aussterben bedroht ist und dass ein holländischer Blumenzüchter sich ihrer Art angenommen hat. Um die Pflanze auch in ihrer eigentlichen Heimat wieder zu verbreiten, unterstützt man mit einem gewissen Anteil des Kaufpreises einer jeden Pflanze ihre Weiterverbreitung auf Hawaii.
Auf diesem Bild aus der Vorweihnachtszeit ist die Ernst-August-Galerie am hannoverschen Bahnhof zu sehen. Während ich auf den Überweg zumarschierte, hatte ich Probleme, das rote Ampelmännchen zu entdecken. Es musste aber noch irgendwo sein, da die Fußgänger mit Blickrichtung Hauptbahnhof an der Ampel warteten. Aus meiner Sicht überstrahlte die rote Beschriftung in Kombination mit roten Deko/Werbung das kleine Männchen völlig. Ich habe mich gefragt, ob an der Kreuzung die Unfallrate mit Passanten gestiegen ist, seit der Eröffnung dieses Einkaufstempels?!
Plötzlich meldete sich meine eingebaute Plausibilitätsprüfung (die kann einem manchmal echt den Tag vermasseln – manchmal auch retten): Wie gut kann ein Spiel sein, das seinen Anspruch/Daseinszweck schon mit der Titelabbildung ad absurdum führt? Die abgebildeten Zahnräder greifen zwar wunderbar ineinander – im Ernstfall funktioniert die Konstruktion aber nicht. Sie blockiert. Da dreht sich nix.