Etikettenschwindel: Weniger ist mehr?!

Wenn ich in meinen Kleiderschrank gucke, treffe ich auf herrlich schlabberige T-Shirts mit dem Größenschild „M“, „L“ oder gar „XL“. Sie haben teilweise vor mehr als 10 Jahren ihren Dienst bei mir angetreten und sich im Laufe der Zeit auf die verantwortungsvolle Position „Schlafshirt“ vorgearbeitet. Sie haben eine tolle Qualität: Man kann sie, so einem danach ist, bis über die Knie zerren und ausbeulen. Spätestens nach der nächsten Wäsche ist alles wieder gut. Und wenn ihre Bettkarriere dann doch irgendwann dem Ende zugeht, sind sie prima zum Putzen (da fusselt nix mehr) oder Schuhe wienern. Wer bleibt denn heute noch in seinem angestammten Job?

In meinem Schrank halten sich aber auch ein paar Oberbekleidungs-Jünglinge auf, mit denen ich sicherlich kein großartiges Vertrauensverhältnis aufbauen werde/kann. Was aber nicht ihre Schuld ist, sondern die der Modewelt und der Bekleidungshersteller. Derzeit ist ja das freundlich umschreibende „figurnah“ modern: Fippsig kleine Hemdchen schnüren Normalwüchsige unter der Achsel ein und ermöglichen völlig unkritisch jedem Bauch einen Blick in die Welt. Okay, bei einigen Bäuchen muss man sagen, dass die Fähnchen die Freilegung gar nicht verhindern könnten – irgendwann ist auch die größte Flexibilität an ihrem Ende angelangt.

Das Absurde an diesen Winz-Shirts ist aber, dass auch hier die Größenschilder „L“ und „XL“ lauten! Glauben die wirklich, mich täuschen zu können? Ich erkenne eine Kindergröße, wenn ich sie sehe. Zuerst dachte ich, wenn ich so ein Ding ins Wasser schmeiße, plöppt es zu voller Größe auf wie diese tollen Schwämme. Nee, nix passierte!

t-shirt.jpgDie kleinen Biester werden garantiert keine Zweitkarriere in meinem Bett starten können – da hätte ich sie morgens dann wahrscheinlich als Kragen um den Hals. Und zum Putzen taugen sie auch nicht. Mit einem richtigen T-Shirt schaffte man mehrere Fenster, mit so einer Miniaturausführung kann ich höchstens meinen Türspion und meine Brillengläser putzen.

Mein Fazit: Auch mit Klamotten geht es mir wie mit vielen anderen Dingen des täglichen Bedarfs – trotz vollmundiger Bezeichnung bekomme ich weniger. Immer kleinere Teilchen mit immer größeren Konfektionsangaben. Gestern noch Kindergröße 164, sind sie heute Damengröße „L“. Inflation in Strick. Der einzige Vorteil ist, dass ich schneller mit dem Bügeln fertig bin. Die Shirts verschwinden ja fast unter meinem Bügeleisen.

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10 Antworten zu Etikettenschwindel: Weniger ist mehr?!

  1. Lotte sagt:

    ….und was noch viel schlimmer ist, ich kann kein Shirt mehr für die Gartenarbeit bei dir abzocken. Oder ich müßte aus 2 , 1 machen. So werde ich also die herrlich schlabberigen Exemplare, die sich in meinem Besitz finden, hegen und pflegen und nur in Notfällen im Garten verschleissen.
    Was trag ich nun im Garten? Wie groß sind T-Shirts mit der Größenbezeichnung XXL ??
    Da seh ich eine Versorgungslücke auf mich zukommen.

  2. tabbi sagt:

    und was ist mit den (eigentlich nicht vorhandenen) größen darüber? was ist dann das eigentliche XXL?? XXXXL? also ich kenne XXXL und das ist RIESIG….gibts dann vielleicht XX(1/2)XL???
    da tuen sich ganz neue philosophische fragen auf ;-P
    lg hdl
    tabbi

  3. Susanne sagt:

    @tabbi: Ab echter XL (nicht dieser falsch etikettierten Winzlings-XL der aktuellen Mode) muss frau flexibel sein und sich häufig in der Herrenabteilung umsehen. Nach meiner Erfahrung ist Männerkleidung diesem Etikettenterror nicht unterworfen. Vermutlich weil es den Herren völlig wurscht ist, welche Größe draufsteht. Anhalten – etwas zuppeln – jo, passt – kaufen. „Ha, da steht was auffem Etikett – ist wohl der Hersteller.“ So ignorieren sie den Größenknoblern den ganzen Spaß kaputt.
    Interessant ist, dass es in Europa viele unterschiedliche Größenangaben gab/gibt. Mit dem amerikanischen Grobraster bekommen wir alle einheitlichere Größen. Und falls etwas zu groß ist, wird gefuttert bis es passt. Eine Art Klonerzeugung durch Ernährung. 😉
    IDA & LG Susanne

  4. geli sagt:

    dazu gibt es ja auch noch several different fit styles:

    baggy cut – das kennen wir schon (sehr weit und bequem geschnitten)
    regular fit (normale passform, nicht zu eng und nicht zu weit)
    regular cut (klassischer, normaler schnitt)
    straight cut (gerader schnitt)
    slim fit (eher schmale, körpernahe passform=
    loose cut (locker und eher sportlich geschnitten)
    body fit (sitzt wie eine zweite haut)

    nachdem man dann das studium abgeschlossen hat und sich die begriffe draufgeschafft hat, kann man losgehen und kaufen. leider hat auch hier die firma tchibo mit ihrer neuen linie einen standard geschaffen, der sicher nicht auf levis, h+m, den minigrößen (größen ist in diesem zusammenhang ein witz) laden zara etc etc. zutrifft. am ende – einfach probieren und wohlfühlen.

    @ lotte: ICH kann dich unbedingt weiterversorgen! gucke nach und schicke mit!

  5. tabbi sagt:

    ach und mir fällt ja noch die HÖHE der kleinen größen ein: größe 0, reserviert für magersüchtige á la nicole richie etc…^^

  6. Susanne sagt:

    Erschreckend finde ich, dass viele junge Mädchen/Frauen so etwas tatsächlich für erstrebenswert halten und ihr Leben danach ausrichten. Gruselig!
    Wenn es nicht wirklich so ernst wäre, würde ich sagen: „Wollt ihr echt eine Null sein?“

  7. Q-senk sagt:

    @ Susanne… das wir Männer nicht mit den Grössenproblemen belegt werden stimmt so nicht ganz. Jedesmal wenn ich mir neue Klamotten kaufen muß sind die schon wieder kleiner geworden, hosen die neulich noch meine Göße hatten so z.B. 29er Bund passen auf einmal nicht mehr, oder Shirts in Größe L spannen auf einmal am Bauch. Ist schon Merkwürdig aber bezieht sich immer nur auf die Weite, an der Länge der Hosen scheinen sie nix zu ändern!?! Sehr kurios…;-)))

  8. Susanne sagt:

    @Q-Senk: Könnte es sein, dass das von dir beschriebene Phänomen womöglich doch eher in die Kategorie „Globalisierungsprobleme“ fällt (sprich: „Mein Bauch wird echt eine runde Sache!“)?
    Bei den Damengrößen ändert sich ja z.B. auch die Schulterbreite. Womit ich natürlich dein Bekleidungsproblem nicht bagatellisieren will. ;-)) Behalte die Gefahrenzone kritisch im Blick – ggf. sollten wir doch mal an die Konfektionsgrößenknobler herantreten und um klärende Unterstützung bitten …

  9. Q-Senk sagt:

    ich glaube das mit der Schulterbreite bei Hosen ist mir noch nicht so aufgefallen aber auf jeden Fall verwirrt mich das alles jetzt schon etwas . neulich wollte ich mir ne hose grösse 92 holen und die war knapp nen halben meter zu kurz… und dabei war die sooo klasse. Sollte ich da mal an den Vorstand von Ernstings Family schreiben warum die Winnieh Pooh Hose nicht passte wenn doch das Gewicht drauf angegeben ist?

  10. Susanne sagt:

    @Q-Senk: Dass dir das mit der hosigen Schulterbreite noch nicht aufgefallen ist, wundert mich nicht. Hosen, die bis zu den Schultern gezogen werden können, sind eigentlich Strumpfhosen … ;-))
    Die Größe=Gewicht-Angabe bei Winnie Pooh ist wohl auf Winnies Körperproportionen umgerechnet. Deine Beine sind zu lang. Ich nehme an, so wurden die Baggy-Pants entwickelt, die m.E. nur durch Außerachtlassung einiger physikaler Gesetze und anatomischer Gegebenheiten nicht auf die Füße rutschen. Zuppel die Hose also weit runter, geh leicht in die Knie und latsch los – das trägt sich ein! (Ansonsten mal diesen wunderbaren Sketch zum Thema „Herrenbekleidung“ von und mit Loriot ansehen.)

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