Ich fahre mal eben telefonieren …
4. November 2008Hier in Hannover-Stadt sind wir mit öffentlichen Verkehrsmitteln recht komfortabel bedient. Neulich habe ich mich gefragt, ob der Personen-Nahverkehr dieser Stadt aus einer Kooperation der Üstra (stellt Busse, Bahnen, Fahrpersonal, Kontrolleure, intakte & defekte Fahrkartenautomaten) und diverser Telekommunikationsfirmen besteht. Die hiesigen U-Bahnen scheinen immer mehr zu mobilen Telefonzellen zu werden: Einsteigen, Telefon rausholen, Nummer tüpfeln und reintrompeten, dass man problemlos von einer afrikanischen Elefantenherde adoptiert würde.
Ich bin froh um jedes Telefonat, das ich nicht in einer lauten Bahn unter den Blicken der Umstehenden führen muss. Mir ist es immer noch eher unangenehm, wenn mein Hörknochen in der Tasche losfiedelt, und ich sage entweder kurz und knapp „Ich rufe gleich zurück.“ oder verlasse fluchtartig an der nächsten Haltestelle den Wagen, um das Gespräch zu führen. Andere sind ja völlig befreit von irgendwelchen Skrupeln gegenüber ihrer Umwelt; da gehört es offenbar zum Lifestyle, im Waggon zu telefonieren – ohne Publikum geht gar nix.
Und was man da teilweise bei längeren Telefonaten als Co-Hörer zwangserfährt – das will man kaum von Freunden wissen, von Fremden schon gar nicht (liebe Mitreisende, die Beschreibung des Öffnungsstadiums eines Muttermundes einer ihnen bekannten Mama in spe muss doch nun wirklich nicht in der Lautstärke mit der Haltestellen-Ansage konkurrieren!).
Ehrlich gesagt, bin ich geradezu dankbar, dass ich nur die eine Hälfte derartiger Gespräche mitbekomme(n muss) und noch ehrlicher gesagt: Ich könnte auch auf diese Hälfte gut verzichten.


Dass jetzt aber auch Schnittlauch, dessen Anbau unter hiesigen klimatischen Bedingungen nun wirklich nicht gerade ungewöhnlich ist, aus fernsten Landen anreist, hat mich doch mächtig verdutzt: Als ich im Supermarkt einer fremden Stadt keinen Schnittlauch im Topf bekam, entdeckte ich gebeutelten – was für Luxusstänglis, normalerweise gibt es topflosen Schnittlauch als loses Büschel mit einem profanen Gummiband um den Bauch. Wie überrascht war ich, als ich zu Hause entdeckte, dass dieser Lauch ganz aus Indien zu uns gekommen war. Hier hat man ihm nur noch sein Folienkleid angezogen (ein deutscher Betrieb stand als Abpacker auf dem Etikett). Hätte ich niemals gedacht.