Qual der Wahl …

21. Januar 2008

In Niedersachsen ist es am 27. Januar wieder so weit – es darf landtäglich gewählt werden. Das heißt, vor einigen Wochen wurden Wahlplakate in geradezu inflationärer Menge über der Stadt verstreut: Große, kleine, mit Menschen, mit-ohne Menschen. Bei einem Spaziergang fiel mir ein Plakat der Kategorie „mit-ohne Menschen“ besonders auf. Mit diesem berühmten Effekt „was ich gerade gelesen habe, steht so nicht da“ brachte es mich zum Stocken und Stehenbleiben. Da stand tatsächlich geschrieben:
Aus unseren Kindern
soll was werden:
Kostenlose Schulbücher,

Ich kenne das Bibel-Zitat „Schwerter zu Pflugscharen“ (gut, ich kenne es nicht aus der Bibel, das spielt hier aber keine Rolle), nur dass aus Kindern kostenlose Schulbücher werden sollen, das fand ich doch mehr als befremdlich. Auch die beiden Folgeargumente „Ganztagsschulen ausbauen, 100% guter Unterricht“ können m.E. die Startpanne nicht wettmachen. Irgendwie vermasselt.

Zugegebenermaßen bin auch ich durchaus eine Anhängerin von Zwei-Wort-Sätzen und anderen kurzen Formulierungen (man mag es kaum glauben, bei meinen Blog-Abhandlungen, ist aber so). Aber das Ganze muss schon einen Sinn ergeben. Keinen unfreiwillig komischen Unsinn. Besonders dann nicht, wenn die Aussage als Plakat wochenlang in zigfacher Ausführung als Stadttapete zu sehen ist.
Auf dem Plakat ist auch noch genug Platz, um das Wörtchen „deshalb“ hinter „Aus unseren Kindern soll was werden“ unterzubringen. Weshalb also so sinnbefreit/sinnentstellt?

Von der Irritation, die derartige Formulierungen beim Wähler hinterlassen mal ganz abgesehen, mit so einem Plakat kann man schnell als Zwiebelfisch bei Bastian Sick landen …

(Unter uns: Ich bin immer froh, wenn ich sagen kann „Puuuh, das hast du nicht verzapft.“ Im Eifer des Tagesgeschäfts kann einem schnell ein Fehlgriff (buchstäblich!) passieren. Da ist es hilfreich, wenn eine kritische Seele die Sachen liest, bevor sie in den Druck gehen.)

Keine Antwort ist auch eine Antwort

10. Januar 2008

Bislang war ich der Meinung, dass „Anrufbeantworter“ unter falscher Flagge segeln, denn mir ist noch kein Modell begegnet, das irgendeine Antwort abgelassen hätte – auf welche Frage auch immer. Sie alle haben mir bislang immer nur mitgeteilt, dass derjenige, den ich eigentlich erreichen wollte, nicht zu sprechen ist.
Die äußerste Dienstleistung, zu der sich einige dieser elektronischen Hochstapler bereit erklären, ist die Aufzeichnung meiner Fragen. Von Beantwortung kann keine Rede sein.

Bei mir tut ein geradezu antik anmutendes Exemplar der Telekommunikation Dienst. Immer noch brav und unauffällig. Eines Abends blinkerte sein rotes „Auge“ hektisch – ein Zeichen, dass mehrere Anrufe aufgezeichnet waren.

Als ich den ersten abrief, schallte mir die wohltrainierte, leicht aufgesetzt fröhlich zwitschernde Frauenstimme einer Call-Center-Anrufmaschine (was es nicht so alles gibt) entgegen. Anfänglich leicht verstümmelt, da sie unhöflich, aber technisch wohl nicht anders möglich, bereits losquasselte als mein AB noch erklärte, dass ich nicht zu sprechen bin.

Inhalt der Nachricht war (sinngemäß), dass unter allen Teilnehmern der anschließenden Befragung 7.500 Euro verlost werden. Sie müssten nur willens und in der Lage sein, ihre Antwort auf drei Fragen per Tastendruck („Drücken Sie die ‚1’ für ‚Ja’ oder die ‚2’ für ‚Nein’!“) kundzutun. Als erstes sollten sie aber durch nicht-antworten („Warten Sie einen Moment.“) ihre Bereitschaft zur Teilnahme erklären – raffinierter Trick, damit kann man jeden AB übertölpeln und einen „erfolgreichen“ Anruf verzeichnen. Offenbar war auch die Nicht-Antwort meines AB als zustimmende Antwort gewertet worden, denn die Fragen wurden gestellt. Dass das Drücken von Zahlen die Fähigkeiten meines Methusalems bei weitem überschreitet, hat die Anrufmaschine wiederum nicht bemerkt. Sie plapperte weiterhin unbeeindruckt auf meinen AB ein, der das Ganze stoisch über sich ergehen ließ. Abschließend bedankte sie sich überschwänglich für die Teilnahme. Der AB schwieg weiterhin.

Sollten in der nächsten Zeit irgendwo Aussagen über die Nutzung des Internets im Allgemeinen und per DSL im Speziellen, sowie die Entwicklung des Internets im Vergleich mit Kabelfernsehen stehen, werde ich die Zuverlässigkeit der Resultate anzweifeln (ich meine: Noch mehr als Umfrageergebnisse/Statistiken sowieso anzuzweifeln sind!). Erhebungen, in denen Anrufbeantworter zur Gruppe der Befragten zählen, sind m.E. nicht wirklich repräsentativ zu nennen.

Schlaflos in der Umweltzone

7. Januar 2008

Als ich letzte Nacht nicht so schnell einschlafen konnte wie sonst (Kopf kommt unter 45 Grad Winkel, Augen schließen sich, Probandin schläft), kam mir ein Verdacht, der mich noch munterer machte:
Darf das Sandmännchen hier eigentlich noch seinem Gewerbe nachgehen?

Ich bin mir sicher, dass seine diversen Fortbewegungsmittel alle die grüne Plakette haben. Aber was ist mit diesem glimmerigen Schlafstaub (ich möchte hier nicht von „jemandem Sand in die Augen streuen“ reden …), der im Fernsehen aussieht wie die Beamerei der frühen Raumschiff Enterprise-Folgen. Fällt der unter Feinstaub und darf womöglich nicht mehr verstreuselt werden?!

Ich hoffe, die Verantwortlichen drücken ein Auge zu, damit ich nächtens wieder beide Augen zumachen kann …

Moderne Zeiten

3. Januar 2008

Vor kurzem habe ich die Hotline eines Telekommunikationsunternehmens angerufen. Diese Firma hat tatsächlich und erfreulicherweise noch eine kostenlose Leitung! Im Zuge der Technisierung hat man aber auch dort auf automatische Quasselkisten zur Vorsortierung der Anrufer umgestellt.

Das heißt, man wird beschallt mit (ich kann hier alles nur sinngemäß wiedergeben, da ich kein Steno kann und auch kein Aufzeichnungsgerät mitlaufen lassen habe) „… handelt es sich bei Ihrem Anliegen um eine Vertragsänderung, um eine Neuanmeldung, um …“ usw. Ich habe natürlich meinen Einsatz vermasselt, da ich noch auf „… dann drücken Sie bitte die 1, 2, …“ gewartet hatte – derart veraltete Systeme gibt es aber wohl nicht mehr. Man kann jetzt gleich losplappern. Frau Automat merkte, dass ich nicht richtig bei der Sache war und wiederholte alles. Ich hörte mir also den ganzen Summs noch ein zweites Mal an, sagte das Schlüsselwort und „zack“ kam die nächste Frage mit einer weiteren unglaublichen Auswahlmenge.

Als ich empört ächzte wie Marge Simpson, sagte die Stimme „Entschuldigung, ihre Eingabe kann nicht zusortiert werden …“ und dann fing sie wieder an, alle Möglichkeiten aufzulisten. Ich merkte, wie mir der nicht vorhandene Hut hochging und fauchte ins Telefon: „Ich kriege gleich einen Anfall, mach hin!“. Und genau nach dem Ausrufezeichen sagte die Stimme „Sie werden gleich zu einem Berater durchgestellt …“. Köstlich! Damit war mir der Wind aus den Segeln genommen und besagter Berater erlebte mich in fröhlichster Laune. (Bei Hotlines komme ich sehr schnell in eine extrem unentspannte Stimmungslage. Ganz besonders, wenn der Anruf eine Telefonrechnung produziert, für deren Begleichung fast ein Kleinkredit erforderlich ist!)

Registrieren die neuen Automaten, bei welchem Teilnehmer gleich die Sicherung durchbrennt und leiten ihn dann schnell auf den „Therapieplatz“? Oder haben Hotline-Automaten einen etwas schrägen Humor bzw. wenigstens einen etwas schräg eingesetzten Humor-Chip?

Was da wieder für technische Finessen hinter stecken … Dass alles nur ein Zufall war bzw. dass Frau Automat feststellte „Huch, Anrufer spricht wirr, den schiebe ich flott mal zu einem Berater.“, ist mir als Erklärung zu banal.

Schneeflöckchen in der Umweltzone …

2. Januar 2008

Heute Nacht hatte es geschneit, so dass morgens eine zarte Schneedecke auf Autos und Bäumen lag. Genau die richtige Menge zum Schönfinden. Ein derartiges Ereignis gab es auch kurz vor Weihnachten 2007: Erstaunlicherweise war der Schnee nur stellenweise in Hannover gefallen, die Innenstadt war bspw. gänzlich unverschneit. Diese partielle Schneeeinstäubung wurde mit dem Begriff „Industrieschnee“ erklärt.

„Industrieschnee“ – das hört sich an, als wäre es so ein klebriges Schnee-Imitat aus der Sprühdose, mit dem Fensterscheiben und künstliche Tannen auf Weihnachten getrimmt werden können oder etwas, das zielgenau per Schneekanone verrieselt wird, um weihnachtliche Stimmung zu erzeugen oder -in größeren Mengen- für Skifahr-Bedingungen zu sorgen. Es klingt sehr nach „Wasch dir die Hände, du hast Industrieschnee angefasst.“.

Ich habe aber auch erfahren, wie Industrieschnee entsteht: Bei entsprechender Wetterlage (Inversion? Infusion? Inspektion?) kuscheln sich Wasserdampf und feine Staubpartikel in nicht allzu großer Höhe zusammen. Gemeinsam (ge-)frieren sie dann zu feinkörnigem Schnee und gehen zu Boden. Ich weiß, das ist sehr laienhaft formuliert, aber ich bin ja auch kein Wetterfrosch. Ich habe nicht mal eine Leiter in meinem Weckglas.

Was mich aufhorchen ließ, war „Staubpartikel“. Seit gestern wohne ich in einer der ersten Umweltzonen dieser Republik (klingt schon fast wie Luftkurort). Das heißt: Zukünftig kann es hier keinen Industrieschnee mehr geben. Wir haben nämlich keinen Schwebeschmuddel mehr, der mit Wasserdampf rumfraternisiert, um Winterillusionen zu erzeugen. Wenn es hier also wie heute schneit, dann ist das guter echter Frau Holle-Schnee. Die Bewohner der List sind keine Schnee-Fälscher. Haben wir nicht nötig!

„Dosenfutter“ auf Gourmet-Art

20. Dezember 2007

Letzte Woche rief mich eine Freundin an, um mir mitzuteilen, dass Jamie Oliver (ja, der begnadete und witzige Koch aus England) in einer Fernsehshow kocht, die normalerweise nicht auf meinem TV-Speiseplan steht.

Mit einem Jamie Oliver als Gast, änderte sich das natürlich schlagartig: Ich schaltete den Fernseher ein und hockte mich erwartungsvoll aufs Sofa. Was soll ich sagen/schreiben – ich wurde mal wieder total überrascht. Der Meister des unkonventionellen Kochens hat erneut einen echten „Oliver’s Twist“ vorgeführt.

Unter Verwendung einer blechernen Keksdose (den Deckel mit einigen Löchern versehen), verschiedener Kräuter, einer guten Handvoll Sägespäne und einem Stück Alufolie baute J.O. einen Kleinsträucherofen (um diesbezügliche Rückfragen zu vermeiden, das heißt Kleinst-Räucherofen und nicht Klein-Sträucherofen!), der auf einem ganz normalen Herd funktioniert: Dosenboden mit Kräutern (Rosmarin usw.) und Sägespänen bedecken, Alufolie drauflegen und darauf einfach ein paar ausgesucht schöne Stücke Lachs legen. Fertig.

In seiner heimischen Küche gibt Herr O. im wahrsten Sinne des Wortes Gas. In Deutschland stehen die Brandschutzbestimmungen der Verwendung von Gas in Studioküchen wohl entgegen. Dort bereitet man den Menüs per Induktionsherd einen heißen Abend. Das erforderte für die Lachsräucherei etwas veränderte Zubereitungszeit, klappte aber auch.

Die anderen anwesenden Köche/Köchinnen waren zum einen von der eher campingmäßigen Zubereitungsart und zum anderen von dem wohl doch leckeren Geschmack des Ganzen geradezu verblüfft. Man gratulierte sich gegenseitig zu den gelungenen Ergebnissen – schließlich waren die anderen ja nicht nur zum Probieren da, die mussten auch selbst etwas brutzeln. Das ebenfalls beköstigte Publikum war auch begeistert.

Ich denke, dass ich diese Art der Lachszubereitung unbedingt auch mal ausprobieren werde. 1. liebe ich warmen geräucherten Fisch, 2. freue ich mich, wenn Dinge außer ihrem eigentlichen Nutzen (in diesem Falle Keks-/Konfektaufbewahrung) noch wunderbare Zusatznutzen haben und 3. – last not least – wie es im Englischen heißt: Ich habe den perfekten Vorwand, mir eine Riesendose „Cadbury Roses“ zu kaufen. Das bedeutet, 1,3 kg wunderbarste Schokoladen- und Toffee-Mischung können unter dem Deckmäntelchen der experimentellen Küche bei mir Einzug halten. Jaaa!

Was mir bei der Zusammenstellung der Kochutensilien noch aufgefallen ist: MacGyver hätte daraus vermutlich auch ein ozeantaugliches Boot für zwei Personen machen können.

Falls ich vor Weihnachten nichts mehr hier veröffentliche (und die Chancen stehen gut, dass ich es nicht mehr tue), wünsche ich schon mal heute allen fröhliche Festtage! Ob mit Lachs oder Zweimannboot oder wie auch immer – macht es euch so nett wie es nur geht.

Was Fußball mit Ruderbooten zu tun hat

17. November 2007

In der HAZ habe ich einen Text zum heutigen Länderspiel gegen Zypern gelesen, der mich etwas ins Grübeln brachte. Zu dem Bild des sportlich mit einem herzlichen “Welcome Cyprus” illuminierten neuen Rathauses war zu lesen, dass die Gäste aus Zypern dieses Gebäude samt Lichtinstallation von ihrem Hotel aus gar nicht sehen können, auch die deutsche Mannschaft kann sich aus Unterbringungsgründen nicht daran erfreuen, denn: In dem Hotel, das gegenüber dem Rathaus steht und somit echte Logenplätze bietet, ist die Delegation des DFB untergebracht.

Ich hätte es ja als nette Geste empfunden, wenn die Gäste den Willkommensgruß von ihren Zimmerfenstern aus hätten sehen können. Da sie aber in einem ebenfalls namhaften Hotel untergebracht sind, vermissen sie den Ausblick womöglich gar nicht so sonderlich.

Dann kam für mich jedoch der echte Knaller im Text: Besagtes “Gegenübervomrathaus”-Hotel hält 150(!!) Zimmer für die DFBler bereit.

Empfinde nur ich dieses Mengenverhältnis “Spielerzahl:DFB-Delegierte” als ungewöhnlich? Selbst wenn ich die Ersatzleute und Betreuer als Spieler mitrechne, kommt es mir vor, als wäre beim Rudern (um zumindest im sportlichen Bild zu bleiben) die Besetzung eines Achters mit Steuermann in einen Einer mit acht Steuermännern geändert worden.

Oder ziehen DFB-Delegierte nächtens mehrfach von einem Zimmer ins andere um und der versierte Hotelier hält deshalb immer einen Schwung freie Zimmer vor?

Als Unsportlerin fehlt mir offenbar Grundlagenwissen …

„Namen sind Schall und Rauch“

23. Oktober 2007

… und „In Zukunft kann jeder Mensch für 15 Minuten Berühmtheit erlangen.“ – das erste Zitat stammt von Goethe, das zweite wird Andy Warhol zugeschrieben. Und beide kamen mir in den Sinn, als ich den Newsletter einer großen Kaffeerösterei las.

HeldensagenDort gibt es das Angebot, Romane personalisieren zu lassen. Nein, nicht einfach vorne den Namen des Eigentümers eindrucken, das wäre ja völlig unspektakulär. Das Angebot ist, dass ich selbst (oder jemand, den ich buchstäblich verewigt sehen möchte), der Protagonist eines Buches werden kann. Und so einfach geht es: Aus drei Büchern (Liebesroman, Krimi und ein Jugendbuch über einen – oh, Wunder – zaubernden Jungen) einfach das gewünschte auswählen, einen „Personalbogen“ ausfüllen mit Namen, Aussehen usw. – Fertig. Abschicken und schon wird man zum Helden.

Ist das eine logische Weiterentwicklung der unsäglichen „Deutschland sucht …“- und „Germany’s next Irgendwas“-Shows? Wer es dort nicht schafft, auf seine 15 Minuten Berühmtheit zu kommen, wird dann im Buch ein Star. Auch wenn letztlich doch nur das eigene Bücherregal oder der wackelnde Tisch davon erfährt.
Ich fände es nett, wenn jedem Castingteilnehmer zugesichert würde, dass er ein personalisiertes Buch bekommt, wenn er nicht gewählt wird. Damit würden womöglich teure Psychotherapien für die seelische Wiederaufrichtung der vorzeitig aus den Shows Gekickten entfallen (mit dem Begriff „vorzeitig“ bin ich in diesem Zusammenhang nicht ganz glücklich, ich halte es für zu spät – egal, zu welchem Zeitpunkt).
Außerdem käme niemand auf die Idee, ein Format wie „Deutschland sucht den am schnellsten aus einer Castingshow Geworfenen“ o.ä. zu kreieren. Ich bin sicher, dass viele Fernsehinteressierte sogar Buch-Patenschaften übernähmen, wenn damit sicher gestellt wäre, dass man von derartigen Shows verschont bliebe und mal wieder etwas mit mehr Substanz ins Programm käme. 19,99 EUR sollten einem da wirklich nicht zu viel sein.

Im weiteren Zuge der Individualisierung wäre dann natürlich auch die Personalisierung der Schulbücher denkbar. Das erschwert zwar das Unterrichten etwas, aber vielleicht bringt es wieder mehr Kinder ans Lesebuch. Da kann man doch schon mal Zugeständnisse machen.

Letztlich hoffe ich aber, dass diese Form der „Selbstverwirklichung“ nicht dazu führt, dass Autoren per Verzichtserklärung demnächst sämtliche Persönlichkeitsrechte ihrer Darsteller abtreten müssen.

Ich würde ja besonders die kreative Namensgestaltung der Buchautoren vermissen. Ein wunderbares Beispiel für eine ausgesuchte Wahl ist doch Joanne K. Rowling – wie viel Hintersinn und Tiefgang sie im Namen ihrer Darsteller untergebracht hat. Unglaublich!
Einer meiner Lieblinge ist aber nach wie vor der Hauptdarsteller mehrerer Geschichten eines Autors aus einer Schreibgruppe (Siegfried, wenn du das hier liest: Herzliche Grüße!!): „Schabulke“. Das ist doch mal ein Name. Wäre doch wirklich schade, wenn bald nur noch Namen auftauchen, die sich allein aus ihrer statistischen Häufung in der Bevölkerung ergeben.

Vom Kinderspiel zum Automobil

12. Oktober 2007

Kürzlich fühlte ich mich an meine Kinderzeit erinnert:
Damals gab es Bilderbücher, mit denen man “neue” Tiere kreieren konnte. Der Trick bestand darin, dass alle Buchseiten waagerecht in der Mitte geteilt waren. Die Tiere waren so gezeichnet, dass sie an der Schnittstelle dieselbe Breite hatten. So konnte man schöpferisch tätig werden und bspw. an ein gelb-braunes Giraffenoberteil ein graues Elefantenunterteil blättern. Fertig war der “Gira-fant”.

Naturwissenschaftlich interessierte Kinder haben nach intensiver Lektüre vermutlich früh verkündet, Evolutionsforscher o.ä. werden zu wollen. Andere kleine Menschen haben -unabhängig von ihrem Büchlein- beschlossen, Namenserfinder für Autos zu werden. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist der “TIGUAN” (anscheinend hat das Buch Spätwirkungen).

Ich hatte nur den Namen auf dem Titel der Autozeitung eines Freundes gelesen und blätterte voller Vorfreude zum bebilderten Artikel. Was für eine unglaubliche Enttäuschung … Das Modell hat nicht die geringste Ähnlichkeit mit einer Kreuzung aus “Tiger” und “Leguan”.

Auch in der Farbgestaltung wurde meine kindheitsgeprägte Erwartungshaltung nicht befriedigt. Nicht einmal annähernd. Oder gibt es die Auskleidung des Kofferraums mit Teppich im Tigerstreifen-Dessin (konnte man auf dem Bild leider nicht sehen)?!

Und versucht mir jetzt nicht unterzujubeln, dass der Tiger in den Tank gepackt wurde … Wo ist denn bitte der Leguan geblieben?

Mein Leben auf der Bohrinsel

11. Oktober 2007

Vor einigen Wochen habe ich unter Schmerzen erfahren, dass die Wohnung über meiner renoviert wird: Als ich morgens im Badezimmer stand und meine Wimpern bepinselte, donnerte direkt über mir eine Schlagbohrmaschine los – ich zuckte zusammen und stach mir die Mascarabürste ins Auge. Für kurze Zeit habe ich im wahrsten Sinne des Wortes schwarz gesehen. Jetzt ahne ich, wo der Spruch „Wer schön sein will, muss leiden.“ herkommt. Ist vermutlich die geheime Parole der Handwerkskammer.

Seit diesem Tag bin ich Ohrenzeugin des Aufschwungs im Bauhandwerk: Ab ca. 7:30 Uhr läuft die Beschallungsmaschinerie an. Die ersten Tage mit ganz viel Rumgebohre und Abgestemme. Diese massiv destruktive Phase scheint aber mittlerweile abgeschlossen – wahrscheinlich weil bis auf die tragenden Wände alles perforiert und rausoperiert worden ist.
Entfernt wurde u.a. auch die Heizung. Was dazu führte, dass ich eine Erscheinung hatte: Ein feuchter Fleck zeigte sich an meiner Wohnzimmerdecke. Ich fürchte, er wird sich nicht zusammen mit den Handwerkern verziehen, sondern sich nur durch Pinselvoodoo vertreiben lassen.

Ich habe schon den Eindruck, als wenn die Renovierung eine leicht okkult angehauchte Veranstaltung ist. Woher z.B. wissen die Handwerker immer so genau, in welchem Zimmer ich mich gerade aufhalte?! Genau dort wird dann, eine Etage höher, rumgekraspelt.

Und fleißig wie die Profibastler sind, nutzen sie selbstverständlich auch noch den 6. Werktag der Woche zur Wohnraumverbesserung: Pünktlich um 7:30 Uhr hörte ich Samstag Kratz- und Schabegeräusche aus dem Zimmer über meinem Schlafzimmer. Als ich nach gut einer halben Stunde entnervt ins Bad zockelte, ging es dort weiter. Ich bin sicher, dass sie ihre Pause genau in der Zeit gemacht haben, die ich beim Bäcker war, denn als ich mich an den Kaffeetisch setzte, lief der „Lärmgenerator“ über meiner Küche an. Wie löblich. Wie nervig. Gegen ca. 17:30 Uhr war wohl jede Diele mit Hunderten von Nägeln an ihren Platz gebracht und mittels einer dröhnenden Schleifmaschine von Dachlattenstärke auf gängige Dielenhöhe geschrummelt worden.

Wie ich im Internet erfahren konnte, darf an allen Werktagen bis 20:00 Uhr die Umgebung akustisch teilhaben an Renovierungen – so gesehen, bin ich eigentlich noch fein weggekommen …