Steinzeit & flotte Feger
Samstag, den 27. Februar 2010Als bekennende und sehr aktive Nicht-Sportlerin hält sich auch mein Interesse an Sportübertragungen im Fernsehen in Grenzen. Die Wettbewerbe der olympischen Winterspiele in Kanada sind daher nicht bestimmend für meinen Tagesplan, sondern laufen eher zufällig über meinen Fernsehschirm. Eine Sportart hat aber meine Aufmerksamkeit geweckt: Curling
Speziell das Equipment hat es mir angetan:
Der Curlingstein wiegt ca. 18 kg und besteht aus poliertem Granit. Auf seiner Oberseite befindet sich ein Handgriff, der nicht nur dem Transport, sondern auch der Steuerung dient (Curlrichtung). Eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Bügeleisen ist nicht zu übersehen.
Gespielt wird auf einer gut 45 m langen Eisbahn:
Sobald der Spieler in einer Art Kniefall mit Rutschpartie den Stein in Richtung Ziel aus der Hand gelassen hat, gibt er (für Außenstehende nicht unbedingt verständliche) Anweisungen an seine Mitspieler, die jeweils mit einem Besen bewaffnet sind und als flotte Feger vor dem Stein rumfuhrwerken, wenn der Lauf verlängert werden soll (energisches Beseln schafft einen Wasserfilm auf dem Eis und erleichtert so dem Stein die Fahrt).
Ich war ganz erstaunt, wie feinfühlig Curling-Spieler den Stein auf seine Reise ins Ziel (= Haus) bringen. Aus spieltaktischen Gründen setzen sie ihn als Guard auch mal in den „Vorgarten“ besagten Hauses, um bereits darin befindliche eigene Steine zu schützen bzw. versuchen gegnerische Steine (es spielen immer zwei Mannschaften gegeneinander auf einer Bahn) aus dem Haus zu schubsen.
Am interessantesten fand ich jedoch, dass Herren*, die bei anstehenden Hausarbeiten Besen und Bügeleisen gern weiträumig umfahren, Variationen dieser Geräte gern und geschickt bedienen, wenn die zu verrichtende Tätigkeit als Sport verkauft wird.
Meine Bitte an die entsprechenden Hersteller: bringt doch mal einen Bügelbrettbezug mit Curlingbahnbedruckung auf den Markt. Und ein Bügeleisen in Curlingstein-Optik (die arbeitserleichternde Spitze sollte aber erhalten bleiben). Und einen Besen, der es in Aussehen und Stabilität mit einem Curlingbesen aufnehmen kann.
Ich kann es kaum erwarten, den ersten Herrn im Tiefflug ans auf Kniehöhe eingestellte Bügelbrett schlittern zu sehen, wo er die Falten auf Hemden und Hosen mittels Curlingeisen aus dem Haus befördert.
*ja, ich weiß, dass es auch Männer gibt/geben soll, die von Bügeleisen und Besen nicht lassen können – sollten diese Exemplare noch Kapazitäten haben, könnte gerade in Zeiten des drohenden Frühjahrsputzes der Aufbau eines mobilen Plätt- & Putzteufelchen-Geschwaders in Erwägung gezogen werden …


Gestern kam ein Umschlag mit einer neuen Plastikkarte. Offenbar ist mit dem Ablaufdatum der alten Karte auch mein Leben als „Frau H. aus H.“ abgelaufen, denn ich wurde sowohl im Adressfeld als auch in der Anrede mit „Herr H. aus H.“ angesprochen. Erfreulicherweise darf ich meinen Vornamen Susanne weiterführen. Was die Kombination allerdings noch skurriler wirken lässt. Erinnert ein bisschen an die Textzeile in dem Song von Johnny Cash „Boy named Sue …“
Hier im Blog aber geht es ausschließlich um den Lesefluss. Unglücklicherweise ist dieser sehr schnell mit den verzwackelten Jungs-Mädels-Kombinationen aufzustauen. Allein den Artikel „G8 entspannt gem8“ hätte ich locker um mehrere Zeilen verlängern können durch Staatsdiener / Staatsdienerinnen, Polizisten / Polizistinnen, Gefängnisausstatter / Gefängnisausstatterin usw. usw. Damit wäre zwar der sprachlichen Gleichberechtigung genüge getan, aber der Lesefluss würde nur noch mühsam von einer Staustufe zur nächsten plätschern.