Wenn Vokale ihre Koffer packen

Als Ortskundige habe ich im Hauptbahnhof Hannover die Orientierungspläne bislang nur registriert, aber nicht gelesen, geschweige denn genutzt.

Heute jedoch verweilte mein trödeliger Blick etwas länger auf dem Plan im Eingang des ‚Ostflügels’ und da habe ich entdeckt, dass entweder die Kriminalität in Hannover an Dreistigkeit zugenommen hat oder aber, dass manche Buchstaben extrem reiselustig sind:
Ausgerechnet der Bundespolizei fehlt ein ‚i’, was sie zur ‚Bundespolzei’ verkürzt. Immer noch verständlich, aber irgendwie klingt es doch eher, als wenn die Zunge mit Stützrädern fahren muss.

Houdini lässt grüßen ...

Da ich nicht glauben mag, dass jemand so dumm ist, sich am Eigentum der Bundespolizei zu vergreifen, vermute ich, dass manche Buchstaben einfach mehr Fernweh haben als andere. Und wo kommt ein kleines ‚i’ mit schlankem Fuß schneller weg als am Bahnhof? Dauert doch ewg bs das ener mtkregt …

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Ungutes Gefühl …

Im Newsletter einer Frauenzeitschrift stand heute das Angebot, sich um den Posten einer „Kreuzfahrtbotschafterin bei Costa-Kreuzfahrten“ zu bewerben. Die Ausgewählten können mit einer Begleitperson oder gar in Familienstärke eine Woche an Bord eines Costa-Schiffes reisen.

Zu den beschriebenen Reisetouren gehört auch „Sightseeing im Mittelmeer“. Vor meinem inneren Auge erschienen gleich Bilder der im Januar 2012 schwer havarierten „Costa Concordia“ sowie der anschließenden Rettung/Bergung von Passagieren und Crew. Die Formulierungen in der Anzeige lauten u.a. „… erleben Sie unbeschreibliche Urlaubsmomente an Bord eines Costa Kreuzfahrtschiffes …“ und erscheinen in diesem Zusammenhang geradezu makaber. Sicherlich ist das unbeabsichtigt, aber nichtsdestotrotz ist die Wortwahl doch eher unsensibel – besonders eingedenk der Tatsache, dass die Bergung des Schiffes, auf dem 32 Menschen den Tod fanden, immer noch andauert. Vom Erscheinungstermin des Angebotes ganz zu schweigen: In den nächsten Tagen soll der Prozess gegen den damaligen Kapitän beginnen.

Es ist absolut nachvollziehbar, dass ein Unternehmen auch und gerade nach einem großen Unglück für sich werben muss, um weiter zu bestehen, aber hier wurde m.E. kaum eine Möglichkeit ausgelassen, negative Assoziationen zu erzeugen. Zumindest bei mir.

 

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Es weihnachtet …

In diesem Jahr habe ich nach langer Zeit mal wieder ein bisschen weihnachtlich gebastelt. Angeregt durch Anjas gestickte  „Lebkuchen“-Anhänger habe ich eine meinen handwerklichen Fähigkeiten und Gelüsten entsprechende Umsetzung gesucht: Weshalb nicht einfach mit pastöser Farbe Zuckerguss imitieren? Das Ganze auf dickem Filz sollte doch lebkuchig aussehen, oder? Dann noch ausschneiden und fertig.

In den unerschöpflichen Beständen bei „die idee“ gestöbert und natürlich fündig geworden: Filzplatten 45 x 30 cm, 3 mm stark, in leckerem Lebkuchenbraun. Dazu kaufte ich noch verschiedenfarbige „Perlen Pen“-Stifte – vorrangig weiß, das ist letztlich die Mutterfarbe allen Zuckergusses. Obwohl Zuckerguss nicht so schimmert, gefiel mir „Cremeweiß“ am besten.

Talentierte Maler drücken einfach auf den dicken Stift und schon können sie eine saftige Kontur auf den Filz malen. Nicht so begabte oder mutige Künstler nehmen einfach eine Keksausstechform, drücken die scharfe Seite kräftig auf den Filz und malen so der entstandenen Vertiefung entlang. Bei dieser Technik sicherheitshalber eine Zeitung als Schutz unter die Filzplatte legen und auf die Keksform ein Brett als Presshilfe. Bei der Verteilung der Motive auf der Filzplatte immer berücksichtigen, dass ja noch eine schmale Filzkontur außen stehen bleiben soll. Deshalb großzügiger mit dem Platz umgehen als beim echten Keksausstechen.

Nachdem alles fertig bemalt wurde, ist erstmal Pause. Die Farbe muss einen Tag trocknen. Dann setzt man sich mit einer kleinen Schere und einer schönen Tasse Kaffee/Tee/Kakao gemütlich hin und „knabbert“ in aller Ruhe die Lebkuchen-Plagiate aus dem „Filzteig“. Meine Filzlinge habe ich auf Fensterbänken verteilt, als Geschenkanhänger mit goldenem Blumendraht (schön über einen Bleistift zur Wackelspirale gerollt) angebracht bzw. streusele sie als Deko auf den Weihnachtstisch. Außerdem habe ich mit den Erstlingswerken auch noch einen schlichtweißen Holzkranz beklebt. Wir wollen es ja nicht übertreiben mit der Adventlichkeit …

Ein bisschen Vorweihnachtszeitdekoration

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Ewige Jugend?

Beim sonntäglichen Zeitungslesemarathon habe ich in meiner favorisierten Lokalpresse eine kleine Meldung* über Johannes B. Kerner entdeckt, in welcher es um seinen kurzzeitigen Gefängnisaufenthalt ging, nachdem er ein Plakat entwendet hatte, auf welchem das Model Anna Nicole Smith in knappster Bekleidung zu sehen war. Wörtlich stand in meiner Zeitung „Johannes B. Kerner erklärt, warum er als Jugendlicher …“ – das ließ mich stutzen, denn ich fragte mich, wie alt/jung ist Herr Kerner? Lässt mein Fernseher ihn älter aussehen als er ist oder wird er womöglich älter geschminkt?!

Meine Recherche ergab, dass er Jahrgang 1964 ist. Die besagten Plakate gehörten 1994 zu einer Werbekampagne eines Textil-Kaufhauses. Rein rechnerisch müsste Herr JBK also um die 30 Jahre alt gewesen sein bei dieser „Jugendsünde“ eines „Jugendlichen“.

Bis zu welchem Alter ist man Jugendlicher bzw. Jugendliche?!
Ab 18 beginnt die Volljährigkeit, lt. Strafrecht kann in Sonderfällen bis zum Alter von 21 Jahren nach dem Jugendstrafrecht verurteilt werden, und die UN rechnet die Jugend sogar bis 25. Darüber hinausgehende Jahresangaben habe ich nicht gefunden.

Meine Schlussfolgerung: Ein Leben im Scheinwerferlicht wirkt (zumindest innerlich) quasi wie ein Jungbrunnen – dann kann man auch mit 30 noch Jugendsünden begehen! :-)

 

* Während meiner Online-Recherche stieß ich auf ähnlich formulierte Meldungen zu diesem Thema bei FOCUS und DIE ZEIT und div. anderen Verlagen – ist anscheinend nicht viel Wichtiges passiert in den letzten Tagen …

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Der Mörder ist immer der Gärtner … und sein Marienkäfer

In diesem Jahr gibt es auf meinem Balkon einen wahren Dschungel an Kapuzinerkresse. 6 Pflanzen pro Kasten (nach Aussage meiner Mutter „Viel zu viele!“ – ja, sie hat recht … Merkzettel: Nächstes Jahr nur 4 Knubbel einpflanzen, es wird trotzdem ausreichend Grünzeug für den Salat) halten sich nicht wirklich an den Tütenaufdruck „niedrigwachsend“:
Die mit gelblichen Blüten stehen einen halben Meter fast senkrecht im Kasten und überfallen bei Wind ihre Nachbarn mit orangen Blüten, die wachsen zwar niedriger, versuchen dafür aber, Lianen aus dem Obergeschoss bis auf den Hof zu pusseln.

Bei den ersten Blüten wollte ich hungrigen Hummeln und Schwebfliegen nichts wegessen, mittlerweile haben sie aber wohl die Nase voll von Kresse (Merkzettel: Nächstes Jahr eine bunte Wiesenmischung im Extratopf als Alternativmenü anbauen) und ich könnte selbst auf die Weide.
Aber: Die Mitesser, die ich jetzt entdeckt habe, sind nicht annähernd so willkommen wie Hummel, Biene & Co. … Genaugenommen, sind sie so willkommen wie ein Stinktier unterm Weihnachtsbaum: Es sind Blattläuse, die in Legionen meine Kresse heimsuchen. Das Marienkäferchen, dass ich entdeckte, hatte nicht die geringste Chance, die lausige Bande in Schach zu halten.

Tapferer Streiter gegen die lausige Übermacht.

Was tun? Die Chemiekeule ging nicht, 1. wegen besagten Käferchens samt seiner Verwandtschaft und 2. kommen auch immer noch mal wieder welche von den pelzigen Brummern vorbei. Befallene Triebe einzeln rausschneiden ist schwierig, da meine Kresse Freude an Knotenspielen hat und das Ganze mittlerweile zu verdröselt ist. Also her mit der Machete, in diesem Fall meine Küchenschere, und fröhlich effiliert. Nach diesem gärtnerischen Kunstgriff hoffe ich, dass das Marienkäferchen wieder den Überblick über die verbliebenen lästigen Sauger hat.

Zukünftige Blattsauger … und ihre Nemesis!

Zur Unterstützung stürze ich mich jetzt jedenfalls mehrmals am Tag mit Scannerblick (das ist in diesem Fall die gesteigerte Form von Kennerblick) aufs Grünzeug und leiste meinen Anteil an der Plagenvernichtung. Wie man an meinen schmuddeligen Mörderhänden sehen kann, schrecke ich auch nicht davor zurück, ganze Kinderstuben samt Betreuerin aus meiner Plantage zu entfernen. Wenn ich die sorgsam aufgereihten Gelege betrachte, bekomme ich fast schon ein schlechtes Gewissen – das verschwindet aber völlig, wenn ich sehe, wie meine Pflanzen ausgesaugt und zugerichtet werden, bis sie schläpplich die Blätter hängen lassen …

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Erblassen der anderen Art

Übergewicht kann man ererben, da man es ja anscheinend auch vererben kann. Zumindest laut einer Videotext-Schlagzeile eines TV-Senders:

Das liest sich, als wenn sich die lieben Ahnen zusammengesetzt und überlegt haben, wie sie dem atmenden Teil der Familie eine Freude machen können. „Was haltet ihr davon, wenn wir der Trude ein paar Pfund vermachen?! Zu Weihnachten freut sie sich bestimmt besonders darüber. Ich fand das ja auch ganz toll, als ich meinen ersten „Schwimmring“ von euch bekam.“

Der Sender bietet auch einen Faxabruf zum Thema an. Ob man dort erfährt, wo und wie man ein derartiges Erbe ausschlagen kann (sollte sich die Freude über ein derartiges Geschenk in Grenzen halten)? Wäre doch nett, einfach die Annahme der Erbschaft zu verweigern, oder?! Da der Abruf kostenpflichtig ist und ich nicht glaube, dass die Informationen tatsächlich etwas Erhellendes im Sinne meiner obigen Überlegungen beinhalten, mache ich ihn aber nicht, sondern gönne mir für das gesparte Geld doch lieber ein kleines Leckerchen.

Zur „Erbmasse“ meiner Familie gehören nämlich sehr ausgeprägte GENießer-Gene und nicht das fertige Übergewicht – dafür muss schon jede/r ggf. selbst sorgen. Ein bisschen Eigenleistung darf ja wohl erwartet werden, außerdem ist es doch auch ganz schön, selbst etwas im Leben zu erreichen …

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Das Bedeutungs-Los – nicht immer ein Gewinn

Heute habe ich in einem Artikel eines meiner Lieblingsjournalisten der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung den Begriff „Mund-zu-Mund-Propaganda“ gelesen. Köstlich. Anscheinend gibt es Ausdrücke, die problemlos die eigene Plausibilitätsprüfung unterlaufen. Sowie man nämlich ein bisschen über sie nachdenkt, fällt einem auf, wie herzerfrischend unsinnig sie sind. Natürlich kann es in diesem speziellen Fall auch ein besonders gelungenes Wortspiel zum „viralen Marketing“ sein, auf das im Artikel Bezug genommen wird. Wenn ich es mir recht überlege, halte ich es bei diesem Wortartisten (und der Tatsache, dass die Formulierung mit Gänsefüßchen garniert ist) sogar für mehr als wahrscheinlich.

Diese Raffinesse können aber leider nicht alle Verwender des Begriffes „Mund-zu-Mund-Propaganda“ für sich in Anspruch nehmen. Denn: In den mir bekannten Textvorkommen geht es nicht um Virusverbreitung per Tröpfcheninfektion, sondern um Informationsverbreitung. Somit wäre es treffender eine „Mund-zu-Ohr-Propaganda“. Was aber doch leicht sperrig klingt und erfreulicherweise in der Umgangssprache zur „Mundpropaganda“ zusammengeschnurrt ist.

Ein weiterer semantischer Fehlgriff begegnet mir im Handel häufig zu Schuljahresbeginn oder gegen Ende eines Jahres: die „Schreibtischunterlage“. Mal kommt sie als überdimensionaler Schreibblock mit Abreißblättern daher (mit oder ohne Kalendarium) oder sie ist aus Kunststoff (mit oder ohne Bildmotiv) – egal wie, sie ist entweder eine „Schreibunterlage“ oder eine „Schreibtischauflage“. Eine „Schreibtischunterlage“ kann ein Teppich sein. Oder ich habe meinen Arbeitsplatz seit Jahren irgendwie völlig falsch eingerichtet …

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Kein Wischi-Waschi

Es zeichnete sich schon seit einiger Zeit ab, dass sie es nicht mehr lange machen wird. Vor ein paar Tagen war es dann soweit, meine Waschmaschine segnete das Zeitliche. Ein neues Modell zeigte sich zwar schon am Horizont des Wäschekorbes ab, aber die Zeit bis dahin …

Ich suchte nach einem Waschsalon. Meine – zugegebenermaßen viele Jahre alten – Erinnerungen an derartige Etablissements sind nicht besonders positiv. Meist waren es Orte bar jeglichen Wohlfühlanspruches – grelles Neonlicht, Mobiliar, das sich eher an Haltbarkeit denn an Bequemlichkeit orientiert, kurz: Eine Einrichtung, die die Pflegeanleitung „Problemlos mit dem Dampfstrahler zu reinigen“ trägt.

Aber die Zeiten haben sich geändert, zumindest bei den Waschweibern. Hier kann man, während man darauf wartet, dass sich die Wäsche sauber turnt, lecker essen und trinken.

Bei schönem Wetter sitzt man draußen, ansonsten macht man es sich drinnen nett, wirft zwischen Flammkuchen und Latte Macchiato die Wäsche von der „Ria“ in den „Nick“ und lässt es sich gut gehen.

Die diensttuenden Waschmaschinen sind Persönlichkeiten. Jedenfalls tragen sie Namen, wie Esmeralda, Sotiria oder auch Beatrice, Wäsche trocknen ist hier absolute Männerarbeit, die Trockner heißen bspw. Nicolas oder Siegfried. Da kommt ein völlig neues Verbundenheitsgefühl zu den Gerätschaften auf.

Das Publikum ist bunt gemischt, hinter der Theke stehen fröhliche Leute, die Neulingen gern den Umgang mit dem Maschinenpark zeigen und sich schnell um das Bestellte kümmern.

Und sonntags ab 20:15 Uhr – wenn alle Waschmaschinen und Trockner schon schlafen – wird gemeinsam „Tatort“ geguckt. Dann ist die Zeit der weißen Westen vorbei …

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Herzlich willkommen in der Messestadt Hamoover

Kürzlich war ich mal wieder per Bahn unterwegs. Die Fahrt war herzerfrischend ereignislos: Kein Wildunfall, bei dem das arme Tier noch die Druckluftschläuche für die Bremsen außer Gefecht setzt, sodass langes Warten (gefühlt eine Ewigkeit) auf einen Ersatzzug folgt, der Zug war nicht übervoll und nicht verspätet, die Klimaanlage klimatisierte ordnungsgemäß, die Mitfahrenden zeigten sich schweigsam bis fröhlich – kurz, es war ausgesprochen angenehm, durch die Lande kutschiert zu werden. Als ich schon dachte, dieses Wohlbefinden ist (zumindest bei einer Bahnreise) kaum noch zu steigern, hielten wir an einem Bahnhof (Name ist der Autorin bekannt) und auf der Zuganzeige stand folgendes Fahrtziel:

Ab maach Hauwwe!

Aha. Also, entweder war dem zuständigen Reiseziel-in-Zugzielanzeige-Eintipper der Ort von jemandem genannt worden, dessen Zähne anscheinend noch im Stand-by-Betrieb ein bisschen im Glase umherschwammen oder er hatte zwar seine Zähne, aber zusätzlich noch eine halbe Pizza im Mund.

Der „Kutscher“ ließ sich aber nicht irritieren, der Zug fuhr, wie im Reiseplan angegeben, nach Hannover. Und ich werde versuchen, nicht mehr vorschnell zu sagen: „Das schreibt sich, wie man es spricht.“

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